3° kälter

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   2005
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Filmhandlung und Hintergrund

3° kälter: Bittersüßes, atmosphärisch dichten Beziehungsdrama.

Jan (Sebastian Blomberg) und Marie (Bibiana Beglau) sind scheinbar das perfekte Paar. Bis Jan eines Tages im Urlaub in Spanien mit den gemeinsamen Freunden Frank (Johann von Bülow) und Steini (Alexander Beyer) nach einem feuchtfröhlichen Abend spurlos verschwindet. Fünf Jahre später ist Marie mit Frank verheiratet, hat Jan aber noch keineswegs vergessen. Als Jan plötzlich wieder auftaucht, brechen alte Wunden auf, und neue werden geschlagen.

Bedeutungsschwere Einstellungen, überzeugende Darsteller und sparsame Dialoge in einem spröden Beziehungsdrama von Regisseur Florian Hoffmeister.

Frank ist mit Marie glücklich verheiratet. Doch dann taucht Jan, Maries Ex-Freund, genauso unvermittelt wieder auf wie er vor fünf Jahren verschwunden war. Herbeigerufen von einem Brief, in dem Marie ihm ihre Liebe offenbart, den aber nicht sie, sondern ihr Mann Frank, der das Bekenntnis zufällig im Papierkorb entdeckt hatte, heimlich abgeschickt hat. Ein Beziehungschaos ist vorprogrammiert.

Marie ist mit den Freunden Frank und Steini in Spanien auf der Suche nach ihrem verschwundenen Traummann Jan. An einem einsamen Strand entdeckt ihn Frank, gibt das Geheimnis aber nicht preis, und die drei kehren nach Deutschland zurück. Fünf Jahre darauf, Frank ist mittlerweile mit Marie verheiratet, entdeckt er bei ihr einen unabgeschickten Brief an Jan und sendet ihn weiter. Jan kehrt in die Heimat zurück und wohnt zunächst bei seinen Eltern, aber als er schließlich Marie begegnet, muss sie eine Entscheidung treffen.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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    Ein Bahndamm in einem Stadtteil von Nürnberg trennt den Kosmos der Beziehungsgeflechte von der Außenwelt, die mäandernde Filmerzählung wirkt oft wie ein Kammerstück inszeniert. (...)

    Der Kern der Geschichte ist einfach. Es beginnt am Meer mit einer Suche nach Jan, einem Freund, der offensichtlich nicht gefunden werden will. Nach fünf Jahren taucht er wieder auf und bei Marie werden kaum vernarbte Liebeswunden wieder aufgerissen. Sie ist längst mit einem anderen aus der Clique verheiratet, der nun die Konfrontation mit einem Nebenbuhler bestehen muss. In diese Geschichte eingebettet und verwoben sind die Konflikte von Mittdreißigern, wie wir sie alle kennen könnten: Eifersucht, Fremdgehen, Entscheidungen treffen, Lebenslügen, Lebensziele, Selbstbetrug, Feigheiten und Unentschiedenheiten. Die wesentliche Fragestellung im Film ist: Was ist wichtiger: zu lieben oder geliebt zu werden?

    Diese sensibel, feinfühlig und stimmig inszenierte Lebensstudie hat schöne Bilder, kühl oft und verhalten, aber von Kraft und stilistisch sicherer Hand geprägt. (...)

    Die Kamera arbeitet häufig mit Schärfen und Unschärfen und das Licht ist den Stimmungen der Protagonisten gemäß oft seltsam farblos grau gehalten. Ein Lob gilt auch der Musik, die sich unaufdringlich auf den Grundtenor des Films bezieht.

    Insgesamt wirkt die narrative Struktur versteckt und gut kaschiert aufgebaut. Jeder Zuschauer muss für sich seine eigenen Geschichten herauslesen und erschließen. Die Spannung steckt im Nebulösen, in der Erwartung, das etwas Dramatisches passieren könnte. Wenn Jan wieder geht, bleibt die Frage offen, ob für die Akteure der Anstoß heftig genug war, ihr Leben zu überdenken.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Kalt, grau, trostlos – die Stadt in Franken genauso wie Spanien und wie das Leben der Protagonisten. Das bisschen heile Welt, das in ihrer Umgebung noch übrig geblieben ist, ist pure Fassade. Und die kriegt Risse, sobald Jan zurückkommt. Regisseur Florian Hoffmeister zeichnet in seinem Debütfilm, für den er im vergangenen Jahr den Silbernen Bären des Festivals von Locarno gewann, das Bild einer desillusionierten Generation der um die 30-Jährigen, unfähig, miteinander zu sprechen, unfähig, sich zu binden, aber genauso unfähig, alleine zu sein.

    „Was ist wichtiger, zu lieben oder geliebt zu werden?“, fragt Jenny (Meret Becker). Sie weiß keine Antwort, denn „wenn ich Steini jedes Mal vor die Tür setzen würde, wenn er mich betrügt, dann kann ich die Tür gleich offen lassen.“ Wieso sie trotzdem bleibt, weiter mit ihrem Freund junges Glück in der Hochhaussiedlung zu spielen vorgibt, das fragt sie sich oft genug selbst. Genauso hin- und hergerissen ist Marie (Bibiana Beglau). Immer wieder bleibt sie stumm, kann ihren Mann nur ansehen, aber auf sein „Ich liebe dich“ kann sie ihm nicht antworten.

    Die Figuren sind eingeschlossen in ihrer Welt, drehen sich in ihrer Kleinstadt, ihrem begrenzten Bewegungsraum, um sich selbst. Die Kamera lässt ihnen kaum Luft, gibt nur selten den Blick auf den Horizont frei. Eingekerkert sind sie, „zu Gast im eigenen Leben“, auch auf der Leinwand eingefangen zwischen Linien und Schatten, Türen und Fensterrahmen. Und sitzen sie dann doch einmal einsam in ihren Wohnungen, flüchten sie an den Bildrand, machen sich klein. Selbst am Bahnübergang, dort, wo es immer „3 ° kälter“ ist, wo Züge das Blickfeld zerschneiden, kündigt sich keine Ferne an, bietet sich nicht die Möglichkeit, dem ewig gleichen mittelmäßigen Leben zu entkommen. Denn hier fahren nur Güterzüge vorbei. Nur Jan, am Strand in Spanien, hat sich die Weite erobert, kann die Arme ausbreiten, die Seeluft atmen.

    Als er zurückkommt scheint sich nichts verändert zu haben: immer noch liegt der Schlüssel zum Haus seiner Eltern unter dem Stein im Vorgarten versteckt, immer noch gehen die gleichen Leute zum Tanzen in den gleichen Club, immer noch liegen seine alten Klamotten zu Hause im Schrank. Was sich verändert hat ist Jans Verhältnis zu seinen Freunden und zu Marie. Genauso unvermittelt wie er gegangen ist, kommt er auch wieder zurück. Und begegnet einer Mauer aus Schweigen. Das Schweigen ist das Hauptmoment des Films – über wichtige Dinge wird nicht geredet, sie passieren nebenbei. In einem kleinen Moment zwischen zwei Alltäglichkeiten, in einem Blick, einer kleinen Geste übernehmen dann die scheinbaren Nebensächlichkeiten die Hauptrolle.

    Sie schweigen alle in diesem Film, es scheint die einzige Möglichkeit der Figuren zu sein, sich etwas mitzuteilen. Mitzuteilen, dass sie so nicht weiterleben wollen, aber dass sie Angst haben, etwas zu verändern. Dann gibt Jan Marie die Möglichkeit, auszubrechen, ihm nach Spanien zu folgen, und die Situation droht zu eskalieren. Marie ist hin- und hergerissen zwischen Jan und Frank. Eines Tages verlegt sie ihren Ehering, ein Ring, der aus drei Gliedern besteht, die sich nicht trennen lassen, die man aber zu einer Einheit zusammenstecken kann. Marie ist wie dieser Ring, sie kann sich weder von ihrem Mann noch ihrer großen Liebe wirklich lossagen, und verliert sich dabei selbst. Bibiana Beglau spielt Marie sehr unterkühlt, lässt kaum Gefühle an die Oberfläche kommen, allenfalls erahnen, was in ihrem Inneren vor sich geht. Auch Sebastian Blomberg zeigt nur in kleinen Momenten, wie verletzlich Jan eigentlich ist. Dann bricht in seinen zerbrechlichen Augen die coole Fassade auf.

    Fazit: „3° kälter“ schafft eindringliche Bilder für eine Welt voller Kälte, in der Liebe vor allem Schmerz bedeutet, inszeniert überdeutlich, dass die Menschen mehr nebeneinander als miteinander leben. Doch genau so wenig wie seine Figuren scheint der Film in erzählerischer Hinsicht zu wissen, auf welches Ziel er eigentlich zuläuft, welche Intention er verfolgt.
  • Mit seinem bittersüßen, atmosphärisch dichten Beziehungsdrama gewann Regiedebütant Florian Hoffmeister einen Silbernen Leoparden für den besten Nachwuchsfilm.

    Der junge Kameramann Hoffmeister konnte sich nach seinem Studium an der Berliner Film- und Fernsehakademie durch seine Bildgestaltung von Kinofilmen wie „Liegen lernen“ schnell einen Namen machen. Für seinen Regieerstling, für den er gemeinsam mit der Ausstatterin Mona Kino („Soloalbum“) auch das Drehbuch verfasste, suchte er sich ein etwas sperriges und tristes Thema aus: des Menschen Unfähigkeit, zu seinen wahren Gefühlen zu stehen. Doch zunächst läuft in „3 Grad kälter“ alles nach Plan. Frank (Johann von Bülow) ist mit Marie (Bibiana Beglau) glücklich verheiratet, ihre gemeinsamen Freunde Steini (Alexander Beyer) und Jenny (Meret Becker) sind gerade zusammengezogen. Doch dann taucht Jan (Sebastian Blomberg), Maries Ex-Freund, genauso unvermittelt wieder auf der Bildfläche auf wie er damals vor fünf Jahren verschwunden war. Herbeigerufen von einem Brief, in dem Marie ihm ihre Liebe offenbart, den aber nicht sie, sondern ihr Mann Frank, der das Bekenntnis zufällig im Papierkorb entdeckt hatte, heimlich abgeschickt hat. Ein Beziehungschaos ist vorprogrammiert.

    Hoffmeister versteht es hervorragend, sein namhaftes Darsteller-Ensemble zu führen, aus dem „Anatomie“-Star Sebastian Blomberg als selbstverliebter Macho und Bibiana Beglau („Der neunte Tag“) als zwischen zwei Männern Zerrissene herausragen. Gleichzeitig findet er auch adäquate Bilder, um das wirre Innenleben seiner Protagonisten in einem unterkühlten Umfeld zu transportieren. Allerdings wirken die Dialoge zuweilen pseudophilosophisch verbrämt und der ruhige, kammerspielartige Inszenierungsstil macht es den Zuschauern trotz aller gezeigten Emotionen nicht einfach. Die für ein Erstlingswerk dennoch beachtlich reife und konsequent zu Ende gedachte Arbeit gefiel auch der Jury von Locarno, die „3 Grad kälter“ im Jahre 2005 mit dem Nachwuchspreis bedachte. lasso.

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