Kraftvolles Melodram vom "Am Ende kommen Touristen"-Regisseur. Darin trennen sich im letzten Jahr der DDR die Wege zweier eigentlich unzertrennlicher Schwestern. http://images.kino.de/flbilder/max11/auto11/auto29/11290112/b150x150.jpg Westwind

Filmdetails

Westwind

Kraftvolles Melodram vom "Am Ende kommen Touristen"-Regisseur. Darin trennen sich im letzten Jahr der DDR die Wege zweier eigentlich unzertrennlicher Schwestern.


Westwind
Start: 25.08.2011

Melodram

Deutschland/Ungarn 2011
Laufzeit: 92 Min.
FSK: ab 6 Jahre

Friederike Becht
Luise Heyer
Franz Dinda

Regie: Robert Thalheim
Verleih: Zorro

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Inhalt

Ein Jahr vor dem Ende der DDR reisen die beiden unzertrennlichen Zwillingsschwestern Doreen und Isabel ins sozialistische Ferienlager im westungarischen Balaton, ehemals Plattensee, um dort für ihre Karriere als Kaderruderer im Zweier ohne zu trainieren. Als sie ein Quartett versnobter, aber sympathischer Hamburger Jungs kennenlernen, schleichen sie sich nachts aus dem umzäunten Pionierlager, um verbotenerweise mit dem Klassenfeind zu feiern. Dabei verliebt sich Doreen in den sensiblen Arne und gerät in einen tiefen Gewissenskonflikt.


Kritik

Westwind

Im letzten Jahr der DDR trennt eine deutsch-deutsche Sommerliebe zwei unzertrennliche Schwestern, woraus Robert Thalheim ein kraftvolles Melodram strickt.

"Never let me down again" singen die Synthie-Popper Depeche Mode programmatisch. Auch wenn der nostalgische Disco-Sound damit so voll aufdreht wie die Filmmusik - Robert Thalheim hat einen kleinen, persönlichen Film über die deutsche Teilung gedreht. Einen, der schwankt zwischen gefühlstrunkenem Liebesmelo und leicht sperrigem Sozialismus-Schwesterndrama, und trotzdem funktioniert. Die zunächst anheimelnde (N)Ostalgie weicht einer unverklärten Betrachtung deutsch-deutscher Differenzen, die Talheim behutsam und glaubhaft ausbreitet - wie sein Kritikererfolg "Am Ende kommen Touristen" mit großem Geschichtsbewusstsein.

Die strikt verbotene Annäherung an den westdeutschen Klassenfeind ist es, die zwei unzertrennliche und zunächst noch unbekümmerte Schwestern mit dem paranoiden politischen System ihres Staates kollidieren lässt. Dabei weht auf der Reise der Ruderinnen ins ungarische Ferienlager am Balaton, Europas flächengrößten Binnensee, ein Hauch von Freiheit, die sie, autoritätshörig, erst einmal für sich entdecken müssen. Aus der steifen Begegnung mit einem versnobten Wohlstandswessi-Quartett, die recht schematisch, mit unter holzschnittartig verläuft, entfaltet sich eine ungemein zarte Romanze, die vom Unglück der beiden Liebenden handelt. Der Ostblock ist für sie großes Gefängnis, aber auch Heimat.

Wie es Thalheim gelingt, trotz mancher oberflächlicher Dialoge herzergreifend von Unfreiheit und zugleich der einen großen Liebe zu erzählen, begeistert. Auch wegen den sensiblen Darsteller, besonders Friederike Becht und Franz Dinda, die im Herzen die Mauer einreißen. So wird der Loyalitätskonflikt zwischen Linientreue und Republikflucht auf die emotionale Ebene verlagert, wo Doreen sich zwischen ihrer innig geliebten Schwester und der Liebe ihres Lebens entscheiden muss. Daraus entsteht eine Fluchtgeschichte ohne Mauer-Pathos.

tk.

Westwind

Darsteller:  Friederike Becht   als Doreen
  Luise Heyer   als Isa
  Franz Dinda   als Arne
  Volker Bruch   als Nico
  Hans-Uwe Bauer   als Balisch
  Hannes Wegener   als Klaus
  Albrecht Schuch   als Ronny
 
Regie:  Robert Thalheim  
Drehbuch:  Ilja Haller  
  Susann Schimk  
Produzent:  Susann Schimk  
  Jörg Trentmann  
Koproduzent:  Judith Stalter  
  Gábor Sipos  
  Gábor Rajna  
Kamera:  Eeva Fleig  
Schnitt:  Stefan Kobe  
  Christoph Sturm  
  Oliver Grothoff  
Musik:  Christian Conrad  
Produktionsdesign:  Susanne Abel  
Kostüme:  Nadine Kremeier  
Maske:  Nadine Tschöpe  
Ton:  Anton Feist  
  Uwe Bossenz  
  Detlef Schitto  

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