Filmhandlung und Hintergrund

Dokumentation über das Verblassen und die Kontinuität von Geschichte am Beispiel deutscher Autobahnen.

Deutschland, deine Autobahnen. Von den Anfängen im Dritten Reich über die getrennte Entwicklung nach dem Krieg mit all ihren bizarren Begleiterscheinungen bis zur Modernisierung in der Nachwendezeit wird die Geschichte der ostdeutschen Schnellstraßen unter die Lupe genommen. Zu Wort kommen Zeitzeugen vom Flüchtling bis zum Vopo, dazu gibt’s Bilder aus 70 Jahren Geschichte, Propaganda und Anekdoten.

Weniger eine Analyse politisch-historischer Zusammenhänge als ein mal ironisch gebrochenes, mal geradeheraus nostalgisches Stimmungsbild serviert Regisseur Gerd Kroske in dieser Bilanz einer deutsch-deutschen Herzensangelegenheit.

Statt der Grenzübergänge bei Hirschberg, Marienborn oder Drewitz gibt es heute verbreiterte Fahrbahnen; statt Zollhäusern zieren Motels und Shopping Malls die ostdeutsche Landschaft. Der Film zeigt bislang unveröffentlichte Bilder vom Bau, der Überwachung und der Sicherung der Autobahn Ost nach dem Mauerfall und reiht diese mit Gesprächen mit Beteiligten aneinander, die mit der Autobahn auf verschiedene Weise verbunden waren.

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Darsteller und Crew

  • Waldemar Gromzik
    Waldemar Gromzik
  • Manfred Mädchen
    Manfred Mädchen
  • Hans-Werner Schmidt
    Hans-Werner Schmidt
  • Torsten Wachholz
    Torsten Wachholz
  • Fritz Milde
    Fritz Milde
  • Lars Kähler
    Lars Kähler
  • Gerd Kroske
    Gerd Kroske
  • Axel Doßmann
    Axel Doßmann
  • Nicole Leykauf
    Nicole Leykauf
  • Dieter Chill
    Dieter Chill
  • Klaus Janek
    Klaus Janek

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Autobahn Ost: Dokumentation über das Verblassen und die Kontinuität von Geschichte am Beispiel deutscher Autobahnen.

    Big Brother was watching you: Wer in DDR-Zeiten auf der Autobahn Ost fuhr, stand unter Beobachtung, fürchtete das System doch Menschenschmuggel und Infiltration. Gerd Kroske begibt sich 15 Jahre nach der Wiedervereinigung auf Spurensuche, zeichnet - allerdings sehr sanft und nachsichtig - am Beispiel der Autobahn ein Stück deutsch-deutsche Geschichte nach.

    Wer bis zur Wende vom Westen durch die DDR fahren musste, erinnert sich sicherlich noch an die kleinen und großen Schikanen von Grenzern und Kontrolleuren und die schlechte Straßenqualität. Denn mangels Devisen bestanden die Fahrspuren aus Beton, für den besseren Asphalt fehlte das Geld. Der in Dessau geborene Dokumentarfilmer Gerd Kroske schaut zurück auf die Zeit der Planwirtschaft und vermittelt Informationen - dass der Bau von 100 Autobahnkilometern pro Jahr vorgegeben war, eine Utopie, wie jeder wusste, aber niemand sagen durfte. Da musste dann der Westen finanziell einspringen, der die Kosten für die Autobahnbrücke bei Hof übernahm, was zu seltsamen Bündnissen führte.

    Der Hauptteil des Films besteht aus Gesprächen mit Männern, die der „Autobahn Ost“ auf verschiedene Weise verbunden waren - Volkspolizist, Autobahnmeister, Passkontrolleur oder Unterhändler für die Rekonstruktion der Hirschberger Saalebrücke plaudern über die Vergangenheit, auch ein Maurer, der den „gewaltsamen Grenzdurchbruch“ nicht schaffte und für drei Jahre hinter Gitter kam und zusätzlich für die „Beschädigung“ einer Holzschranke am Grenzübergang noch eine Rechnung von 10.000 Mark erhielt, erzählt von seinen Erfahrungen. Und das ist neben der durchschimmernden (N)Ostalgie die Crux. Es fehlen Namens- und Funktions-Inserts, man weiß nicht wer da über was spricht und kann sich nur sukzessive wie in einem Puzzle die Einzelteile zusammensetzen, bei einem guten Dutzend Gesprächspartner eine ziemliche Pein.

    Interessant das verwendete Archivmaterial, das Einblick in den Autobahn-Alltag gewährt mit seinen „Tranit-Haien“, den scharf gemachten Vopos und einstigen Verantwortlichen. Amüsant, wie in einem Trainings-Video Schleuderfahrten à la Bond geübt werden, erschreckend dagegen die durchgängigen Überwachungsmechanismen. DDR-Bürger, die auf Raststätten zur Toilette oder ins Restaurant gingen, galten schon als verdächtig und die „Westärsche“ kriegten jedenfalls verbal von Stasi-Mannen und regimetreuen Grenzern ihr Fett ab. Wer früher im Sold der SED stand und kleine Vergehen hart ahndete, gibt sich heute jovial, zieht sich auf Paragraphendschungel und Pflichterfüllung zurück. Das Beamtentum als Bastion blinden Gehorsams. Da hätte man sich etwas „Nachbohren“ gewünscht, so wirken manche Interviews wie weichgespült. Ein Moment bleibt im Gedächtnis haften: Wenn die bekannte „Autobahn-Eiche“, eingeklemmt zwischen zwei Fahrspuren, gefällt wird. Sie war morsch geworden. Wie das System. mk.

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