American Splendor

   Kinostart: 28.10.2004

American Splendor: Teils fiktionales Drama, teils Animation, teils Dokumentation über das Leben und die Weltanschauungen des legendären Comic-Book-Autors Harvey Pekar.

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Filmhandlung und Hintergrund

Teils fiktionales Drama, teils Animation, teils Dokumentation über das Leben und die Weltanschauungen des legendären Comic-Book-Autors Harvey Pekar.

In den 70er Jahren beginnt der unauffällige und verschrobene Jazzfan, Musikaliensammler und Krankenhausangestellte Harvey Pekar (Paul Giamatti), seine ironischen Betrachtungen des Working Class-Alltags in kleine Geschichten zu verfassen. Als er bald darauf die Bekanntschaft des ebenfalls Jazz-verrückten Comic-Künstlers Robert Crumb (James Urbaniak) macht, beschließen beide, ihre Kräfte in einer heutzutage Kultstatus genießenden Comic-Serie namens „American Splendor“ zu bündeln. In Harveys Alltag ändert sich dadurch zunächst wenig - bis er in der Comic-Händlerin Joyce (Hope Davis) eine Gleichgesinnte trifft.

Amerikanische Subkulturgeschichte erster Kajüte erfährt ihre cineastische Würdigung, wenn die Regisseure Shari Springer Berman und Robert Pulcini Animation, Dokumentation und Spielszenen zu einem Comic-gerechten Ganzen verbinden.

Der Film beschreibt das launige Dasein von Harvey Pekar - Angestellter in einem Krankenhaus, leidenschaftlich-besessener Sammler und Autor einer halbautobiographischen Comicbook-Serie, die über 20 Jahre lang seine alltäglichen Erfahrungen mit seiner Beziehung, seinem Job und seiner Familie in seiner Heimatstadt Cleveland, Ohio wiedergeben.

Harvey Pekar, Aktenverwalter in Cleveland/Ohio, ist das perfekte Abbild eines Antihelden. Zugeknöpft, bieder und deprimiert hangelt er sich durchs Leben, nur sein kaum zu bändigender Sammlertrieb verschafft ihm ein wenig Ablenkung. Seit seiner Jugend hortet Harvey Platten sowie - vor allem - Comics aller Art. Als er auf einem Flohmarkt den Illustrator Robert Crumb kennen lernt, schließen sich die beiden zusammen und bringen Harveys sinnloses Dasein als Comic heraus - die „American Splendor“-Reihe ist geboren.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • American Splendor: Teils fiktionales Drama, teils Animation, teils Dokumentation über das Leben und die Weltanschauungen des legendären Comic-Book-Autors Harvey Pekar.

    In den 70e Jahren begann Harvey Pekar aus Cleveland, sein einsames und langweiliges Dasein in Form von Comics zu dokumentieren. Seither ist sein Leben in der Comicreihe „American Splendor“ festgehalten - und jetzt auch in einem Film. Die Regisseure Shari Springer Berman und Robert Pulcini verbinden darin mit verblüffendem Einfallsreichtum Zeichentrick-Animationen und dokumentarische Aufnahmen mit gespielten Szenen der wenigen starken und vielen schwachen Momente ihres launigen Helden, den der Zuschauer mit dem gesamten Spektrum seiner Paranoia und seines Ärgers kennen lernen darf. Und das ist ein großes Vergnügen.

    Nicht zuletzt deshalb, weil die Regisseure, die zuvor Dokumentarfilme gedreht haben, das Genre des Biopics dekonstruieren, indem sie das Leben ihres Helden nicht in eine klassische narrative Form bringen, sondern ihr „Rohmaterial“ zu einem originellen Konstrukt aus dramatischen Szenen mit Paul Giamatti in der Rolle von Harvey Pekar, dokumentarischen Interviews mit dem echten Pekar und animierten Fetzen aus den Comics von Harvey Pekar zusammenpuzzeln. Das Ergebnis ist eine jazzige Collage, die in keine Kategorie passen will und sich damit genialerweise genau dem nähert, dem sie Respekt erweist. Wie Terry Zwigoffs „Ghost World“ oder Todd Solondzs „Storytelling“ macht sich „American Splendor“ Gedanken über eine Sorte Mensch, die im üblichen Sinne als „Nerds“ im gesellschaftlichen Niemandsland oder in komischen Nebenrollen ihr Dasein fristet: die Einsamen, schlecht Angezogenen, ewigen Nörgler, die in Wahrheit die besten Chronisten ihrer Zeit und Umwelt sind und selbst unendlich unterhaltsamen Stoff für Beobachtungen liefen, denn - um es mit Harvey Pekars Worten auszudrücken: „Das normale Leben ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit.“

    In seinem Fall ist es zunächst das tödlich langweilige Dasein als Aktenschieber in einem Krankenhaus. Frei von Sentimentalität und mit erschütternd trockenem Humor kommentiert die heisere Erzählerstimme des echten Harvey seine ersten Bemühungen als Comic-Autor, seinen jahrelangen Kampf mit Krebs, den nicht weniger permanenten Trouble mit der Einsamkeit und der höchst komplizierten Beziehung zu seiner (von einer kaum erkennbaren hornbebrillten Hope Davis gespielten) Frau Joyce. Die gespielten Szenen mit dem versierten „Nerd“-Darsteller Paul Giamatti, der mit einer Brillanz und Komik durch die Szenen schlurft, dass er nicht nur seiner Rolle, sondern auch sich selbst ein Denkmal setzt, gleiten zwischendurch immer wieder hinüber in die Handlung hinter der Kamera: Da sitzen dann der echte Harvey und sein sonderbarer Freund „Nerd“ im Studio und schauen sich selbst zu. Und wenn der Film am Ende Pekar bei seinen Auftritten bei US-Talker David Letterman im Wechsel mit Giamatti zeigt, sind beide auf wunderbare Weise kaum mehr zu unterscheiden.

    Nach 100 Minuten schüttelt der Zuschauer Harvey Pekar zum Abschied die Hand, als hätte er mit ihm in irgendeinem Diner gesessen und er ihm bei einem Burger seine Lebensgeschichte erzählt. Genauso eigenwillig ist „American Splendor“ und wie sein Protagonist und dessen Comics voll von schüchternen Beobachtungen hässlicher und allgemeiner Enttäuschungen. Eine surreale Mischung aus Komödie, Drama und Dokumentation, ein trauriger, lustiger, kluger und sehr schöner Film zugleich. cm.

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