Baarìa - Eine italienische Familiengeschichte

  1. Ø 4
   2009
Trailer abspielen
Baarìa - Eine italienische Familiengeschichte Poster
Trailer abspielen
Alle Bilder und Videos zu Baarìa - Eine italienische Familiengeschichte

Filmhandlung und Hintergrund

Baarìa - Eine italienische Familiengeschichte: Giuseppe Tornatore verzahnt in durchkomponierten Bildern ein halbes Jahrhundert Familiengeschichte mit der politischen Siziliens vom Beginn des Faschismus bis in die 1980er Jahre.

Peppino ist als Sohn eines einfachen Schafhirten, der sich für Bücher interessierte, aufgewachsen. Er erinnert sich an seine Kindheit im sizilianischen Dorf Baaria, in dem jeder jeden kennt, während die Faschisten durch die Straßen marschieren. Nach dem Ende Mussolinis schließt sich der junge Mann mit dem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn den Kommunisten an. Die Eltern seiner Auserwählten Mannina sehen das nicht gern. Peppino muss eine Entscheidung treffen.

Der Sohn eines Schafhirten erinnert sich an seine Jugend im sizilianischen Dorf, an Faschismus und später Kommunismus. Giuseppe Tornatores („Cinema Paradiso“) Familiengeschichte ist anrührend, aber nicht leicht goutierbar.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

So werten die User Ø
(1)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme
So werten die Kritiker (2 Stimmen)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Der Filmemacher Giuseppe Tornatore setzt seiner sizilianischen Heimatstadt Bagheria ein Denkmal mit diesem drei Generationen umspannenden Epos. Peppino, sein Vater Cicco und schließlich sein Sohn Pietro sind die Protagonisten, in deren Leben sich das vergangene Jahrhundert in regionaler Färbung spiegelt, mit den Themen Armut, soziale Ungleichheit, politischer Idealismus und Prägung im Elternhaus. In kurzen Szenen blättert Tornatore mit eleganter Kameraführung ein Bilderbuch auf im Wechsel der Jahrzehnte. Das 150 Minuten lange Werk ist optisch ein Genuss, inhaltlich jedoch verpasst es die Gelegenheit, rechtzeitig zum Schluss zu kommen.

    Das Eigentümlichste an diesem nostalgischen Epos ist der Stil der Inszenierung. Die einzelnen Szenen sind anekdotenhafte, kurze Einblicke in den Alltag verschiedener Zeiten. Mal rennt der kleine Pietro durch die staubigen Straßen, dann verwandelt er sich plötzlich in den kleinen Peppino, also seinen Vater, als der noch mit einer Kuh durch die Stadt zog. Mal wird eine häusliche Szene eingefangen, in der eine hungernde Nachbarin Metzgerabfälle verbrennt, damit die anderen denken, sie habe genug zu essen. Mal kommt Peppinos Bruder zum Apotheker, weil er ein Mittel zum Sterben braucht. Die schiere Fülle dieser vielen Detailszenen ergibt dann das Erinnerungsalbum einer Heimatstadt, wie es nur der Geist eines liebenden Betrachters speichern kann.

    Wie sein Vater Cicco wird auch der muntere Peppino begeisterter Kommunist. Als Politiker trägt der von Francesco Scianna gespielte erwachsene Peppino Anzüge und wird oft im Profil gezeigt, wie er mit einer Zigarette im Mund als Denker die Lage beobachtet. Scianna stellt den begeisterungsfähigen jungen Mann, der auch als armer Bräutigam Würde und Rechtschaffenheit ausstrahlt, überzeugend dar. In der kleinen Stadt leben Arm und Reich wie selbstverständlich beieinander, begegnen sich Faschisten und Kommunisten öfter, als ihnen lieb ist. Manchmal hilft den Leuten ihr Witz, ihre fröhliche, beschwingte Ader, mit solchen Gegensätzen fertig zu werden. Tornatore liegt offensichtlich viel daran, die Protagonisten, mit denen er seiner eigenen Familie ein Denkmal setzt, als herzliche, leidenschaftliche und unbeschwerte Menschen darzustellen.

    Außer der Parteipolitik prägt auch der Aberglaube das Leben in Baarìa. Tornatore widmet etliche Szenen dem Umgang der Menschen mit Zeichen, Traumbildern und Wahrsagung. Die Bewohner werden allerdings oft verklärend porträtiert, als müssten ihr Humor und ihre Schläue auch noch im kleinsten Detail um die Gunst des Publikums buhlen. So was kann vorkommen, wenn der Erzähler zu verliebt in seine Geschichte ist, wenn er der Außenwelt nicht vorenthalten will, was beispielsweise Cicco auf seinem Sterbebett gesagt hat: Dass die Umstehenden, die ihn bitten, ihre verstorbenen Angehörigen zu grüßen, die Namen aufschreiben mögen, er könne sie sich sonst nicht merken. Irgendwann in der zweiten Hälfte des Films wird es dann langweilig, Peppino beim Verteilen von Flugblättern zuzuschauen und Tornatores Lokalpatriotismus noch weiter zu folgen.

    Zur elegischen Musik von Ennio Morricone vollführt der Schnitt kunstvolle Zeitsprünge von einem Gesicht zur nächsten Generation, verlässt die Kamera immer wieder den Boden, um in senkrechter Fahrt das Panorama zu umarmen. Die visuelle Gestaltung dieses Films ist am besten als elegant zu beschreiben, das Augenmerk des Regisseurs auf Ästhetik, nostalgischer Atmosphäre und stilvollem Lichteinfall sorgt für beeindruckende Bilder. Die Frauen sind vor allem schön, fruchtbar und jung, so die von Model Margareth Madè in ihrem Kinodebüt gespielte Mannina und ihre zeitweise von der gleichaltrig aussehenden Nicole Grimaudo dargestellte Mutter. Dass Mutter und Tochter wie Schwestern aussehen, ist zwar schick, geht aber auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Was aber in diesem Porträt am meisten fehlt, ist die dunkle, dem Leid gehörende Authentizität, die in einer Stadt auf Sizilien auch existieren dürfte.

    Fazit: Elegant gefilmtes Epos von Giuseppe Tornatore über seine sizilianische Heimat, dessen bilderbuchartige Szenen aus verklärter Perspektive fast ein ganzes Jahrhundert umspannen.
  • Giuseppe Tornatore verzahnt in durchkomponierten Bildern ein halbes Jahrhundert Familiengeschichte mit der politischen Siziliens vom Beginn des Faschismus bis in die 1980er Jahre.

    Vor fast 20 Jahren verzauberte Giuseppe Tornatore mit „Cinema Paradiso“, eine Verbeugung vor der Magie des Kinos und Geschichte über das Erwachsenwerden. Auch sein neuer Film spielt in Sizilien, in seiner Heimatstadt Baarìa (Bagheria), die er mit 28 Jahren verließ, etwas spät – nach Fabrizio Salina in „Der Leopard“ muss ein junger Mann vor seinem 17. Geburtstag Sizilien verlassen, sonst komme er niemals raus aus der Region. Tornatore kehrt jedenfalls immer wieder zurück. Erneut ist ein Junge Protagonist, dessen Werdegang er bis ins hohe Alter verfolgt.

    Tornatores Ziel, die Unschuld einzufangen, die der junge Mann am Tag des Abschieds von der Insel verlor und die Handlung in einer einzigartigen und zeitlosen Epoche anzusiedeln, einem kleinen, überschaubaren Reich um eine Straße nicht weit vom Hauptplatz entfernt, erreicht er vor allem am Anfang dieser Familiengeschichte von drei Generationen. Er erzählt vom Großvater und armen Schafhirten Ciccio, der sich für Bücher interessiert, von dessen Sohn Peppino, einen glühenden Kommunisten, und von Enkel Pietro, Repräsentant der modernen Zeit. Peppino steht im Mittelpunkt, er beisst sich durch und heiratet seine große Liebe, steigt trotz mangelnder Bildung in der Kommunistischen Partei auf.

    Die Menschen erleben hautnah die Ereignisse, dabei geht es im Eiltempo durch die Historie, vom Faschismus über den Zweiten Weltkrieg bis weit hinein in die Nachkriegszeit, Mafia-Umtriebe und Studentenrevolte inklusive. Das ist zu viel für einen Film mit Ellipsen und Wiederholungen, der nicht über den epischen Atem von Bernardo Bertoluccis „1900“ verfügt und in Nostalgie schwelgt, einiges anreißt, aber nicht zu Ende erzählt, aber dafür durch anrührende Details wieder wett macht. Da rennen die Jungs immer wieder durch die Straße, Spiegelbild von nicht nur baulicher, sondern auch gesellschaftlicher Veränderung, starren im Kino gebannt auf die Leinwand oder – eine der schönsten Szenen – läuft und läuft der Kleine, hebt ab und lässt Dorf, Hänseleien und Armut unter sich. Irgendwie ist immer etwas los, in manchen Momenten fehlt die Ruhe, sich auf die Personen einzulassen, die schön und leidenschaftlich für ihre Sache kämpfen. Italien setzte jedenfalls auf „Baarìa“ und schickte das Epos, das in der Startwoche an die Spitze der heimischen Charts stürmte, ins Oscar-Rennen. Für Tornatore, Gewinner des Auslands-Oscars 1989 für „Cinema Paradiso“, nach all der Kritik eine Bestätigung. mk.

News und Stories

Kommentare