Einfühlsame Verfilmung des Bestsellers zwischen unterhaltsamer Aschenputtel-Geschichte und eindringlichem Hinweis auf die grausame Genitalverstümmelung. http://images.kino.de/flbilder/max09/mbiz09/mbiz29/z0929501/b150x150.jpg Wüstenblume

Filmdetails

Wüstenblume

Einfühlsame Verfilmung des Bestsellers zwischen unterhaltsamer Aschenputtel-Geschichte und eindringlichem Hinweis auf die grausame Genitalverstümmelung.


Wüstenblume
Start: 24.09.2009

Originaltitel: Desert Flower

Drama

Deutschland/Österreich/Frankreich 2009
Laufzeit: 129 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Liya Kebede
Sally Hawkins
Timothy Spall

Regie: Sherry Hormann
Verleih: Majestic (Fox)

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Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
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Besucher-
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Inhalt

Waris lebt mit ihrer Nomadenfamilie in einem Zelt. Wie jedes Mädchen in ihrer Kultur wird sie beschnitten. Mit 13 Jahren flüchtet sie nach Mogadischu, um nicht mit einem alten Mann verheiratet zu werden. Später entkommt sie ihrem Dienstmädchen-Dasein in London und sucht Hilfe bei der flippigen Verkäuferin Marylin. Die lässt die hartnäckige, kaum des Englischen mächtige junge Frau bei sich wohnen. Sie freunden sich an. In einem Fastfood-Restaurant wird die schüchterne Waris beim Putzen von Modefotograf Terry angesprochen, der Beginn ihrer Karriere als Model.


Kritik

Wüstenblume

Sherry Hormann verfilmt einfühlsam Waris Diries bewegenden Bestseller über ihren Weg vom afrikanischen Nomadenmädchen zum internationalen Topmodell und zur UNO-Botschafterin.

Allein die Entwicklung dieses für den Weltmarkt konzipierten Projekts liest sich wie ein Abenteuer. Die Buchrechte wanderten von Elton Johns Firma Rocket Pictures zu Produzent Peter Herrmann, Waris Dirie gilt als eine Persönlichkeit, die Engländer nonchalant mit "She's a character" umschreiben, die Umwandlung der Lebensgeschichte in ein taugliches Drehbuch dauerte Jahre und die Dreharbeiten im afrikanischen Djibouti waren schon von der Logistik her alles andere als einfach. Sherry Hormann gelingt es, die diversen Fäden der Vorlage zu komprimieren, unspektakulär und fast beiläufig das Individuelle und das Politische zu einem Drama mit einer fein dosierten Prise Humor zu verknüpfen.

Da lächelt eines der bestbezahlten Models der Welt rätselhaft und stolz von Plakaten und Magazin-Titeln, eine Frau die es nach ganz oben geschafft hat. Aber hinter der glamourösen Fassade verbirgt sich ein schreckliches Geheimnis, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere will sie nicht die übliche Aschenputtel-Story erzählen, sondern von dem Tag, der ihr Leben wirklich veränderte, der Tag, an dem sie als Fünfjährige brutal beschnitten wurde. Der Artikel aus der französischen Zeitschrift "Marie Claire" schockte und brach ein Tabu, löste weltweit Diskussionen über ein Verbot des archaischen Rituals aus, die Genitalverstümmelung von täglich 6000 Mädchen. Das Schicksal der jungen Frau, die als 13-Jährige vor der Zwangsheirat mit einem alten Mann von zu Hause weglief und sich nach Mogadischu durchschlug, nach Jahren "Sklavendasein" als Dienstmädchen in der somalischen Botschaft in London in die Illegalität abtauchte und beim Putzen in einem Fast-Food-Restaurant vom berühmten Mode-Fotografen Terry Donaldson entdeckt wird, ist keine Home-Story, sondern Realität und ein idealer Kinostoff.

Statt nur Stationen eines komplizierten Lebens abzuhaken, greift Sherry Hormann subtil entscheidende und prägende Momente heraus, entwickelt einen runden Bogen. Großen Stellenwert nimmt die Freundschaft zu einer ausgeflippten Engländerin (Berlinale-Preisträgerin Sally Hawkins ähnlich aufgedreht wie in Mike Leighs "Happy-Go-Lucky") ein, in deren Filmfigur mehrere reale Personen verschmelzen. Ein Glücksfall ist Hauptdarstellerin Liya Kebede, die bei dieser schauspielerisch schwierigen Odyssee durchgängig in einer Mischung aus zäher Kämpferin und in ihrer Weiblichkeit versehrten Frau überzeugt, ob sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, auf dem Catwalk glänzt oder in eine Zweckehe flieht, um an die notwendigen Papiere heranzukommen.

Nicht spektakulär, sondern zurückhaltend ist dieses Porträt einer psychisch zerrissenen Frau, hinter dem Hochglanzlook der Modelwelt liegt ein Labyrinth des Schmerzes, das Wissen um die körperliche und daraus folgend die seelische Verstümmelung. "Wüstenblumen sind unzerstörbar" heißt es in dem autobiografischen Roman, das gibt Mut. Aber die Verwundungen sind trotzdem weiterhin zu spüren. mk.

Wüstenblume

Darsteller:  Liya Kebede   als Waris Dirie
  Sally Hawkins   als Marylin
  Timothy Spall   als Donaldson
  Juliet Stevenson   als Lucinda
  Craig Parkinson   als Neil
  Anthony Mackie   als Harold
  Meera Syal   als Pushpa
  Soraya Omar-Scego   als junge Waris (13 Jahre alt)
 
Regie:  Sherry Hormann  
Drehbuch:  Sherry Hormann  
Produzent:  Peter Herrmann  
Koproduzent:  Benjamin Herrmann  
  Danny Krausz  
Buchvorlage:  Waris Dirie  
Kamera:  Ken Kelsch  
Schnitt:  Clara Fabry  
Musik:  Martin Todsharow  
Produktionsdesign:  Jamie Leonard  
Kostüme:  Gabriele Binder  
Ton:  Stephan Colli  
  Falk Möller  
Casting:  John Hubbard  
  Ros Hubbard  

Star

Sally Hawkins

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