Filmhandlung und Hintergrund

Wunderschönes, melancholisches, bisweilen auch amüsantes Drama um eine 45-Jährige, die nach dem Tod ihres Mannes die Trauer überwindet.

Anna Kastelano kehrt nach dem Tod ihres Mannes zum Haus ihrer Familie auf einer griechischen Insel zurück. Sie forscht in der Familiengeschichte, entdeckt Fotos und Briefe, und versucht den Charakter der beiden Annas, die das Leben ihres Vaters bestimmt haben, zu entziffern. Außerdem beginnt sie eine Affäre mit einem viel jüngeren Einheimischen.

Bilderstrecke starten(5 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Annas Sommer

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

0,0
0 Bewertung
5Sterne
 
(0)
4Sterne
 
(0)
3Sterne
 
(0)
2Sterne
 
(0)
1Stern
 
(0)

Wie bewertest du den Film?

Kritikerrezensionen

  • Annas Sommer: Wunderschönes, melancholisches, bisweilen auch amüsantes Drama um eine 45-Jährige, die nach dem Tod ihres Mannes die Trauer überwindet.

    Wie man Erinnerung mitnehmen kann ins Leben, Vergangenheit ins hier und heute, das zeigt Jeanine Meerapfel auf eine sehr animierende, leichte, sanft melancholische und auch immer wieder emotional fröhliche Weise. Hauptdarstellerin Angela Molina trägt die nachdenkliche, politisch unaufdringliche, sehr persönliche Geschichte einer reifen Frau, die mit der Vergangenheit ihrer Familie Zwiesprache hält, mit dem Charme und der Diskretion einer gestandenen Profi-Darstellerin.

    Einst tanzte Ulla Jacobsson nur einen Sommer, und es ging um Liebe und Freisein. Das war vor genau einem halben Jahrhundert. Und eigentlich geht es Jeanine Meerapfel um nichts anderes, wenn auch in einem sehr viel komplexeren Kontext. Die Regisseurin und Autorin, als Emigrantenkind in Argentinien geboren und aufgewachsen, ist aufgrund ihrer eigenen Biografie an existentiellen Fragen interessiert, die aus gelebten historischen Ereignissen resultieren. So erzählt sie die Geschichte einer Frau, die Erfolg in ihrem Beruf als Fotografin hat und den Sommer auf einer griechischen Insel verbringt. Dort, im Haus, das vor dem zweiten Weltkrieg ihren Eltern gehörte und das sie jetzt zu verkaufen gedenkt, wird sie von Erinnerungen eingeholt. Keiner ihrer Familie ist mehr am Leben – väterlicherseits waren sie Griechen, Juden, die Großmutter kam in Theresienstadt um, Annas Mutter war Spanierin. Während Anna heute mit einer gewissen heiteren Gelassenheit die sonnendurchflutete Insellandschaft genießt, die leckersten Wassertiere direkt aus dem Meer verspeist oder auf köstlichste Weise in der Küche zubereitet – Rezepte werden im Dialog mit einer Freundin für den Kinozuschauer mitgeliefert – , fallen ihr immer wieder Erinnerungen ein, bilden sich Gedankenansätze, die weiter gehen, Fragen aufwerfen – vom banalen bürokratischen Papierkrieg bis zu sensibleren Geheimnissen. Der Film schafft es, nie diese zumeist bedrohlich belehrende Achtung-Rückblende-Stimmung aufkommen zu lassen. Diese emotionalen Einschnitte, die den Fluss einer Geschichte aufhalten und oft zerstören, existieren hier nicht. Alle episodischen Szenen, ob Vergangenheit oder Gegenwart, fügen sich wunderbar lebendig ineinander, funktionieren in dieser imaginären Zeitgleichheit der Erinnerungen. Das gibt dem Film einen erzählerischen Reichtum und eine vielfältige Spannung, wie sie in einer so persönlichen, oft fast schon intimen Geschichte wie der von Anna selten ist. Anna lernt in diesem Sommer, mit ihren Erinnerungen umzugehen, auch mit dem ein Jahr zurück liegenden Tod ihres geliebten Mannes. Aus dem, was vergangen ist, nimmt sie jedoch nicht nur Trauer, sondern auch Lebenskraft mit. Angelina Molina spielt das auf eine ebenso dezente wie ansteckende Weise, ganz nach innen und deshalb so präzise, überzeugend. An Jeanine Meerapfels bei allem Ernst heiterem Sommerfilm wird ganz sicher ein großes Arthouse-Publikum Gefallen finden – und Appetit bekommen. fh.

Kommentare