Filmhandlung und Hintergrund

Burleske zwischen magischem Realismus und modernem Märchen um Frauen, die in einen Sex-Streik gehen.

In einer Scharnierregion zwischen Europa und Asien liegt ein abgeschiedenes Dorf. Die seit ihrer Kindheit füreinander bestimmten Aya (Kristyna Mlérova) und Temelko (Maximilian Mauff) sollen bald zu einem Paar werden. Nach alter Sitte muss die erste Liebesnacht mit einem gemeinsamen Bad begonnen werden. Dann jedoch versiegt der Brunnen und weil die Männer des Dorfes ihn nicht richten wollen, verweigern die Frauen ihnen den Sex. Auch Aya schließt sich dem Bann an.

Zauberhaft-poetisch ging es bereits in Veit Helmers Debüt „Tuvalu“ zu und zu dieser Stärke findet er mit Kusturica-Drehbuchautor Gordan Mihic („Schwarze Katze, weißer Kater„) zurück: Eine liebenswerte, überbordende Burleske, die Märchen und Magie zur Liebesgeschichte vereint.

In einem staubigen Dorf abgeschnitten vom Rest der Welt leben Frauen, die die Wirtschaft in Gang halten, und ein paar leicht debile Männer. Als das Wasser versiegt und das starke Geschlecht keinen Finger rührt, zieht das schwache Geschlecht eine Demarkationslinie durchs Dorf und verweigert Sex. Besonders bitter ist der Wassermangel für ein junges Paar, das seine erste Nacht unter einer glücksverheißenden Sternenkonstellation - gebadet - erleben will.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Kaum zu glauben aber tatsächlich wahr: Das Drehbuch für diesen Film entstand nach einer wahren Geschichte, die sich 2001 in dem kleinen türkischen Dorf Sirt zugetragen hat. Regisseur Veit Helmer ließ sich von der Geschichte inspirieren (wobei auch die "Lysistrata" des Aristophanes eine Rolle gespielt haben mag) und suchte sich sein eigenes kleines Dorf, um sie dort zu erzählen. Er fand es in Aserbaidschan, hoch in den Bergen des Kaukasus.

      Crew und Cast stammen aus 16 Ländern, da stellt man sich ein multinationales Babel vor. Die Filmfiguren sind allerdings weitgehend stumm. Und so ist die Tatsache, dass die Schauspieler aus den verschiedensten Ländern stammen für den Dreh nicht hinderlich, sondern im Gegenteil geradezu befreiend. Immerhin kann sich der Regisseur auf diese Weise aus einem weitaus größeren Pool interessanter und markanter Gesichter und Typen bedienen, was man aufgrund der Ansammlung skurriler Gestalten auch in "Absurdistan" sehen kann.

      Der Film beginnt mit einer Voice-Over-Stimme, die auch im Verlauf der Handlung immer wieder kommentierend eingreift, hin und wieder auch unnötigerweise. Erzählt wird zunächst die Geschichte des Dorfes und wie es entstand. Bereits hier ist die Rede vom sehr einzigartigen Gemüt der Dorfbewohner, das sich vor allem in gemütlich-faulen Männern und kreativen fleißigen Frauen niederschlägt.

      Da sich die Männer im für sie äußerst bequemen Patriarchat sehr fein eingerichtet haben, trifft es sie besonders hart, als die Frauen eines Tages nicht mehr mitspielen. Das sorgt selbstverständlich für jede Menge komische Situationen, bei denen vor allem Temelkos Erfindergeist für Aufruhr sorgt. Romantisch wird es dabei auch und zwar wenn es um die sehnsüchtige Liebe der beiden Helden geht.

      Der Film erinnert deutlich an die Werke Emir Kusturicas. Das liegt wohl zum einen an der Mitarbeit Gordan Mihics am Drehbuch des Films. (Mihic war u.a. auch bei Kusturicas "Schwarze Katze, weißer Kater" am Drehbuch beteiligt.) Darüber hinaus sind es aber auch die skurrilen Situationen und Personen und die den Film begleitende Musik, die "Absurdistan" an Kusturica heranrücken.

      Im Gegensatz zu "Tuvalu" ist die Kameraästhetik hier wesentlich weniger individuell und Veit Helmer weitaus stärker dem klassischen Erzählkino verpflichtet. Zwar hebt sich "Absurdistan" immer noch deutlich von gewöhnlichen Komödien ab, wirkt aber im Ganzen betrachtet etwas inkonsequent in der Durchführung. Nichtsdestotrotz ist es ein unterhaltsamer Film über einen ungewöhnlichen – und ungewöhnlich effektiven – Aufstand der Frauen.

      Fazit: Ein unterhaltsamer Film, der sich deutlich von gewöhnlichen Komödien abhebt und dennoch ein wenig schwächelnd daherkommt.
    2. Absurdistan: Burleske zwischen magischem Realismus und modernem Märchen um Frauen, die in einen Sex-Streik gehen.

      In einem Dorf am Ende der Welt zwischen Europa und Asien treten die Frauen in Sex-Streik, weil ihre Männer die marode Wasserleitung nicht reparieren.

      Veit Helmer gilt als Grenzgänger im deutschen Kino, seine Geschichten sind angesiedelt zwischen magischem Realismus und modernem Märchen, erinnern an den frühen Emir Kusturica. Er klotzt mit Farben und Phantasie, geizt nicht mit deftigem Humor und drallen Rundungen. Auch in seinem dritten Spielfilm nach „Tuvalu“ und „Tor zum Himmel“ pfeift er auf die standardisierten Regeln des Erzählkinos, erfindet einen eigenen Kosmos mit eigenen Regeln. Daran muss man sich allerdings gewöhnen und eine Neugier für eigenwillige, nicht unbedingt logisch-analytische Inhaltsstruktur mitbringen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, steht dem Vergnügen am Mix aus Absurdität, Poesie und Komik mit Darstellern aus 16 Ländern nichts mehr im Weg. Inspirieren ließ sich Helmer von einer wahren Begebenheit aus einem türkischen Dorf, in dem die Frauen ihre Männer aus dem Schlafzimmer verbannten, weil diese zu träge waren, das defekte Leitungssystem in Stand zu setzen.

      Die analoge Handlung spielt in einem staubigen Dorf mit zeitloser Anmutung, abgeschnitten vom Rest der (Berg)Welt. Junge Männer verlassen den unwirtlichen Ort, zurück bleiben Frauen, die die Wirtschaft in Gang halten und ein paar leicht debile Männer, die im Wirtshaus herumpalavern. Als das Wasser versiegt und das starke Geschlecht keinen Finger rührt, zieht das schwache Geschlecht eine Demarkationslinie durchs Dorf und verweigert Sex. Beginn einer romantischen Burleske. Der Sexstreik trifft die Faulpelze im patriarchalischen Stolz, sie machen dennoch keine Anstalten, die Reparatur in Angriff zu nehmen. Besonders bitter ist der Wassermangel für den jungen Temelko und die schöne Aya, die ihrer ersten Nacht unter einer glücksverheißenden Sternenkonstellation entgegenfiebern und vorher ein Bad nehmen sollen, so die Prophezeiung der Großmutter. Also versucht der Liebeshungrige bei einem lebensgefährlichen Tauchgang in der Berghöhle, das notwendige Nass wieder sprudeln zu lassen. Die Sterne warten schließlich nicht.

      Mit wenig Dialogen, prallen Bildern und einem alles erklärenden Voice Over eröffnet sich ein eigenes Universum mit skurrilen Gestalten wie aus einem Fabelbuch. Kein Hauch von Modernität, sondern die volle Lust am Spielen und Ausprobieren, eine Auszeit aus der Wirklichkeit. Dazu gehört auch ein Stück Übertreibung, leider etwas zu hoch dosiert mit all den tumben Typen und widerspenstigen Weibern. Nichtsdestotrotz: diese knallbunte Wundertüte macht Laune. mk.
    3. „Wertvoll”

        Märchenhaft-poetisch ist dieser Film angelegt, der sein Publikum in einen meisterhaft inszenierten, opulenten Bilderrausch versetzt. Die Frauen eines kleinen Dorfes treten in einen Sexstreik, um ihre arbeitsscheuen Männer zur Reparatur ihrer Wasserleitung zu bewegen. Für einen jungen Mann, dem eine besondere Liebesnacht mit seiner Braut vorhergesagt wurde, bedeutet dies eine Herausforderung, für die er ein Feuerwerk an Ideen entfacht. Schreiend-komisch, ohne in den Klamauk der Schenkelklopfer abzurutschen, erzählt Veit Helmer von dieser grotesken Rebellion mit Ausmaßen einer griechischen Tragödie. Getragen wird diese von den herrlich verschrobenen Figuren, den skurrilen Situationen, den famosen Erfindungen und der faszinierenden Landschaft seiner Drehorte.

        Jurybegründung:

        Das Prädikat „außergewöhnlich“ hat Veit Helmer wie schon bei seinen bisherigen Werken auf jeden Fall auch für Absurdistan verdient. Der Titel verrät schon viel: Das Dorf, wenn es auch den gleichen Namen tragen soll, irgendwo im Niemandsland der Phantasie angesiedelt, scheinbar zeitlos, ist Schauplatz irrwitziger Begebenheiten und auch einer romantischen Liebe von geradezu überirdischer Macht gelenkt. Zur gleichen Minute geboren, ihr junges Leben lang Tag für Tag unzertrennlich und im Wissen, dass der Himmel sie füreinander bestimmt hat. Um dann schließlich eins zu werden, sollten die beiden Liebenden aufregende und entbehrungsvolle Jahre ertragen und dies an einem Ort, wo alles ganz anders ist, wie sonst nirgendwo auf der Welt.

        Veit Helmer lässt ein unglaubliches Feuerwerk an skurrilen Gags, märchenhaften Kompositionen, magischen und geradezu visionären Einfällen abbrennen, dass einem der Atem stockt. Fast selbstverständlich das Spiel mit filmischen Genres.

        Und wie bei ihm schon selbstverständlich, kann sich der Zuschauer an einer sensationell einfallsreichen und detailgenauen Ausstattung erfreuen und an technischen Wunderwerken von höchster Skurrilität. Die hervorragende Kamera mit schönsten Perspektiven verdient ebenso ein besonderes Lob wie auch die originäre musikalische Begleitung.

        Die Besetzung ist bis in kleinste Nebenrollen gelungen, die Typisierung der Charaktere treffend, ihr Spiel wunderbar.

        Ein kleiner Einwand gilt der Dramaturgie des Films, der im mittleren Teil an seinem rasanten Tempo verliert und erst am Ende wieder erlangt.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

      News und Stories

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