Alpha Dog - Tödliche Freundschaften

  1. Ø 4.5
   2006
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Filmhandlung und Hintergrund

Alpha Dog - Tödliche Freundschaften: Drama über Aufstieg und Fall eines Drogendealers nach einer wahren Begebenheit.

Dealer Johnny Truelove (Emile Hirsch) ist noch jung, will aber ganz groß hinaus und seinen kriminellen Vater Sonny (Bruce Willis) schnell übertrumpfen. Beim Geldeintreiben legt er sich mit dem Neonazi Jake Mazursky (Ben Foster) an, der ihm 1000 Dollar für Drogen schuldet. Als der ihm den Krieg erklärt, braucht Johnny ein Druckmittel. Das wird ihm auf dem Tablett präsentiert, als Jakes argloser jüngerer Bruder Zack (Anton Yelchin) in seine Arme läuft. Johnnys Gang (darunter Justin Timberlake) soll ihn bewachen – bis die Sache eskaliert.

Denn sie wissen nicht was sie tun: Nach wahren Ereignissen um einen vom FBI dringend gesuchten Drogendealer dringt Nick Cassavetes („John Q.„) tief in eine unbekümmerte Teengangsterwelt aus Partys, Sex und Drogen ein. Unangenehme Konsequenzen sind unvermeidbar.

Johnny Truelove, ein Junge aus dem San Gabriel Valley, eifert seinem kleinkriminellen Vater nach und möchte in dessen Fußstapfen treten. Die Dinge laufen jedoch aus dem Ruder, als er den 15-jährigen Bruder eines Schuldners kidnappt und sein Vater sich gezwungen sieht einzuschreiten, um ihn vor einem Leben hinter Gittern zu bewahren.

Eine privilegierte Gegend an der US-Westküste. Die Erwachsenen glänzen durch Abwesenheit, die Surfer-Kids hängen am Pool ab und kiffen. Das Wort führt Johnny, der seinem kriminellen Vater nacheifert. Da entlädt sich die Gewalt, als einer von Johnnys Kurieren, der Hitzkopf Jake, seine Schulden nicht zahlen kann und von seinem Chef gemaßregelt wird. Erzürnt verwüstet der daraufhin Johnnys Wohnung. Im Gegenzug entführt nun Johnny Jakes 15-jährigen Halbbruder Zack und droht diesen zu töten, sollte er sein Geld nicht bekommen.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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  • „Wertvoll”

    Der Film ist eine dokumentarische Rekonstruktion authentischer Ereignisse und folgt einer Clique jugendlicher Kids aus reichem Hause in Südkalifornien, die aus Langeweile Drogen konsumieren und dealen, auf Parties abhängen und sich gegenseitig ziemlich brutale Schlägereien liefern. Johnny und seine Gang kidnappen schließlich Zack, den jüngeren Brudern von Jake Mazursky, um dessen Schulden einzutreiben.

    Regisseur Nick Cassavetes inszeniert überzeugend das Miteinander der Jugendlichen wie ein sekundäres, aus den Medien abgeleitetes Abbild. Er hat den ehrgeizigen Ansatz, den Gründen nachzugehen, wie es inmitten einer bürgerlichen Gesellschaft zu einer Straftat mit tödlichem Ausgang kommen kann. Cassevetes zeichnet ein genaues Bild, wie einfachste menschliche Wertvorstellungen kippen. Mit scharfem Blick für Abhängigkeitsverhältnisse, innere Leere und aufgesetzte Attitüden sowie all die überspielten Unsicherheiten von Heranwachsenden entwirft Cassavetes ein wahrhaftig wirkendes Psychogramm einer jungen Clique. Viele kleinen Beobachtungen gehören dazu, etwa jene Szene, in denen ein junger Mann scheinbar freundlich einem Mädchen ein Glas nachschenkt, um die Lächelnde sogleich brutal in den Swimming Pool zu stoßen.

    Wie in einem Parallelfilm werden immer wieder Möglichkeiten positiver Entscheidungsmöglichkeiten aufgezeigt, die jedoch allesamt nicht wahrgenommen werden. In ihrer Beziehung spielen sich die Jugendlichen wie Bosse in einem großen Gangsterkrieg auf und machen - anders als in den von ihnen konsumierten Musikvideos, in denen nicht richtig geschossen wird - von der Schusswaffe Gebrauch.

    Auch Zack, das Opfer, folgt ihnen freiwillig und nimmt keine Chance wahr, in sein Elternhaus zurückzukehren, bis es zu spät ist. Am Ende steht der Zuschauer schaudernd vor einem Abgrund. Den Jugendlichen sind alle höheren Werte abhanden gekommen - wobei durchaus differenziert auch ihre guten Seiten gezeigt werden.

    Die Einführung der Charaktere in die Handlung ist etwas gedehnt und ausführlich. Mit dem Tag der Geiselnahme überzeugt der Film mehr und mehr in seiner provozierenden Dramaturgie. Das Schauspielerensemble, in das auch "Star" Justin Timberlake sich nahtlos einfügt, trägt wesentlich zum authentischen Charakter des Films bei. Beeindruckend auch Harry Dean Stanton als guter-schlechter Onkel mit harten Lebenserfahrungen. Zwei Jahre Gefängnis, das wäre der Preis für das rechtzeitige Aussteigen, rät er seinem Patenkind: "Two years. Piece of cake. Winter, Summer. Winter, Summer. Done." - Aber dazu kommt es nicht.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Nick Cassavetes neuer Film hatte seine Premiere beim diesjährigen Sundance Festival, das in der Welt des Indepenent Films, also außerhalb des Hollywood Studiosystems produzierter Streifen, eine bedeutende Rolle spielt. Doch findet die Handlung von Alpha Dog in Hollywood statt, und die Liste der Darsteller (Sharon Stone, Justin Timberlake, Bruce Willis und Ben Forster) kann man sich ebenfalls gut im Abspann einer großen Produktion aus der kalifornischen Filmstadt vorstellen.

    Die Geschichte basiert auf einer wahren Begenheit. Der einst mächtige Drogendealer Jesse James Hollywood (im Film heißt er Johnny Truelove), der als einer der jüngsten die „most wanted“ Liste des FBI anführte, sitzt derzeit in der Todeszelle und erwartet seine Bestrafung für das Verbrechen, von dem Cassavetes Film erzählt. Als Alpha Dog 2004 in Produktion ging, war Jesse James Hollywood noch auf freiem Fuß, während andere Mitglieder seiner Clique bereits einsaßen und Aussagen machten. Das FBI gewährte Cassavetes, der auch das Drehbuch schrieb, umfangreichen Einblick in diese Akten, wohl mit der Absicht, den Druck auf den Hauptverdächtigen zu erhöhen.

    Um diese Nähe zu realen Geschehnissen zu unterstreichen, fühlt sich Cassavetes denn auch verpflichtet, pseudo-dokumentarisches Material in sein Werk einfließen zu lassen, Videosequenzen aus der Perspektive der Figuren und gefilmte Verhörprotokolle. Später gibt es Szenen, in denen die Mitglieder der Truelove Clique im Gerichtssaal aussagen. Der Film bewegt sich also gleich in mehreren Ebenen auf dem Grat zwischen Realität und Fiktion, verkauft sich streckenweise als Dokudrama und benutzt Gerichtsakten als Quellmaterial. Mit diesem spannenden Ansatz geht der auftrumpfende Anspruch einher, einen Fall zu rekonstruieren, es so zu zeigen, „wie es wirklich war“. Problematisch nur, dass es zahlreiche Szenen gibt, die auf Authentizität setzen und denen man nicht ansieht, dass sie fiktional und nicht dokumentarisch produziert wurden.

    Es sind Einblicke in das extravagante Leben der Clique um Truelove, der mit dem Verkauf von Drogen reich geworden ist und ein Leben in Saus und Braus führt. Alles scheint wie von alleine zu laufen, alles ist ‚larger than life’, alles geht, und wenn ein Junkie seine Rechnung nicht bezahlt, kann man ihn eben mit in Gangsterkreisen üblichen Mitteln, Erpressung und Entführung beugen. Warum sollte das nicht gehen? Diese Haltung hat ein Mann, dessen kriminelle Karriere ihm leicht von der Hand ging, es ist eine andere, eine nihilistische Generation von Verbrechern, die sich elementar von den Mafiosi in Coppolas und Scorseses Filmen unterscheiden. Ihr Antrieb ist nicht, sich in Amerika zu etablieren, sie sind Amerika. Keine Familienehre, kein Christentum – kein moralischer Ballast beschwert das Handeln von Leuten wie Truelove, es sind die hedonistischen Sprösslinge der oberen Zehntausend, denen in diesem Land ohnehin alles leicht fällt - Drogenhandel als Beschäftigungstherapie in einer Gegend, in der Swimming Pools und Bentleys gegen die sich breitmachende Langeweile und Depression schon lange nichts mehr auszurichten wissen.

    Es ist die Rebellion von Teenagern, die sie zu Drogendealern macht und so durch die Hintertür wieder in eine Gesellschaft integriert, die sie braucht. Doch wo die Mafiosi vergangener Tage noch eine Ahnung von Verantwortungsgefühl kannten, verhalten sich die Figuren in Cassavetes Welt wie Kinder, die Mücken die Flügel ausreißen um zu sehen, was passiert. Sie kennen keinen Maßstab in ihrem Tun, und, was fast noch schwerer wiegt, sie kennen kein Scheitern, keine Schuld, keine Konsequenzen, nicht den Preis, der für gewisse Dinge zu zahlen ist.

    Das Leben in einer solchen Welt ist voller Verheißungen, denen auch der Entführte Zack Mazursky schnell erliegt. Er verschwendet keinen Gedanken daran, aus den Fängen seiner Entführer zu fliehen, denn nie zuvor hatte er so viel Spaß. Der Junge hat zum ersten Mal Sex, und das gleich mit zwei Frauen in einem Swimmingpool. Die Distanz zwischen Täter und Opfer verschwindet, Zack könnte leicht Zigaretten holen gehen und fliehen, doch er bleibt. Schon früh ahnt man das böse Ende; lange bevor es den Figuren selbst bewusst wird. Cassavetes erzählt diese Geschichte mit beträchtlichem stilistischen Aufwand, es gibt Split Screens, Zeitsprünge, Videosequenzen.

    Alpha Dog will eine vielschichtige sozialkritische Analyse der kalifornischen Oberschicht sein, indem er den Lebensinhalt seiner Figuren in wechselnden Perspektiven als fortwährenden Konsum darstellt: Partys, Sex, Alkohol, harte Drogen, Autos, etc. Alles ist im Überfluss vorhanden. In dieser aufgeputschten Welt, so legt Cassavetes Film nahe, verlieren die Menschen nicht nur den Bezug zu einer tragfähigen Sozialisation, sondern in letzter Konsequenz auch jede Verhältnismäßigkeit des Handelns und alle moralischen Maßstäbe. Das zeigt sich nicht zuletzt auch an der Freude, mit der Zack sich spielerisch in die Rolle des Entführungsopfers fügt. Der Film will erhellen und anprangern, doch bei aller Komplexität gelingt es ihm nicht, einen Standpunkt zu den Geschehnissen zu beziehen, man bleibt seltsam unberührt. Es bleibt beim verständnislosen Kopfschütteln und bei der offenen Frage, wie es soweit kommen konnte.

    Fazit: Vielschichtige und spannende Erzählung eines unfassbaren Verbrechens, gut besetzt und stilistisch aufwändig. Störend nur, dass der Film dem Irrtum erliegt, die Realität durch komplexe erzählerische Strukturen glaubhaft rekonstruieren zu können und so auf einen eigenen Standpunkt verzichtet.
  • Nick Cassavetes beschreibt in seiner Chronologie eines Verbrechens eine sinnlose Bluttat und erzählt gleichzeitig von einer Jugend zwischen Überfluss und Überdruss.

    Den Judy-Garland-Evergreen „Somewhere over the Rainbow“ legt Nick Cassavetes, Sohn des großen John Cassavetes, ironisch über den Vorspann seiner aktuellen Arbeit, evoziert so Traumfabrik-Erinnerungen und ist doch fest im Hier und Jetzt verankert. Denn sein Anti-Held der „Alpha Dog“, der von Emile Hirsch mit nötiger Wut und Härte gespielte Drogendealer Johnny Truelove, ist eine der Realität entlehnte Figur. Jesse James Hollywood hieß er im richtigen Leben und machte seinem verpflichtenden Namen im Jahr 2000 alle Ehre, als er es als jüngster Krimineller auf die Most-Wanted-Liste des FBI schaffte. Nach Brasilien geflüchtet, dort gestellt und schließlich ausgeliefert, sitzt er nun in Haft. Wartet, angeklagt wegen Anstiftung zu Entführung und Mord, auf seinen Prozess. Aus juristischen Gründen wurde der Start des Films in den USA mehrfach verschoben, Cassavetes sah sich gezwungen, sein Drehbuch umzuschreiben und musste Szenen neu drehen.

    Nun, nach der letztjährigen Uraufführung in Sundance, steht das Werk endlich hierzulande auf dem Spielplan, unauffällig beworben, trotz zugkräftiger Namen wie Bruce Willis, Sharon Stone, Harry Dean Stanton und vor allem Pop-Idol Justin Timberlake, der sich vorzüglich als Good Guy in den Bad-Boy-Trupp einfügt. Cassavetes entführt im pseudodokumentarischen Stil an die US-Westküste, in die privilegierte Nachbarschaft des San Gabriel Valley. Die Erwachsenen glänzen durch Abwesenheit, die Surfer-Kids hängen am Pool ab, kiffen, hören Hip-Hop und machen sich über die MTV-Rapper lustig – Weicheier, die in ihren Videos Spielzeugwaffen benutzen. Die Wände zieren „Scarface“-Poster und das Gehabe ist machohaft. Das Wort führt Johnny, der seinem (klein-)kriminellen Vater (Willis) nacheifert, mit Geld um sich wirft und an jedem Arm eine Braut hängen hat.

    Die Grenze zwischen Rekonstruktion und Realität verschwimmt ob Robert Fraisses („Hotel Ruanda“) sonnenverbrannter, gleißender Bilder, Aaron Zigmans („John Q. – Verzweifelte Wut“) pulsierendem Score und vor allem des spürbaren, naturalistischen Spiels des jugendlichen Ensembles.

    Aggression, Leere, Permissivität, Langeweile, Perspektivlosigkeit. Die Gewalt entlädt sich, als einer von Johnnys Kurieren, der Hitzkopf Jake (wandelnde Zeitbombe: Ben Foster) seine paar Hundert Dollar Schulden nicht zahlen kann und von seinem Chef gemaßregelt wird. Aus Wut dringt er daraufhin in Johnnys Wohnung ein, verwüstet diese und hinterlässt auch noch einen dicken Kothaufen auf dem teuren Teppich. Im Gegenzug entführt nun Johnny, um sein Gesicht zu wahren, Jakes 15-jährigen Halbbruder Zach (Anton Yelchin), droht diesen zu töten, sollte er sein Geld nicht bekommen… Ein Spirale der Gewalt, die der Regisseur in der Folge chronologisiert. Zeiten werden eingeblendet, Zeugen als solche kenntlich gemacht, zig Möglichkeiten das Drama zu beenden aufgezeigt. Doch Täter und Opfer sind aneinandergekettet, grausam miteinander vertraut und verbunden. Wie die Spießereltern ihre Kinder an die kalifornische Subkultur verlieren, wie Gruppendynamik funktioniert, Nichthandeln und Nichteinmischen zu Mord führt, das führt Cassavetes („Wie ein einziger Tag“) erschreckend klar vor Augen. Ein sinnvoller Film über sinnloses Tun, wichtig und wuchtig, weltweit anwendbar und gleichzeitig extrem aktuell. geh.

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