Filmhandlung und Hintergrund

Jüdische Familienkomödie von Dani Levy: Zwei verfeindete Brüder müssen sich versöhnen, um ihre Mutter zu beerben.

Jaecki Zucker (Henry Hübchen) steckt in Schwierigkeiten. Dem einst renommierten Sportreporter und Lebemann ist die Frau (Hannelore Elsner) davongelaufen, und der Gerichtsvollzieher sitzt ihm im Nacken. Jetzt kann nur noch ein Sieg beim mit 100.000 Euro dotierten Pool Billard Turnier helfen. Ausgerechnet da ereilt ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter und zwingt ihn, sich gleichermaßen mit seinem verhassten Bruder (Udo Samel) wie auch mit seinen bis dato erfolgreich verleugneten, jüdischen Wurzeln auseinander zu setzen. Aber was tut man nicht alles für ein stattliches Erbe.

Dani Levy

Bevor die Mutter zweier seit 40 Jahren zerstrittener Brüder stirbt, bestimmt sie in ihrem Testament, dass ihre Söhne sich versöhnen und ihr ein streng jüdisches Begräbnis in Berlin verschaffen sollen. Ein schwieriges Unterfangen, denn während sich der glaubensabtrünnige erste Sohn in Berlin als arbeitsloser, halbkrimineller Billardprofi durchschlägt, lebt der andere streng orthodox mit seiner Familie in Los Angeles. Die Beerdigung kommt beiden erwartungsgemäß wenig gelegen, zumal zeitgleich auch noch ein Billardturnier absolviert werden muss.

Jaecki Zucker steckt in der Klemme. Der Gerichtsvollzieher steht vor der Tür, seine Frau will ihn verlassen, die Tochter leiht ihm keine Knete und der Sohn schämt sich für ihn. Da kündigt sich auch noch der verhasste erzkonservative Bruder samt Familie und Mutterns Sarg aus Israel an. Der Grund: entweder die Brüder versöhnen sich und halten samt Familie eine jüdische Trauerwoche ein - oder das Erbe ist perdu! Folglich entbrennt hektische Betriebsamkeit im Hause Zucker - koscher Kochen und Schabbes einhalten inklusive.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Alles auf Zucker!: Jüdische Familienkomödie von Dani Levy: Zwei verfeindete Brüder müssen sich versöhnen, um ihre Mutter zu beerben.

    Jüdischer Humor und Witz - bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte des deutschen Films. Das ändert Dani Levy drei Jahre nach seinem Ehedrama „Väter“. Mit der Komödie „Alles auf Zucker“ folgt er den Spuren Woody Allens, auch wenn die Geschichte nicht im Intellektuellenmilieu Manhattans, sondern im Zockermilieu Berlins spielt, die Figuren nicht fein parlieren, sondern Tacheles reden.

    Im Berlin der Gegenwart prallen zwei zerstrittene Familienzweige aufeinander. Jakob Zuckermann alias Jaeckie Zucker hat mit „dem Club“ eigentlich schon lange nichts mehr zu tun. Der Club, das sind seine jüdische Mischpoke, der Rabbi und sämtliche religiösen Rituale. Der einst renommierte Sportreporter der DDR ist ganz unten angekommen: „Ich stehe bis zum Hals in Scheiße, aber der Ausblick ist gut“, so sein sarkastischer Kommentar aus dem Off. Der Gerichtsvollzieher will Geld, Frau Marlene sich scheiden lassen und er selbst 5000 Euro Startgeld für ein Billardturnier mit 100.000 Euro Siegesprämie auftreiben. Die erwachsene Tochter schmeißt ihn ob des Ansinnens aus der Massagepraxis, Banker-Sohnemann Thomas geniert sich für den Papa und die Freunde sind auch pleite. Und dann kündigt sich auch noch unerwünschte Verwandtschaft samt Mutter im Sarg an. An deren Grab sollen sich die seit 40 Jahren verfeindeten Brüder versöhnen, sonst ist die Erbschaft perdu. Während Jackies Frau - eine Goye - sich hektisch über jüdische Sitten informiert, in Schränken säuberlich Fleisch- und Milchprodukte trennt und sogar einen siebenarmigen Leuchter für die Schiva anschleppt, die siebentägige Totentrauer, sieht sich Zucker in der Bredouille. Wie kann er am Turnier teilnehmen, wenn ihm die Familie auf die Finger schaut? Erst einmal muss er sich mit seinem Bruder Samuel samt Frau aus Frankfurt, nymphomaner Tochter und prinzipienstarren Sohn herumschlagen, die sich ins traute Heim einquartieren und auf Tradition inklusive koscherer Küche bestehen. Beim Spagat zwischen Trauer und Billardkugel gerät Zucker immer tiefer in ein Loch aus Lügen.

    „Alles auf Zucker“ ist eine Quelle an Heiterkeit, der bitterböse Humor bestätigt die Aussage der Philosophin Salzia Landmann, dass der Witz der Juden identisch sei mit „ihrem Mut, trotzdem weiterzuleben“. Auch die Zucker-Protagonisten haben das Leben in allen Varianten geübt und ihre Marotten gepflegt - in der DDR und im Westen. Ob Jaeckie lügt wie gedruckt, der strenggläubige Samuel sich von einer Palästinenserin umgarnen lässt, sein orthodoxer Filius sich als Filou entpuppt oder die alten Sturköpfe auf ihren Standpunkten beharren, nie gleitet die Komödie in Klamotte ab. Als Jude muss Dani Levy nicht herumlavieren, sondern setzt eine Pointe nach der anderen -schonungslos direkt, politisch unkorrekt und selbstironisch, unterstützt von einem bestens besetzten Personal, darunter Henry Hübchen als verknautschte Existenz, eine sehr zurückgenommen spielende Hannelore Elsner als einfache Schneiderin, Golda Tencer als sanft bestimmende jüdische Mamme. Selten wurde der Zusammenprall von Kulturen so bissig, frech und gleichzeitig liebevoll dargestellt. mk.

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