Filmhandlung und Hintergrund

Spike Lee, Vater und erfolgreichster Vertreter des New Black Cinema, überrascht nach seinem Monumentalepos „Malcolm X“ und der Drogenstory „Clockers“ mit einer kleinen Produktion, deren Reiz in einer Reise liegt, die im Bus von L.A. nach Washington führt und deren „Speed“ über 3000 Kilometer in einem flotten Dialog-Rap besteht, der den Trip als schwarze Jam Session in die Entdeckung des eigenen Bewußtseins charakterisiert...

1995: Eine buntgemischte Truppe Schwarzer aus allen Schichten bricht von L.A. auf, um mit dem Bus nach Washington zum Jahrestag des legendären Million-Man-March zu kommen. Selbstfindungs-Roadmovie mit flottem Dialog-Rap.

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Kritikerrezensionen

  • Spike Lee, Vater und erfolgreichster Vertreter des New Black Cinema, überrascht nach seinem Monumentalepos „Malcolm X“ und der Drogenstory „Clockers“ mit einer kleinen Produktion, deren Reiz in einer Reise liegt, die im Bus von L.A. nach Washington führt und deren „Speed“ über 3000 Kilometer in einem flotten Dialog-Rap besteht, der den Trip als schwarze Jam Session in die Entdeckung des eigenen Bewußtseins charakterisiert.

    Ausgangspunkt von Lees Low-Budget-Lauf durch die sozialen, psychologischen, religiösen und politischen Standpunkte der black community ist der Jahrestag des historischen Million-Man-March vom 16. Oktober 1995, als zwischen 400.000 und 1,5 Mio. Schwarze (die Zahlen schwanken tatsächlich innerhalb dieser Größenordnung) dem Aufruf eines der Führer, Farrakhan, in die Hauptstadt folgten und damit an den seinerseits noch wichtigeren Marsch von 1963, mitten in der heißen Phase der Bürgerrechtsbewegung, erinnerten.

    Lee nimmt den Marsch als Inspiration für etwa zwanzig Männer, ein durchaus repräsentativer Querschnitt der schwarzen Gesellschaft, die eine physische, emotionale, psychologische und spirituelle Reise erleben, die für alle Veränderungen mit sich bringt. Geschickt ausgewählt als einander Fremde, werden die Männer im Verlauf permanenter Diskussionen und freifließenden Gedankenaustauschs zu „Brüdern“. Das Spektrum umfaßt unter anderem einen Vater, der seinem ihm entfremdeten Sohn durch die gerichtlich verordneten Handschellen zwangsweise näher kommt; ein alter Mann (Lees Lieblingsschauspieler Ossie Davis, Repräsentant des Black Cinema der siebziger Jahre), der ehrbar lebte, aber nie wirklich gelebt hat; ein Filmstudent, der wie Spike Lee Junior durch die Gegend zoomt und Interviews führt; ein Cop, der ein Ende des „Straßenschlachtens“ ersehnt; ein Jungschauspieler, voller Haß; ein schwuler republikanischer Schwarzer und ein Busfahrer, der den wilden Haufen über den Kontinent bringen muß.

    Der Gefahr des bei diesem Thema naheliegenden Predigens entgeht Lee in seinem Roadmovie mit der Geschwindigkeit, in der die Probleme, Konflikte, Hoffnungen und Träume der Männer wie in einem Schlagabtausch ohne Netz und doppeltem Boden unterhaltsamst gedribbelt werden. Selbst die Trommel des Ältesten ist als Zeichen schwarzen musikalischen Erbes voll in ihrem Element und wird nach dessen Tod weitergereicht. Selbstkritik und Ironie treffen auf Betonmentalität und Protzerei, Kompromißmöglichkeiten wechseln sich mit Überzeugungsarbeit ab.

    Ein kleiner, aber feiner Spike-Lee-Joint, der wegen des wunderbaren Sprechgesangs und der Vielfalt der Stimm- und Sprechlagen möglichst unsynchronisiert mit Untertiteln vor allem in Kunst- und Programmkinos ein aufgeschlossenes Publikum finden wird. ger.

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