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Bamako

Kinostart: 01.02.2007
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Filmhandlung und Hintergrund

In Afrika geht’s zu wie im Wilden Westen - das behauptet zumindest Abderrahmane Sissako in seinem hintersinnigen, ironischen und schmerzhaften Lehrstück. In das Haus, genauer gesagt den Hof seiner Kindheit kehrt er zurück, Abderrahmane Sissako („Warten auf das Glück“), einer der gefeiertsten zeitgenössischen Filmemacher Afrikas. Dort wo er als Junge in Bamako, der Hauptstadt Malis, zwischen Lehmmauern spielte, siedelt...

Die schöne Sängerin Melé (Aissa Maiga) arbeitet in einer Bar und lebt mit ihrem arbeitslosen Mann Chaka (Tiecoura Traore) in Trennung. Sie teilen sich mit anderen Bewohnern den Hinterhof eines Hauses in Bamako, der Hauptstadt des armen westafrikanischen Mali. Dort, wo Hochzeitsgesellschaften durchziehen, Waschtage zelebriert werden und es von Hühnern und Ziegen nur so wimmelt, soll Gericht gehalten werden. Das afrikanische Volk klagt gegen den internationalen Währungsfonds IWF und die Weltbank, die das Land zugrunde richten.

Als afrikanischer Film des Jahres gehandeltes Drama ohne durchgängige Handlung, das über die Globalisierung diskutiert und dabei nicht nur Politik und Weltwirtschaft berührt, sondern auch die prekäre Lage im dunklen Kontinent auf unterhaltsame Art wiedergibt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Es mag auf den ersten Blick wie eine haarsträubende Idee erscheinen: Abderrahmane Sissako verlegt ein Tribunal gegen die Mächtigen dieser Welt nicht etwa nach New York oder Brüssel, wo man sonst internationale Gerichtsverfahren erwarten möchte, sondern nach Mali, eines der ärmsten Länder Afrikas. Doch der Regisseur verweigert sich der Logik dieser Weltordnung, begibt sich nicht zum Sitz der Entscheidungsträger, zum Sitz der Angeklagten, sondern dahin, wo die Ankläger leben, die tagtäglich die Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftspolitik zu spüren bekommen. Mit formaler Strenge, aber ohne didaktischen Impetus inszeniert der Weltbürger Sissako – in Mauretanien geboren, in Mali aufgewachsen, in Moskau studiert und in Paris lebend – im Haus seines kürzlich verstorbenen Vaters diesen fiktiven Prozess von Arm gegen Reich. Vom einfachen Bauern bis zum Anwalt kommt jeder zu Wort, bezeugt die Auswirkungen der internationalen Finanzpolitik und die Korruption manch eines Staatschefs. Die Richter und Anwälte in „Bamako“ üben auch im richtigen Leben diesen Beruf aus, manche Schauspieler sind Profis, und andere wiederum Verwandte des Filmemachers, die auch außerhalb der Dreharbeiten in diesem Haus leben.

      Abderrahmane Sissako gelingt mit „Bamako“, seinem dritten Langspielfilm nach „La vie sur terre“ und „Heremakono – Warten auf das Glück“, eine kluge Analyse globaler Zusammenhänge – gerade, weil der Film weit mehr ist als nur eine Anklage. Denn Sissako klagt nicht nur, er macht vor allem Kunst. Und die ist politisch, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Während der Vorbereitungen des Films gab der Regisseur den Juristen Informationen, um ihre Plädoyers vorzubereiten, die er während der Dreharbeiten mit mehreren Videokameras einfing – ohne zu wissen, was ihn erwartet. Diesem dialoglastigen Teil gegenüber stehen die Geschichten der Hausbewohner, allen voran die der Sängerin Melé und ihres arbeitslosen Ehemanns Chaka. In ruhigen, klaren Bildern und ganz auf die ausdrucksstarken Schauspieler Thiécoura Traoré und Aïssa Maïga vertrauend inszeniert Sissako, wie das Paar an den Frustrationen des Alltags auseinanderbricht. So öffnet er ohne viele Worte immer wieder den Blick für diejenigen, über deren Schicksal eigentlich verhandelt wird. Für diejenigen, an denen das Verfahren scheinbar beiläufig vorbeigeht, die sich nicht dafür zu interessieren scheinen aus dem Wissen, dass auch die Wiederholung immer gleicher Argumente das Handeln der Mächtigen dieser Welt kaum beeinflussen wird. Für diejenigen, die vor den Mauern des (Gerichts-) Hofes sitzen und den Prozess übers Radio verfolgen, weil sie nicht eingelassen werden – genauso wenig wie ein Flüchtling, der im Verlauf des Films die malische Hauptstadt verlässt und an der Festung Europa scheitert.

      Mit einem Augenzwinkern fügt der Regisseur einen Spaghetti-Western in den Verlauf des Films ein. „Tod in Timbuktu“ heißt es für internationale Filmstars wie den amerikanischen Schauspieler Danny Glover oder den palästinensischen Regisseur Elia Suleiman. Doch bei aller dieser Parodie innewohnenden Ironie verweist der Western, wie auch der Gerichtsfilm ein ureigenens amerikanisches Genre, auf die nicht nur ökonomische, sondern auch die kulturelle Dominanz der Weltmächte, die sich sogar in der Wüste Malis niederschlägt. Abderrahmane Sissako beweist mit jedem seiner Filme aus Neue, dass er dieser Dominanz etwas entgegen zu setzen hat.

      Fazit: Eine intelligente Konstruktion und ein mutiges Plädoyer gegen die ökonomische Übermacht internationaler Finanzorganisationen. Manchmal etwas dialoglastig entwickelt der Film von Abderrahmane Sissako, einem der wichtigsten Regisseure des afrikanischen Gegenwartskinos, seine volle Wirkung vor allem in den ruhigen, bildstarken Momenten, die auch seine früheren Filme kennzeichnen.
    2. In Afrika geht’s zu wie im Wilden Westen - das behauptet zumindest Abderrahmane Sissako in seinem hintersinnigen, ironischen und schmerzhaften Lehrstück.

      In das Haus, genauer gesagt den Hof seiner Kindheit kehrt er zurück, Abderrahmane Sissako („Warten auf das Glück“), einer der gefeiertsten zeitgenössischen Filmemacher Afrikas. Dort wo er als Junge in Bamako, der Hauptstadt Malis, zwischen Lehmmauern spielte, siedelt er sein aktuelles Werk an, erhebt Anklage gegen die rücksichtslose Vorgehensweise des internationalen Währungsfonds IWF und die Entwicklungspolitik der Weltbank, die schlicht an Realitäten des Schwarzen Kontinents vorbeizielt. Echte Rechtsanwälte und Richter lädt er ein und Zeugen vor, um der Globalisierung und deren Folgen den (Schau-)Prozess zu machen.

      Ein höchst ehrbares Unterfangen, dass in „Bamako“ mit einfachsten Mitteln umgesetzt wird. Wie schon in seinen vorangegangen Arbeiten bleibt der in Moskau ausgebildete Filmemacher sich und seinem minimalistischen Stil treu. Er begibt sich auf Augenhöhe mit den handelnden Personen, nimmt die Position des stillen Beobachters ein: Ein französischer Richter sucht nach der passenden Sonnenbrille, eine Sängerin liegt sich mit ihrem arbeitslosen Mann in den Haaren, eine Hochzeit wird zwischen Hühnern, Ziegen und spielenden Kindern zelebriert und auch der turbulente allwöchentliche Waschtag trotz Gerichtsverhandlung abgehalten.

      Im harten Kontrast zum bunten afrikanischen (Hinterhof-)Alltag stehen die flammenden, teils gesungenen Plädoyers der geplagten Zivilbevölkerung. Im kleinen Unrecht spiegelt sich das große wider, die Folgen von Migration, Kolonialismus und Ausbeutung werden spürbar. Von Wut und Verzweiflung sprechen die klaren Bilder Jacques Besses. Doch ehe man in tiefe Depression verfallen kann, galoppiert (der ausführende Produzent) Danny Glover in „Silverado“-Manier durchs Bild, flankiert von den schießfreudigen Regisseuren Elia Suleiman und Zeka Laplaine. Reißerisch der (eingeblendete) Titel ihres Mali-Western-Clips: „Tod in Timbuktu“. Ironisch, spielerisch leicht treffen Unterhaltung, Kunst und Anklage aufeinander, am eindringlichsten vielleicht in Samba Diakités Arie, deren Worte man nicht zu verstehen braucht, um das Leid des riesigen Landes zu begreifen: Afrika ist, wie dies die Schriftstellerin Aminata Dramane Traoré als „Zeugin“ auf den Punkt bringt, Opfer seines Reichtums. geh.

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