Adieu Paris (2012)

Originaltitel: Upgrade
Adieu Paris Poster

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Filmhandlung und Hintergrund

Adieu Paris: Liebesgeschichte und Sterbehilfedrama, das sich zu einem feinfühligen Film über schicksalhafte Begegnungen ergibt.

Banker Frank und die Schriftstellerin Patrizia treffen per Zufall am Flughafen aufeinander. Beide haben das gleiche Ziel, Paris, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Während Patrizia dort ihren Geliebten Jean-Jacques trifft, will Frank den beruflichen Coup seines Lebens einfädeln. Doch als Jean-Jacques nach einem Unfall ins Koma fällt und der Manager einem betrügerischen Metzger aufsitzt, haben beide mit elementaren Verlusten zu kämpfen, die sie zu Seelenverwandten machen, aber auch zwingen, ihr bisheriges Dasein zu überdenken.

Am Krankenbett des komatösen Geliebten trifft Patrizia auf dessen Frau – und freundet sich mit ihr an. Jessica Schwarz und Sandrine Bonnaire in einem atmosphärisch dichten, hervorragend gespielten Beziehungsdrama.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Regisseurin Franziska Buch ("Der Kaktus", "Hier kommt Lola!“) verknüpft in "Adieu Paris" das Schicksal zweier Menschen. Mit diesen so unterschiedlichen Krisenszenarien möchte der Film das ganze Dasein des Menschen umfassen. Auf der einen Seite steht Patrizia, die auf der Suche nach neuem Romanstoff, ins pralle, volle Leben hineingreifen möchte. Auf der anderen Seite der Karriere bewusste Banker Frank. Deshalb behandelt der Film in rascher Folge all die großen Fragen: Ob Kinderwunsch, dem Abschalten lebenserhaltender Maßnahmen, dem Wert von Geld und Beruf, Freundschaft und Nähe, Liebe und Verlassen, Zukunft und Vergangenheit, nach den Erfahrungen, die man gemacht hat und den Lektionen, die man daraus gelernt hat. Vor allem aber nach dem Umgang mit Krisen und der Bewältigung von Problemen.

    Dabei halten die Dialoge viele kluge Ratschläge bereit, wie "Das Leben ist ein einzigartiges Geschenk, und man muss sich entschließen, es anzunehmen". Auch die Anekdote aus den napoleonischen Kriegen, vom Soldaten, der am Abgrund hängt, über ihm der Feind, unter ihm die Leere, und er greift nach reifen, aromatischen Erdbeeren. Kann man daraus was lernen? Oder sind sie banal und unbrauchbar? Vermutlich letzteres.

    Denn ach wie sehr schwelgt der Film in romantischen Bildern. Die gute alte Handwerkskunst gegen die kalte Welt der Banker. Wie lustvoll die Liebe, wie vertrauensvoll die Freundschaft! Und wie einfach die Antworten. Soll Patrizias komatöser Geliebter in den Tod entlassen werden, auch wenn noch eine minimale Chance auf ein rettendes Wunder besteht? Die Geliebte und die Ehefrau entscheiden: Ja. Und zwar aufgrund ökonomischer Kriterien nach einem Ratschlag des Bankers. Auch werden offenbar Entscheidungen über Milliardendeals im Hochfinanzsektor nach einer Besichtigung blitzblanker Kupferkessel in einer gut riechenden Wurstfabrik gefällt, statt einen Blick auf Bilanzen und Buchhaltung.

    Zugegeben, das Banale wird geschickt verbrämt, durch ein paar selbstreflexive Momente um Patrizias Roman, den sie schließlich über ihr eigenes Leben schreibt, oder über die Verkettung der beiden Handlungsstränge, die Abwechslung bringen in den Plotfortgang.

    Am Ende dann - das ungefähr 20 Minuten andauert, nachdem die meisten Fragen doch schon gelöst sind - hat jeder seine erhebende Läuterung erfahren und ist ein Stück in seinem Denken und Fühlen und in seinem Leben weiter gekommen. In einem Leben freilich, wie es nur im Film, nur in diesem Film vorkommt.

    Fazit: "Adieu Paris" will das ganze Leben abbilden, bleibt aber in der Banalität der Handlung ebenso stecken wie im forcierten Aufwerfen der "ganz großen" Fragen.
  • In dem schwermütigen Drama über besondere Beziehungen und schicksalhafte Begegnungen räsoniert Franziska Buch auch über das Für und Wider der Sterbehilfe.

    Seit ihrem fulminanten Kinodebüt “Die ungewisse Lage des Paradieses” hat Franziska Buch höchst erfolgreich Kinderfilme inszeniert, darunter die Kästner-Neuadaption “Emil und die Detektive” und die Fortsetzung des “Bibi Blocksberg”-Abenteuers. Nun kehrt sie zu ihren dramatischen Wurzeln zurück. “Adieu Paris” ist hohe Schauspielkunst – zelebriert von Jessica Schwarz, Hans-Werner Meyer und Frankreichs Grande Dame Sandrine Bonnaire. “Adieu Paris” ist aber auch tiefschürfende Reflexion über die Irrungen und Wirrungen der Liebe, über schicksalhafte Begegnungen und Verknüpfungen und die Auseinandersetzung mit dem Für und Wider von Sterbehilfe, die allerdings an der Oberfläche bleibt. Letzteres Thema diktiert schließlich die Beziehung zwischen der deutschen Geliebten (Schwarz) und der französischen Ehefrau (Bonnaire) des Komapatienten, die sich ausgerechnet in der Diskussion über Leben und Tod näher kommen als man es von erbitterten Rivalinnen erwarten würde. Geradezu komödiantisch leicht wirkt dagegen der Erzählstrang, der von Hans-Werner Meyers Figur geprägt wird. Obwohl auch ihm, dem Banker, das Leben übel mitspielt und er alles (Materielle) verliert, sorgt doch sein Gegenspieler, der schlitzohrige Metzgermeister und französische Lebemann Monsieur Albert mit seinen augenzwinkernden Lebensweisheiten und unorthodoxen Ratschlägen für die heiteren Momente in einem Film, der weitestgehend von Trauer und Schmerz, Entscheidungsunfähigkeit und tiefen Grübeleien geprägt ist. Zwar spiegeln die dezidierten Dialoge – ganz zu Recht erhielt Martin Rauhaus dafür den Ludwigshafener Drehbuchpreis – die einzelnen Charaktere adäquat wider, doch Franziska Buch versäumt es zuweilen, ihrem Plot neue Impulse zu verleihen. Stattdessen versteigt sie sich in kompliziert verschachtelten Flashback-Erzählstrukturen und in langen Kamerafahrten durch Paris, die die Seine-Metropole zwar von ihrer schönsten Seite zeigen, der Geschichte selbst aber wenig dienlich sind. So entsteht virtuoses Kopfkino, das einige interessante philosophische Fragen aufwirft. Lletztendlich gelingt es den überwiegend kühl und distanziert agierenden Protagonisten nicht, dass man sich für ihr Schicksal auch wirklich zu erwärmen beginnt. lasso.

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