Kontemplative Betrachtung einer Gruppe von Zisterziensermönchen, die in Algerien in die Mühlen islamistischer Gewalt gerät. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto42/10420512/b150x150.jpg Von Menschen und Göttern

Filmdetails

Von Menschen und Göttern

Kontemplative Betrachtung einer Gruppe von Zisterziensermönchen, die in Algerien in die Mühlen islamistischer Gewalt gerät.


Von Menschen und Göttern
Start: 16.12.2010

Originaltitel: Des hommes et des dieux

Drama

Frankreich 2010
Laufzeit: 122 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Lambert Wilson
Michael Lonsdale
Olivier Rabourdin

Regie: Xavier Beauvois
Verleih: NFP

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Inhalt

Bis Mitte der Neunzigerjahre gelingt es einer Gruppe von französischen Mönchen in ihrem Kloster in den Bergen des algerischen Maghreb, mit der muslimischen Bevölkerung in friedlicher Koexistenz zu leben. Als kroatischen Arbeitern nicht weit vom Kloster entfernt die Kehle durchschnitten wird, holt der Terror die Männer ein. In der Weihnachtsnacht dringt der Bandenführer ins Kloster ein und fordert Medikamente und einen Arzt für seine verletzten Kämpfer, was der Abt ablehnt. Die Situation eskaliert.


Kritik

Von Menschen und Göttern

Kontemplative Betrachtung einer Gruppe von Zisterziensermönchen, die in Algerien in die Mühlen islamistischer Gewalt gerät.

Im März 1996, der Periode des blutigen Konflikts zwischen der algerischen Regierung und islamistischen Terroristen, wurden sieben französische Mönche aus einem Kloster im Atlas entführt, ihre abgeschlagenen Köpfe lagen zwei Monate später am Rande der Straße, die Körper blieben verschollen. Eine genaue Aufklärung der verbrecherischen Tat fehlt bis heute. Xavier Beauvois nimmt dieses Faktum als Ausgangspunkt für die subtile Betrachtung einer kleinen Gemeinschaft, deren christliche Ideale mit der Wirklichkeit kollidieren. Dabei verzichtet er auf eine Rekapitulation der Ereignisse und liefert stattdessen eine verstörende Auseinandersetzung um menschliche Angst, Verantwortung und Courage. Nicht nur den Großen Preis der Jury, sondern eine Goldene Palme hätte er verdient.

Konzentriert fokussiert sich das Drama auf die Monate vor dem grausamen Geschehen - Arbeit im Garten, Versorgung von Kranken, Betreuung der Dorfbevölkerung, gemeinsame Gebete und Choräle, die Stille und Kontemplation unter den Ordensbrüdern. Aus ihrer persönlichen Perspektive erlebt der Zuschauer eine Normalität in unnormalen Zeiten. Die von der islamischen Bevölkerung geachteten Mönche leben ihre Spiritualität und sind dennoch im Alltag verwurzelt. Als kroatischen Arbeitern nicht weit vom Kloster entfernt die Kehle durchschnitten wird, holt der Terror die Männer ein, sogar in der Weihnachtsnacht dringt der Bandenführer ins Kloster ein und fordert Medikamente und einen Arzt für seine verletzten Kämpfer, was der Abt ablehnt. Die Mönche riskieren zwischen brutalen Rebellen und brutaler Regierung zerrieben zu werden. Die Situation eskaliert und es stellt sich die Frage, bleiben oder nach Frankreich zurückkehren. In einem kontroversen Prozess fällt in innerer Zerrissenheit die selbstlose Entscheidung, nicht aufzugeben trotz aller möglichen Konsequenzen. Die Kraft des Glaubens verleiht ihnen Stärke auf dem Weg zum Martyrium.

Mit seinem fünften Spielfilm in achtzehn Jahren gelingt Beauvois ein virtuos inszeniertes Meisterwerk, das durch sachte Langsamkeit und kühle Nüchternheit besticht, durch Gemeinschaftsrituale und Gemeinschaftsgefühl. Er gestaltet einen spiritueller Mikrokosmos eingebettet in einer berauschend schönen Landschaft. Die formale Strenge der Kamera zwingt zum Hinsehen. Wenn bei den Klängen von "Schwanensee" das letzte Abendmahl gefeiert wird und der Blick sich in gelassener Ruhe auf die Gesichter richtet, nimmt man teil an einem außergewöhnlichen und großen Kinomoment. mk.

Von Menschen und Göttern

Darsteller:  Lambert Wilson   als Christian
  Michael Lonsdale   als Luc
  Olivier Rabourdin   als Christophe
  Philippe Laudenbach   als Célestin
  Jacques Herlin   als Amédée
  Loïc Pichon   als Jean-Pierre
  Xavier Maly   als Michel
  Jean-Marie Frin   als Paul
  Abdelhafid Metalsi   als Nouredine
  Sabrina Ouazani   als Rabbia
  Abdallah Moundy   als Omar
  Olivier Perrier   als Bruno
  Farid Larbi   als Ali Fayattia
  Adel Bencherif   als Terrorist
 
Regie:  Xavier Beauvois  
Drehbuch:  Xavier Beauvois  
  Etienne Comar  
Produzent:  Etienne Comar  
Kamera:  Caroline Champetier  
Schnitt:  Marie-Julie Maille  
Produktionsdesign:  Michel Barthélémy  
Kostüme:  Marielle Robaut  
Ton:  Jean-Jacques Ferran  
  Eric Bonnard  

Triumph des poetischen Kinos

Lange war gerätselt worden, welcher Film des Wettbewerbs dem diesjährigen Jurypräsidenten Tim Burton am besten gefallen könnte ...

Großansicht Goldene Palme für das meditative Kunstwerk "Uncle Boonmee" (Foto: Illuminations Films)

Goldene Palme für das meditative Kunstwerk "Uncle Boonmee" (Foto: Illuminations Films)

Würde er ein verspieltes Werk wählen, das seinen eigenen Filmen gleicht, oder würde als Kontrastprogramm eher ein knallhart-realistischer Film das Rennen machen? An letzteren herrschte im diesjährigen Cannes-Jahrgang kein Mangel. Politischer als in den Vorjahren präsentierte sich das Weltkino an der Croisette, mit Filmen über den Algerienkrieg, den islamischen Fundamentalismus, über Irakkriegs-Söldner und politische Kriegstreiber, den Überlebenskampf in den Metropolen oder in der postsowjetischen russischen Provinz.

Schließlich vergaben Tim Burton und seine acht Jurykollegen die Goldene Palme an einen poetischen Film aus Thailand: "Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives" (auf deutsch: "Onkel Boonmee, der sich an seine vergangenen Leben erinnern kann") von Apichatpong Weerasethakul. Der Film folgt einem schwerkranken alten Mann in den Dschungel, wo er mit seinen Angehörigen in aller Seelenruhe seine letzten Tage verbringt, den Geist seiner verstorbenen Frau und ein freundliches Zottelmonster trifft. Ein traumtänzerischer Film, der den Zuschauer hinter die Dinge blicken lässt und dem Tod seinen Schrecken nimmt - Filmkunst im besten Sinne, die leider viel zu selten jenseits der Festivals zu sehen ist.

Der große Preis der Jury ging ebenfalls an einen wunderbar ruhigen Film mit starken und transzendentalen Bildern, die im Gedächtnis haften bleiben: "Des hommes et des dieux" ("Von Menschen und Göttern"). Xavier Beauvois zeichnet hier die wahre Geschichte einer kleinen Gruppe katholischer Mönche nach, die in den neunziger Jahren im Atlas-Gebirge in Algerien leben. Gezeigt wird der Alltag der Brüder, die ein harmonisches Miteinander mit den muslimischen Einheimischen führen. Bis eines Tages der Bürgerkrieg das verschlafene Dorf erreicht und die Mönche von islamischen Fundamentalisten bedroht werden. Nun ist die essentielle Frage: Bleiben oder fliehen? Die Brüder entschließen sich zum Bleiben und in einer erhebenden Szene, die an das letzte Abendmahl erinnert, fängt die Kamera - untermalt mit Tschaikowskis "Schwanensee" - noch einmal liebevoll jedes einzelne Gesicht des starken Ensembles ein.

 
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Verdient ist auch der Schauspielpreis an Penélope Cruz' bessere Hälfte Javier Bardem, für seine Rolle als krebskranker Drogendealer in Alejandro González Iñárritus düsterem Drama "Biutiful". Es bleibt das Geheimnis der Jury, warum Bardem sich diese Auszeichnung mit Elio Germano teilen musste. Letzterer gibt in dem beschwingten italienischen Beitrag "La nostra vita" überzeugend einen jungen Underdog, der sich nach dem Tod seiner Frau mit seinen drei Kindern allein durchschlagen muss, doch er kann Bardem nicht das Wasser reichen.

Bei den Damen machte Juliette Binoche als überspannte Antiquitätenhändlerin in "Copie conforme" ("Beglaubigte Kopie") das Rennen, Abbas Kiarostamis raffiniertem Vexierspiel über das Auseinanderleben eines Paares, das womöglich in Wahrheit gar keines ist, sondern die Ehekrise nur spielt.

Die große Sensation des in diesem Jahr mit vielen allzu mittelmäßigen Filmen bestückten Programms war indes "Carlos - Der Schakal", der außer Konkurrenz startete. Ein atemberaubender epischer Thriller über den Terroristen "Carlos" (großartig gespielt von Edgar Ramirez), der in den siebziger Jahren zweifelhaften Weltruhm erlangte. Selten wurde Zeitgeschichte so spannend aufbereitet, und dies auf fünfeinhalb Stunden. Wem dies zu lang erscheint, der kann sich ab Herbst in den deutschen Kinos auch eine auf 160 Minuten gekürzten Fassung ansehen.

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Lambert Wilson

* 03.08.1958

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Michael Lonsdale

Er war der Polizist, der den "Schakal" zur Strecke bringt und das Attentat auf General Charles de Gaulle verhindert, er war der...

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