Hans-Michael Rehberg
Ingrid Andree
BJ Britt
Regie: Damir Lukacevic
Verleih: Kinostar
In der nahen deutschen Zukunft bietet eine findige Firma ein revolutionäres Geschäft an: Einen permanenten Persönlichkeitstransfer in einen jungen und gesunden Körper. Das reiche, aber alte und kranke Ehepaar Hermann und Anna lässt sich trotz moralischer Skrupel auf das Experiment ein und findet sich in zwei schönen, jungen afrikanischen Wirtskörpern wieder. Deren Persönlichkeiten erwachen jede Nacht für wenige Stunden und sind über ihr Schicksal entsetzt. Als sie ein Kind erwarten, planen sie die Flucht, ein auswegloses Unterfangen.

Minimalistisches Sci-Fi-Drama, in dem gebrechliche Reiche die Körper von bettelarmen Afrikanern bewohnen: eine Meditation über ethische Grundfragen.
Damir Lukacevics zweiter Spielfilm, entstanden für "Das kleine Fernsehspiel", ist ein bewusster Gegenentwurf zu Effekt-Opern. Das kühle Arthaus-Kopfkino erreicht langsam das Herz und nutzt seine Vision als Bühne für einen Diskurs über ein ganzes Bündel ethischer Probleme. Die Idee, seine Persönlichkeit gegen ein Millionensümmchen auf einen jungen, gesunden und schönen Körper zu übertragen, um ihn zwanzig Stunden am Tag als Avatar zu bewohnen, gerät weniger nach James Cameron denn "Gattaca" mit all seinen philosophischen und moralischen Fragen.
Weil nun eine reiche deutsche Elite, hier ein gebrechliches Ehepaar kurz vor dem Alterstod, sich in den Körpern mittelloser afrikanischer Flüchtlinge einnistet, werden sie nicht nur Teilzeit-Körperfresser, sondern auch Neo-Kolonialisten. Die Wirte kommen nachts für wenige Stunden zu sich und entdecken, dass ihnen der skrupellose Konzern, die Humantechfirma Menzana, übel mitgespielt hat. Die beiden Spender verlieben sich und fassen einen aussichtslosen Fluchtplan, womit sich das Themenspektrum um einen romantischen und einen weiteren psychologischen Aspekt erweitert, den des Doppelgänger, der gespaltene Persönlichkeiten, Nachtwesen.
Als die junge Frau schwanger wird, stecken alle vier in einem Dilemma, das sowohl grundlegende philosophische Themen wie Körper und Geist, als auch aktuelle wie den Menschen als Ware abhandelt, in seiner etwas hüftsteifen Künstlichkeit vielleicht nicht so elegant wie "Alles, was wir geben mussten", aber doch vielschichtig und umfassend. Überdies arbeitet Lukacevic geschickt die Migrations-Thematik seines Erstlings "Heimkehr" in das minimalistische Moraldrama im futuristischen Design mit ein. Nur über den Wachbeauftragten Laurin (Mehmet Kurtulus aus "Gegen die Wand" als Frankensteinsches Monster) hätte man gerne mehr erfahren.
tk.
| Darsteller: | Hans-Michael Rehberg | als Hermann Goldbeck | |
|---|---|---|---|
| Ingrid Andree | als Anna Goldbeck | ||
| BJ Britt | als Apolain | ||
| Regine Nehy | als Sarah | ||
| Jeanette Hain | als Dr. Menzel | ||
| Mehmet Kurtulus | als Laurin | ||
| Ulrich Voß | als Otto | ||
| Regie: | Damir Lukacevic | ||
| Drehbuch: | Damir Lukacevic | ||
| Gabi Blauert | |||
| Gerald Klein | |||
| Produzent: | Marcos Kantis | ||
| Martin Lehwald | |||
| Kamera: | Francisco Dominguez | ||
| Schnitt: | Frank Brummundt | ||
| Musik: | Enis Rotthoff | ||
| Produktionsdesign: | Tom Hornig | ||
| Kostüme: | Annemarie Laber | ||
| Ton: | Steffen Graubaum | ||
| Casting: | Lisa Hamil | ||
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