Angelina Jolie
Johnny Depp
Paul Bettany
Regie: Florian Henckel von Donnersmarck
Verleih: Studiocanal
Um über ein gebrochenes Herz hinwegzukommen, reist der Amerikaner Frank nach Europa. Immer wieder kreuzen sich scheinbar zufällig seine Wege mit der mysteriösen Elise, mit der Frank alsbald zu flirten beginnt. Doch die Romanze hat unerwartete Nebeneffekte: Mit einem Mal heften sich Polizei, Geheimdienste und das organisierte Verbrechen an die Fersen des ahnungslosen Mannes: Frank wird wegen seiner Kontakte zu Elise für einen europaweit gesuchten Verbrecher gehalten.

Mit großer Geste frönt Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck in seinem ersten Hollywoodfilm einem glamourösen Starkino von einst, das man längst ausgestorben wähnte.
"Charade" von Stanley Donen oder Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" sind die unverkennbaren Vorbilder für die zweite Regiearbeit von Florian Henckel von Donnersmarck, ein geradezu süffig in edelste und exklusivste Designs und Dekors des Alten Europa gehülltes Rätselspiel, für das sich mit Johnny Depp und Angelina Jolie die zwei größten Stars des gegenwärtigen Hollywoodkinos gewinnen ließen. Das Teuerste ist gerade gut genug für das Remake des französischen Thrillers "Anthony Zimmer" von 2005 (deutscher TV-Titel: "Fluchtpunkt Nizza"). Ein bisschen lässt einen das Gefühl nicht los, als habe sich der deutsche Regisseur mit seinem ersten Film seit "Das Leben der Anderen" vor vier Jahren selbst belohnt für den sensationellen Triumph des Erstling, der im Oscar-Gewinn als bester fremdsprachiger Film gipfelte.
Verdenken kann man es ihm jedenfalls nicht, auf das strenge, präzise Drama über menschliche Tragödien im Unrechtssystem der DDR einen leichten, unbeschwerten Unterhaltungsfilm folgen zu lassen, der ungefähr am anderen Ende des filmischen Spektrums angesiedelt ist: Ebenso romantisch wie die Handlung über einen nichts ahnenden amerikanischen Mathe-Professor auf der Suche nach Neuorientierung in der alten Welt, der von einer geheimnisvollen Schönen instrumentalisiert wird, um schlimme Finger und den langen Arm des Gesetzes zu täuschen, ist die Haltung von von Donnersmarck. Mit ihr zelebriert er ein Kino, das es in Zeiten der ewigen Beschleunigung eigentlich längst nicht mehr gibt und in dem die zart ausgeleuchteten Gesichter seiner Stars die aufwändigsten Special Effects sind.
"The Tourist" hält sich inhaltlich zunächst ziemlich sklavisch an die Vorlage, um nach der zwischenzeitlichen Trennung seiner beiden Helden in Venedig Überraschungen und Handlungswendungen im Minutentakt aus dem Zylinder zu zaubern: Dass der unbedarfte Amerikaner, der standhaft darauf besteht, die Menschen in Italien auf Spanisch anzusprechen, sich in die Femme fatale verliebt, deren Täuschung es zu verdanken ist, dass er für einen tolldreisten Großbetrüger gehalten wird, mag noch nachvollziehbar sein. Dass sich der Tappsbär zum furchtlosen Retter wandelt, ist der Handlungskonvention geschuldet. Alles andere, was den Machern an Volten so einfiel, muss man halt schlucken. Das ist okay:
"The Tourist" will Spaß machen, will den Zuschauer trunken machen mit seinem Rausch der Bilder, den Fünf-Sterne-Hotels, den atemberaubenden Roben, den bis in die letzte Nebenrolle perfekt gebundenen Krawatten. Es ist Fantasykino für Erwachsene, das in seinen hüftsteifen Actionszenen ins Straucheln kommt, ansonsten aber prächtig unterhält mit seiner Ode an die Schönheit, in der alles möglich ist. Auch dass der Mathelehrer das Herz der Beauty aus den Oberen Zehntausend gewinnt. ts.
| Darsteller: | Angelina Jolie | als Elise Ward | |
|---|---|---|---|
| Johnny Depp | als Frank Tupelo | ||
| Paul Bettany | als Inspektor John Acheson | ||
| Timothy Dalton | als Chefinspektor Jones | ||
| Steven Berkoff | als Reginald Shaw | ||
| Rufus Sewell | als Der Engländer | ||
| Bruno Wolkowitch | als Sergeant | ||
| Mhamed Arezki | als Kurier | ||
| Ralf Moeller | |||
| Regie: | Florian Henckel von Donnersmarck | ||
| Drehbuch: | Julian Fellowes | ||
| Christopher McQuarrie | |||
| Florian Henckel von Donnersmarck | |||
| Produzent: | Graham King | ||
| Gary Barber | |||
| Roger Birnbaum | |||
| Jonathan Glickman | |||
| Tim Headington | |||
| Koproduzent: | Dennis O'Sullivan | ||
| Ausf. Produzent: | Ron Halpern | ||
| Lloyd Phillips | |||
| Kamera: | John Seale | ||
| Schnitt: | Joe Hutshing | ||
| Patricia Rommel | |||
| Musik: | James Newton Howard | ||
| Produktionsdesign: | Jon Hutman | ||
| Kostüme: | Colleen Atwood | ||
Mein lieber Schwan: Natalie Portman bekam einen Globe für "Black Swan", Christian Bale einen für "The Fighter". Top-Abräumer bei den Golden Globes wurde "The Social Network."
Teilen? Kommt gar nicht in Frage: "The Social Network" ist jetzt befreundet mit vier Golden Globes: David Finchers Film wurde mit vier Preisen ausgezeichnet, unter anderem in der Königskategorie Bestes Drama. Weitere "Social Network"-Globes gingen an David Fincher selbst für die beste Regie, Aaron Sorkin für das beste Drehbuch sowie Trent Reznor und Atticus Ross für die beste Musik.
"The Kids Are All Right" ist die beste Komödie, Hauptdarstellerin Annette Bening wurde auch zur besten Komödien-Schauspielerin erklärt. Eine kleine Überraschung ist die Auszeichnung von Paul Giamatti ("Barney's Version") als bester Darsteller in einer Komödie.
Die weiteren Preise gingen an die designierten Favoriten: Natalie Portman ist beste Hauptdarstellerin eines Dramas für "Black Swan", Colin Firth bester Hauptdarsteller eines Dramas für "The King's Speech". Die Nebendarstellerpreise gingen an Christian Bale und Melissa Leo, jeweils für "The Fighter". Zum besten Animationsfilm wurde "Toy Story 3" erklärt. Und bester fremdsprachiger Film ist "In a Better World" der Dänin Susanne Bier.
Trotz dreier Nominierungen gab es keinen Gewinnerapplaus für Florian Henckel von Donnersmarcks Thriller "The Tourist". Auch Robert Schwentke, dessen "R.E.D. - Älter. härter. besser." ebenfalls nominiert war, ging leer aus.
Bei den Fernseh-Globes wurden die Preise weitestgehend ebenfalls den Favoriten zugedacht: "Boardwalk Empire" wurde als bestes Drama geehrt, "Glee" als beste Comedy/Musical. Beste Miniserie ist die deutsche Koproduktion "Carlos - Der Schakal". Darstellerpreise gingen an Katey Sagal ("Sons of Anarchy"), Steve Buscemi ("Boardwalk Empire"), Laura Linney ("The Big C"), Jim Parsons ("The Big Bang Theory"), Claire Danes ("Temple Grandin"), Al Pacino ("You Don't Know Jack"), Jane Lynch ("Glee") und Chris Golfer ("Glee").
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