Friederike Becht
Luise Heyer
Franz Dinda
Regie: Robert Thalheim
Verleih: Zorro
Ein Jahr vor dem Ende der DDR reisen die beiden unzertrennlichen Zwillingsschwestern Doreen und Isabel ins sozialistische Ferienlager im westungarischen Balaton, ehemals Plattensee, um dort für ihre Karriere als Kaderruderer im Zweier ohne zu trainieren. Als sie ein Quartett versnobter, aber sympathischer Hamburger Jungs kennenlernen, schleichen sie sich nachts aus dem umzäunten Pionierlager, um verbotenerweise mit dem Klassenfeind zu feiern. Dabei verliebt sich Doreen in den sensiblen Arne und gerät in einen tiefen Gewissenskonflikt.

Im letzten Jahr der DDR trennt eine deutsch-deutsche Sommerliebe zwei unzertrennliche Schwestern, woraus Robert Thalheim ein kraftvolles Melodram strickt.
"Never let me down again" singen die Synthie-Popper Depeche Mode programmatisch. Auch wenn der nostalgische Disco-Sound damit so voll aufdreht wie die Filmmusik - Robert Thalheim hat einen kleinen, persönlichen Film über die deutsche Teilung gedreht. Einen, der schwankt zwischen gefühlstrunkenem Liebesmelo und leicht sperrigem Sozialismus-Schwesterndrama, und trotzdem funktioniert. Die zunächst anheimelnde (N)Ostalgie weicht einer unverklärten Betrachtung deutsch-deutscher Differenzen, die Talheim behutsam und glaubhaft ausbreitet - wie sein Kritikererfolg "Am Ende kommen Touristen" mit großem Geschichtsbewusstsein.
Die strikt verbotene Annäherung an den westdeutschen Klassenfeind ist es, die zwei unzertrennliche und zunächst noch unbekümmerte Schwestern mit dem paranoiden politischen System ihres Staates kollidieren lässt. Dabei weht auf der Reise der Ruderinnen ins ungarische Ferienlager am Balaton, Europas flächengrößten Binnensee, ein Hauch von Freiheit, die sie, autoritätshörig, erst einmal für sich entdecken müssen. Aus der steifen Begegnung mit einem versnobten Wohlstandswessi-Quartett, die recht schematisch, mit unter holzschnittartig verläuft, entfaltet sich eine ungemein zarte Romanze, die vom Unglück der beiden Liebenden handelt. Der Ostblock ist für sie großes Gefängnis, aber auch Heimat.
Wie es Thalheim gelingt, trotz mancher oberflächlicher Dialoge herzergreifend von Unfreiheit und zugleich der einen großen Liebe zu erzählen, begeistert. Auch wegen den sensiblen Darsteller, besonders Friederike Becht und Franz Dinda, die im Herzen die Mauer einreißen. So wird der Loyalitätskonflikt zwischen Linientreue und Republikflucht auf die emotionale Ebene verlagert, wo Doreen sich zwischen ihrer innig geliebten Schwester und der Liebe ihres Lebens entscheiden muss. Daraus entsteht eine Fluchtgeschichte ohne Mauer-Pathos.
tk.
| Darsteller: | Friederike Becht | als Doreen | |
|---|---|---|---|
| Luise Heyer | als Isa | ||
| Franz Dinda | als Arne | ||
| Volker Bruch | als Nico | ||
| Hans-Uwe Bauer | als Balisch | ||
| Hannes Wegener | als Klaus | ||
| Albrecht Schuch | als Ronny | ||
| Regie: | Robert Thalheim | ||
| Drehbuch: | Ilja Haller | ||
| Susann Schimk | |||
| Produzent: | Susann Schimk | ||
| Jörg Trentmann | |||
| Koproduzent: | Judith Stalter | ||
| Gábor Sipos | |||
| Gábor Rajna | |||
| Kamera: | Eeva Fleig | ||
| Schnitt: | Stefan Kobe | ||
| Christoph Sturm | |||
| Oliver Grothoff | |||
| Musik: | Christian Conrad | ||
| Produktionsdesign: | Susanne Abel | ||
| Kostüme: | Nadine Kremeier | ||
| Maske: | Nadine Tschöpe | ||
| Ton: | Anton Feist | ||
| Uwe Bossenz | |||
| Detlef Schitto | |||
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