TV-Drama um einen der letzten Kriegsheimkehrer 1955. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto14/10140482/b150x150.jpg Wiedersehen mit einem Fremden

Filmdetails

Wiedersehen mit einem Fremden

TV-Drama um einen der letzten Kriegsheimkehrer 1955.


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Kritik

Wiedersehen mit einem Fremden

Die Geschichte klingt völlig unglaubwürdig, ist aber verbürgt: Ein Soldat kommt aus dem Krieg zurück und nimmt den Platz eines anderen ein. Jeder ahnt, dass der Mann ein Betrüger ist, aber alle arrangieren sich mit dem Schwindel.

Zugetragen hat sich das Ereignis im 16. Jahrhundert in Frankreich. Es ist zweimal verfilmt worden: 1982 unter dem Titel "Die Wiederkehr des Martin Guerre" (mit Gérard Depardieu) sowie elf Jahre später als Hollywood-Remake "Sommersby" (mit Richard Gere). Thomas Kirchner mischt die Handlungsmuster beider Filme, verlegt die Geschichte aber in den Hochschwarzwald der Fünfzigerjahre: Nach zehn Jahren in russischer Kriegsgefangenschaft wird Max Steiner (Peter Davor) endlich entlassen. Erleichtert ist vor allem die Gattin (Silke Bodenbender): Seit Jahren sind sie und der gemeinsame Sohn auf dem Hof der Familie bloß geduldet; ihren Lebensunterhalt verdient sie als Magd. Alles andere als begeistert ist allein Max' Schwester Margarete (Nina Kunzendorf), denn sie muss die Leitung des Hofs wieder abgeben.

Geschickt hält das von Regisseur Niki Stein bearbeitete Drehbuch die Waage zwischen Akzeptanz und Zweifel. Immer wieder gibt es Anlass, Max zu misstrauen. Andererseits erlaubt das Verhalten von Mutter und Gattin keinerlei Zweifel am Offenkundigen, zumal sich ein Mann im Krieg und erst recht in der entbehrungsreichen Gefangenschaft (für die Davor allerdings entschieden zu wohlgenährt aussieht) zwangsläufig verändert.

Aber just dann, als selbst die Skeptiker bereit sind, sich mit Max zu arrangieren, taucht ein Kriegskamerad (Mark Waschke) auf und setzt Gerüchte in die Welt. Endlich hat Margarete einen Verbündeten. Als Max sie des Hofes verweist, greift sie zum Äußersten: In Briefen an die Mutter hatte der Soldat einst seine Beteiligung an Massenmorden geschildert. Nun wird Max Steiner als Kriegsverbrecher angeklagt; aber vor Gericht steht ein unbescholtene Lehrer aus Siebenbürgen.

Niki Stein hat erst kürzlich mit dem Scientology-Drama "Bis nichts mehr bleibt" (ebenfalls für den SWR) für viel Aufsehen gesorgt. "Wiedersehen mit einem Fremden" ist nicht nur des Sujets wegen ein völlig anderes Werk. Die Geschichte trägt naturgemäß auch Züge des Heimatfilms, selbst wenn Stein auf genreübliche Zutaten wie Kitsch, Rührseligkeit oder saftige Naturbilder verzichtet. Dialekt spricht in der Dorfgemeinschaft jedoch allein eine einzige Nebenfigur, was mitten im Schwarzwald selbst heute noch völlig unglaubwürdig ist. Ohnehin erreicht der Film längst nicht die Intensität der letzten Inszenierungen Steins ("Der große Tom", "Die Todesautomatik"). Die Führung der Darsteller aber ist wie stets bei diesem Regisseur bemerkenswert. tpg.

Wiedersehen mit einem Fremden

Darsteller:  Silke Bodenbender   als Liesbeth Steiner
  Peter Davor   als Max Steiner
  Nina Kunzendorf   als Margarete
  Robert Schupp   als Georg
  Mark Waschke   als Heinrich
  Elisabeth von Koch   als Regine
  Margot Gödrös   als Großmutter Steiner
  Dietz-Werner Steck   als Großvater Steiner
  Laszlo I. Kish   als Wassmer
  Nils Knopf   als Josef Steiner, fünf Jahre
  Jannik Knopf   als Josef Steiner, zehn Jahre
  Marie Anne Fliegel   als Hermine Tennbaum
  Thomas Arnold   als Werner Tennbaum
  Boris Koneczny   als Untersuchungsrichter
  Bernhard Gille   als Staatsanwalt
  Constanze Weinig  
 
Regie:  Niki Stein  
Drehbuch:  Thomas Kirchner  
  Niki Stein  
Produzent:  Dr. Beatrice Kramm  
Kamera:  Arthur W. Ahrweiler  
Schnitt:  Corina Dietz  
Musik:  Ulrik Spies  
  Jacki Engelken  
Produktionsdesign:  Benedikt Herforth  
Kostüme:  Anette Schröder  
Maske:  Katrin Sondermann  
  Julia Serowski  
Ton:  Christoph Köpf  
Casting:  Heide Woicke  

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