Aufbruch Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Aufbruch: Nach "Teufelsbraten" der zweite Teil von Ulla Hahns Lebensgeschichte.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Das Drama mit Anna Fischer als junge Frau, die sich aus ärmlichsten Verhältnissen kämpft, ist die Fortsetzung des Zweiteilers „Teufelsbraten„.

    Vor acht Jahren hat der WDR mit „Teufelsbraten“ eine Geschichte erzählt, die in den tiefen 50ern spielte und dennoch hochaktuell war: Ein hochintelligentes Mädchen aus denkbar ärmsten Verhältnissen wollte sich nicht mit der Rolle abfinden, die ihm vorbestimmt war. Der Zweiteiler basierte auf dem biografischen Roman „Das verborgene Wort“ der Lyrikerin Ulla Hahn und beleuchtete die Kehrseite des „Wirtschaftswunders“. Abgesehen vom für rheinische Ohren gewöhnungsbedürftigen Dialektimitat zeichnete sich „Teufelsbraten“ durch ausgezeichnete darstellerische Leistungen und eine äußerst wirkungsvolle Bildgestaltung aus; gerade das Szenenbild hatte großen Anteil daran, dass der Film große Authentizität ausstrahlte. Anna Fischer, zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 21, gelang dank ihrer formidablen Leistung im zweiten Teil als 16jährige Titelheldin der endgültige Durchbruch.

    Für die Fortsetzung konnten die Verantwortlichen exakt das gleiche Team zusammenstellen. „Aufbruch“ (ebenfalls nach Hahn) orientiert sich stilistisch am Zweiteiler, zeichnet die Umstände jedoch nicht mehr ganz so extrem wie „Teufelsbraten“. Der Vater (Ulrich Noethen) zum Beispiel ist zwar nach wie vor verschlossen, aber bei weitem nicht mehr der Nachkriegs-Choleriker aus dem ersten Film. Auch die Welt der Familie Palm hat sich gewandelt: Sie lebt immer noch in armen Verhältnissen, doch Ausstattung und Kamera lassen die Wohnung längst nicht mehr so abweisend und finster wirken.

    Die größte Verblüffung aber gelingt Anna Fischer: Die Schauspielerin ist mittlerweile dreißig und knüpft dennoch nahtlos an ihre Rolle von damals an. Die Handlung spielt in den frühen Sechzigern, Hildegard ist 17, und weil sich Fischer diese Rolle mit Haut und Haar angeeignet hat, lässt sie keinerlei Zweifel aufkommen, dass sie trotz des großen Alterunterschiedes die perfekte Besetzung ist. Fast dokumentarisch schildern Volker Einrauch (Buch) und Hermine Huntgeburth (Regie), wie sich „Hilla“ gegen den Widerstand der Familie ihren Weg erkämpft. Gerade die Mutter (Margarita Broich) versteht nicht, warum sich die Tochter nicht damit begnügt, eine „gute Partie“ zu finden. Tatsächlich hat Hilla einen Verehrer, der bereit wäre, ihr die Welt zu Füßen zu legen. Leisten könnte er sich das allemal: Godehard (Daniel Sträßer) ist der Spross einer schwerreichen Kakaodynastie. Hilla ist zunächst angetan, will ihren Weg aber selbst bestimmen und gibt dem jungen Mann schließlich den Laufpass, was die Großmutter (Barbara Nüsse) mit dem Stoßseufzer „Hauptsache unberührt“ kommentiert. Dabei bleibt es jedoch nicht: In der bedrückendsten Szene des Films steigt Hilla auf dem Heimweg von der Nachhilfe spätabends zu Fremden ins Auto, wird vergewaltigt und wie ein kaputtes Spielzeug weggeworfen.

    Einrauch rückt die Beziehung zu Godehard und die Folgen der Vergewaltigung in den Vordergrund, doch die emotionale Basis des Films ist die Beziehung Hillas zu ihren Eltern: Dramaturgisch sind sie die Gegenspieler der zuweilen hochnäsigen jungen Heldin, aber Buch und Regie vermeiden es dennoch, sie anzuklagen; ihre eigene Tochter ist ihnen schlicht fremd geworden. Schade nur, dass Einrauch vorenthält, was aus ihnen geworden ist; sie tauchen in der Rahmenhandlung, in der die erwachsene Hilla eine Lesung in der von ihr als Jugendliche so geliebten Bücherei gibt, nicht auf. Auch hier genügt schon allein das behagliche Licht, um zu verdeutlichen, welche Bedeutung die Buchhandlung für Hilla als Refugium hat.

    Fazit: „Aufbruch“ ist ausgezeichnet gespielt, Ausstattung und Kamera sind erneut preiswürdig. Das „Kölsch-Diplom“, das sich die Schauspieler laut Noethen verdient haben, kann sich indes nur auf die Biersorte beziehen. tpg.

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