Nina Monka
Ursula Werner
Leon Seidel
Regie: Johannes Schmid
Verleih: Zorro
Schöne Bescherung: Die zwölfjährige Katharina fällt aus allen Wolken, als sie am Weihnachtsabend erfährt, dass ihr richtiger Vater der russische Matrose Alexei ist. Wutentbrannt verlässt sie ihre Eltern und bricht mit der 75-jährigen Nachbarin Lene ins nahe polnische Stettin auf, mit im Gepäck ihren besten Freund, den etwas jüngeren Knäcke, der sich als blinder Passagier eingeschlichen hat. Weil Alexeis Schiff bereits Richtung Danzig abgelegt hat, entwickelt sich eine wahre Odyssee - auch für die heimatvertriebene Lene, die ihre Vergangenheit wiederentdeckt.

"Blöde Mütze!"-Regisseur Johannes Schmid erzählt mit dem heiter-melancholischen Roadmovie von einer generationenübergreifenden Suche nach Identität, Herkunft und Heimat.
Der zweite Spielfilm von Schmid beweist wieder seine Sensibilität für junge Menschen, verbindet ein einfühlsames Coming-of-Age mit einem generationenübergreifenden Drama für Jung und Alt gleichermaßen. Die Odyssee von Katharina, genannt Kattaka (stark: Nina Monka), auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater sowie die ihrer einsamen Nachbarin (nicht irgendwer: Ursula Werner begeistert nach ihrer Erfolgsrolle in "Wolke 9" abermals) auf der Suche nach der verlorenen Heimat führt durch Deutschland, Polen und Russland und endet versöhnlich.
In atmosphärischen, dampfenden Winterbildern begibt sich das Trio - Kattakas junger Freund (Leon Seidel) kommt auch mit - auf die Reise, die Unbefangenheit der beiden dickköpfigen und selbstbewussten Kinder ist eine Wohltat und ermöglicht einen zwanglosen Umgang mit Vorurteilen und Altlasten der Geschichte. Der Film weiß (dank des hervorragenden Drehbuchs) genau, wann er locker-launig und wann gefühlvoll-ernst zu sein hat, was sich auch im harmonischen Score niederschlägt. Hat Kattaka die unbeholfenen Spießer-Eltern erst einmal hinter sich gelassen, gewinnt diese Erinnerungsreise in fremdes Fahrwasser an Format. Die gegenseitige Unterstützung, dazu die Hilfe von einheimischen - dem jungen Waldek, oder einem alten Bauernpaar - gibt den Hauptfiguren im emotionalen Schleudergang Halt und Hoffnung, zeigt den Wandel der Zeit zu einem grenzoffenen, geeinten Europa, ohne damit Probleme zu leugnen. Schwierig ist diese Fahrt zu einem Vater, der nichts von einem Kind ahnte und eine eigene Familie hat, sowie zum nie verheilten Trauma der Vertreibung und einer verlorenen Kindheit allemal. Es kostet viel Überwindung, endlich nach Hause zu finden und Frieden zu schließen - der sich in einer wunderbaren Niederkunft am Sylvesterfest in der winterlichen, so geschichtsträchtigen Danziger Werft einstellt.
tk.
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