Auf der anderen Seite

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   2007

Auf der anderen Seite: Zweiter Teil von Fatih Akins "Liebe, Tod und Teufel"-Trilogie, in dem Regisseur von "Gegen die Wand" von sechs Menschen erzählt, deren Leben sich auf schicksalhafte Weise verweben.

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Filmhandlung und Hintergrund

Auf der anderen Seite: Zweiter Teil von Fatih Akins "Liebe, Tod und Teufel"-Trilogie, in dem Regisseur von "Gegen die Wand" von sechs Menschen erzählt, deren Leben sich auf schicksalhafte Weise verweben.

Der Bremer Rentner Ali (Tuncel Kurtiz) zahlt der Prostituierten Yeter (Nursel Köse) runde Sümmchen, damit sie ihm daheim Gesellschaft leistet. Sein Sohn, Germanistikprofessor Nejat (Baki Davrak), freundet sich mit ihr an und begibt sich nach einem tragischen Unfall auf die Suche nach ihrer Tochter in der Türkei. Die heißt Ayten (Nurgül Yesilçay), ist politische Aktivistin und taucht in Deutschland unter, wo sie der aus gutem Hause stammenden Lotte (Patrycia Ziolkowska) den Kopf verdreht. Lottes Mutter (Hanna Schygulla) ist das gar nicht recht.

Nach seinem Kritiker- und Publikumserfolg „Gegen die Wand“ schlägt Fatih Akin im zweiten Teil der „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie besinnlichere Töne an. Seine Reise zwischen den Kulturen weist ein famoses Ensemble auf und eine Struktur, die „Babel“ nahe kommt.

Charlotte verliebt sich zum Verdruss ihrer Mutter, einer vereinsamten, aber aufrechten Alt-68erin, in die gleichaltrige Ayten. Nejat hat die Welt seines Vaters Ali hinter sich gelassen, doch dann verliebt er sich in die Gefährtin seines Vaters, Yeter, eine Frau in seinem Alter, die sich in Deutschland prostituiert, um ihrer Tochter in Istanbul ein Studium zu ermöglichen. Der Tod einer der Figuren führt die Schicksale zusammen.

Ali bietet der in die Jahre gekommenen Prostituierten Yeter an, ihren Job an den Nagel zu hängen und bei ihm Zuhause zu arbeiten. Sie willigt ein. Als Ali sie aber herumkommandieren will kommt es zur Auseinandersetzung, Yeter stürzt und stirbt. Alis Sohn Netar lässt Deutschland hinter sich und wagt einen Neubeginn in dem ihm fremden Istanbul. Gleichzeitig verliebt sich die Studentin Charlotte zum Verdruss ihrer Mutter in die Illegale Ayten. Als Ayten geschnappt und ausgewiesen wird, reist Charlotte ihr hinterher.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Nach „Gegen die Wand“ ist „Auf der anderen Seite“ Fatih Akins zweiter Film seiner geplanten Trilogie „Liebe, Tod und Teufel“. War „Gegen die Wand“ pulsierend in seiner Wucht, ist „Auf der anderen Seite“ ein Zugvogel, der, wo immer er sich zur Rast niederlässt, von dem Ort träumt, an dem er als nächstes sein könnte. Der in Cannes mit dem Drehbuchpreis prämierte Film ist meditativ statt emotional. Akins Thema ist auch diesmal der Konflikt von Türken in Deutschland zwischen den Kulturen. Diesmal sucht er nach Verbindungen, Mustern, Bedeutungen, die sich aus der Vogelperspektive ergeben könnten, wie bei den Botschaften der Außerirdischen in der Wüste von Nazca.

    Der deutsche Beitrag für die nächste Oscar-Nominierung ist in drei Episoden geteilt. Die in Bremen spielende Geschichte „Yeters Tod“ mit ihren hungrigen, getriebenen Figuren fesselt durch die schauspielerische Präsenz der Darsteller von Ali und Yeter. Was für eine Idee – dass der Rentner Ali eine türkische Hure bezahlt, um sie zu seiner Frau zu machen! Ihr ein Heim zu bieten, von dem Huren zumindest im Film immer träumen, und sich selbst einen Hafen in der Fremde.

    Die Utopie ist zu schön, um gut zu gehen. Alis Sehnsucht nach Verwurzelung reißt immer neue Löcher auf, und Yeter kann der Gewalttätigkeit ihrer patriarchalen Gesellschaft nicht entkommen, vor der sie bei Ali Schutz suchte. Leider packt Akin schon in diese Episode noch mehr rein, was der Film nur behauptet, statt es plausibel aufzudröseln und mit Leben zu füllen: Der einfache alte Mann sitzt mit einem Germanistikprofessor im Garten, denn der ist sein Sohn. Die Gespräche zwischen Ali und Nejat wirken holprig, gequetscht.

    Dann hebt der Film erst mal ab und sieht so viele Schauplätze, dass er sich für keinen mehr so richtig entscheiden mag. Die Schlüsselszene am Flughafen von Istanbul kommt zweimal vor: Yeters Sarg wird aus dem Flugzeug gezogen, später wird ein Sarg zurück verfrachtet: Charlotte. In dieser zweiten Episode sind die Charaktere nur noch Typen, die sich weit isoliert haben. Die militante Ayten ist immer auf dem Sprung, wippt beim Gehen wie eine durchtrainierte Joggerin, ihre Blicke, Gesten, Worte sind romantische Bedingungslosigkeit. Später dann, plötzlich: Ayten sagt sich im türkischen Gefängnis von ihrer Gruppe los, um sich mit Charlottes Mutter zu versöhnen: Welche Strecken vor dieser Landung überwunden werden mussten, hat man nicht gesehen.

    Hanna Schygulla spielt als Charlottes Mutter eine Frau, die nach dem Tod ihrer Tochter in Istanbul zu neuem Leben erwacht. Sie umfängt die einsamen Jungen, Nejat und Ayten, mit ihrer mütterlichen Wärme. Schygullas Gesichtsausdruck ist schon fast entrückt in seinem Strahlen, das von innen kommt – beeindruckend, aber auch hier hebt der Film wieder ab ins Symbolische. Man darf gespannt sein, wo der nächste Film dieser Trilogie zum Auftanken landet.

    Fazit: Fatih Akin lässt Menschen auf der Suche nach ihren Angehörigen zwischen Deutschland und der Türkei hin- und herfliegen, doch die Geschichte lässt sich nirgends nieder.
  • Auf den Sturm folgt die Ruhe: Dem wilden Rock’n’Roll von „Gegen die Wand“ lässt Fatih Akin im Mittelteil seiner „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie einen durchdachten, beinahe schematischen Film folgen, der zwar ruhig erzählt, aber deshalb nicht minder leidenschaftlich wie sein Berlinale-Gewinner ist. Der Drehbuch-Preis in Cannes ist mehr als verdient.

    Auf der anderen Seite zeigt den Hamburger als großartig gereiften Filmemacher, der nach der ungezügelten Energie von „Gegen die Wand“ beweist, dass er mittlerweile die Souveränität besitzt, Emotion nicht mehr einfach mit dem Kopf durch die Wand, sondern auch in Form eines vielschichtigen, überlegten Werk zu erzielen. Die Brücke zwischen den beiden Werken schlägt zum einen der ungebrochene Kampfeswille des Filmemachers, eine in jeder Einstellung spürbare Leidenschaft, zum anderen aber auch die Fortführung seiner unverkennbar persönlichen thematischen Ausrichtung: das Pendeln zwischen zwei Welten, zwischen Deutschland und der Türkei, und der Versuch, die beiden Welten miteinander zu vereinen.

    Zwei Handlungsstränge greift Akin in seinem streng in drei Teile gegliederten Film auf, die er gekonnt gegeneinander laufen lässt: Er erzählt von einem jungen Türken in Deutschland, den ein überraschender Todesfall dazu bringt, seine Zelte als Germanistikprofessor in Hamburg abzubrechen und nach Istanbul zu ziehen. Und er erzählt von einer jungen rebellischen Türkin, die sich im politischen Widerstand engagiert und Istanbul aus Furcht vor Verfolgung verlassen muss. Sie sucht Zuflucht in Hamburg. Beide Stränge haben mittelbar und unmittelbar miteinander zu tun. Bravourös führt Akin sie schließlich zusammen und arbeitet sich auf dem Weg überzeugend an einer Vielzahl von Motiven ab. Denn nicht nur geht es um die auf den ersten Blick unvereinbar scheinenden Gegensätze zwischen deutscher und türkischer Kultur in einer um jeden Preis auf Globalisierung bedachten Welt, sondern auch um den Dialog zwischen den Generationen, der Eltern und ihren Kindern, vor allem aber um das Selbstbestimmungsrecht der Frauen, egal welcher Herkunft: Die Selbstverständlichkeit, mit der Akin ihnen zugesteht, selbst zu entscheiden, ob sie als Prostituierte arbeiten, sich in andere Frauen verlieben, sich politisch einbringen und ihre eigene Meinung äußern, ist beachtlich und ein überaus provokativer Aspekt dieses großartigen Films, der alles unternimmt, um den Kopf genauso zu füttern wie Bauch und Herz.

    Seine bewusst aufgesetzte Struktur lässt den Film manchmal didaktisch, vielleicht gar naseweis erscheinen. Dabei geht es Akin leicht erkennbar eher um eine Art Verweigerung: Er verweigert sich der einfachen Emotion, die bei einem Werk, das sich so explizit mit Tod und Trauer befasst, allzu leicht zu erzielen wäre. Vielmehr verlangt er von seinem Publikum Distanz, weil er Auseinandersetzung will, man soll Stellung beziehen zum Gezeigten und Gesagten, das immer nachvollziehbar vom Hier und Jetzt erzählt, von der Welt, die wir bevölkern. Daraus bezieht „Auf der anderen Seite“ seine beachtlich nachwirkende Wucht. Wobei sich Akin immer auf seine Schauspieler, der Thematik entsprechend in Deutschland und der Türkei besetzt, verlassen kann. Allen voran Hannah Schygulla, die die besten Momente des Films für sich beansprucht. Ihrem Regisseur hat sie es gedankt, indem sie ihn in Cannes bei der Pressekonferenz mit dem jungen Fassbinder verglich. Ein ganz besonderer Adelsschlag, der Akin vermutlich mehr bedeutet als alle Preise dieser Welt. ts.

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