Chow Yun-Fat
Mira Sorvino
Michael Rooker
Regie: Antoine Fuqua
Verleih: Columbia Tristar
Der chinesische Killer John Lee bringt es nicht übers Herz, einen letzten Auftrag auszuführen und bringt sich so selbst ins Kreuzfeuer seines Auftraggebers. Von der Fälscherin Meg Coburn will Lee sich neue Papiere beschaffen, um aus Amerika verschwinden zu können, bevor die Ersatzkiller zunächst ihn finden und dann seinen ursprünglichen Auftrag zu Ende bringen können.

In der Gestalt des Actionritters von der traurigen Gestalt eröffnete Chow Yun-Fat 1986 in John Woos melancholischem Todesballett "A Better Tomorrow/Der City-Wolf" zweihändig das Feuer auf ein gebanntes asiatisches Publikum und veränderte nachhaltig das Gesicht des Actionfilms. Mehr Delon als Schwarzenegger, mehr Cagney als Stallone, trug Chow bei allem Stilbewußtsein immer auch eine für monolithische Actionhelden der Zeit ungekannte Verletzlichkeit zur Schau. Nachdem die Hongkong-Kollegen John Woo und Jackie Chan bereits erfolgreich eingemeindet wurden, will Hollywood nun auch nicht mehr auf Ol' Black Eyes verzichten. Videoclip-Regisseur Antoine Fuqua zimmerte dem Asiaten ein bleihaltiges Vehikel, in dem die Action standesgemäß ausfällt, jeglicher Tiefgang aber dem halsstarrigen Stilwillen des Regiedebütanten geopfert wurde.
So macht "Die Ersatzkiller" über weite Strecken seinem Namen alle Ehre und wirkt wie ein Ersatz-Actioner, der sich als Hommage an seinen charismatischen Hauptdarsteller versteht, als Best-of-Reminiszenz an klassische Hongkong-Werke wie "Blast Killer" oder "City on Fire". Daß in diesen Filmen nicht nur kübelweise Herzblut in ebenso furios wie unerbittlich inszenierten Schießereien vergossen wurde, sondern selbiges auch so großzügig durch ihre Handlungen pumpen ließ, daß man Anteil nahm am Schicksal seiner Figuren und ihren moralischen Dilemmas, vernachlässigt Fuqua in seiner Zitatensammlung über einen Killer, der einen letzten Auftrag nicht übers Herz bringt und so selbst ins Kreuzfeuer seines Auftraggebers gerät. "Die Ersatzkiller" sind kälter als der Held. Hier triumphiert Stil jederzeit über Substanz, wenn die Filmemacher ein Feuergefecht an das andere reihen und emotionalen Tiefgang auf tiefe Augen-Blicke und rührend erzählte Geschichten aus der Vergangenheit des Protagonisten beschränken.
Chow Yun-Fat ficht weder an, daß man ihm als Hollywood-Debüt ein Vehikel bescherte, wie es auch in das Oeuvre eines Jean-Claude Van Damme passen würde, noch daß er den Part des Mörders mit einem Herz aus Gold bereits im Schlaf spielen kann. Wenn er durch das bemühte "Sieben"-Ambiente marschiert und kleine Gesten und große Waffen sprechen läßt, dann ist er überzeugender und cooler als es die gesamte Riege der überbezahlten Actionhelden der Traumfarbik jemals sein konnte. Weil sein Englisch limitiert ist (sollte in der Synchronisation weiß Gott kein Problem darstellen), läßt er seine Partnerin Mira Sorvino sprechen, die der maulfaule Killer aufsucht, um sich von ihr Papiere fälschen zu lassen und so aus Amerika verschwinden zu können, bevor die Ersatzkiller (der Schöne und das Biest: Til Schweiger, in seinem sehr kurzen, unerheblichen Hollywood-Debüt, und Danny Trejo) ihn finden können. Man muß kein Prophet sein, um vorherzusehen, daß sie mit Chow fortan durch Dick und Dünn gehen muß. Auch wenn sie bemühter als ihr Gegenüber wirkt, gibt Sorvino im Jürgen-Teller-Junkie-Chic doch eine ansprechende und aggressive Figur ab, die dem Film gut zu Gesicht steht. Wenn die beiden Stars gemeinsam zum Spießrutenlauf antreten und ihre gesichtslosen Feinde in Waschstraßen, alten Kinos, heruntergekommenen Hausgängen, Videoarkaden und einem Chinatown-Straßenzug, wie man ihn auch in den Bavaria-Studios nicht schöner hätte bauen können, dezimieren, will man gerne darüber hinwegsehen, daß ihr Regisseur zwar ein gutes Auge, aber doch nur einen röchelnden erzählerischen Atem besitzt. Was durchaus mehr hätte werden können, gibt sich so damit zufrieden, als bestechend fotografierter, aber wenig beseelter Actioner ausschließlich die Genreklientel zu bedienen.ts.
| Darsteller: | Chow Yun-Fat | als John Lee | |
|---|---|---|---|
| Mira Sorvino | als Meg Coburn | ||
| Michael Rooker | als Stan "Zeedo" Zerkov | ||
| Jürgen Prochnow | als Michael Kogan | ||
| Kenneth Tsang | als Terence Wei | ||
| Til Schweiger | als Ryker | ||
| Danny Trejo | als Collins | ||
| Clifton Collins Jr. | als Loco | ||
| Randall Duk Kim | als Alan Chan | ||
| Carlos Gómez | als Hunt | ||
| Frank Medrano | als Rawlins | ||
| Regie: | Antoine Fuqua | ||
| Drehbuch: | Ken Sanzel | ||
| Produzent: | Bernie Brillstein | ||
| Brad Grey | |||
| Koproduzent: | Michael McDonnell | ||
| Ausf. Produzent: | Terence Chang | ||
| Christopher Godsick | |||
| John Woo | |||
| Matthew Baer | |||
| Kamera: | Peter Lyons Collister | ||
| Schnitt: | Jay Cassidy | ||
| Musik: | Harry Gregson-Williams | ||
| Produktionsdesign: | Naomi Shohan | ||
| David Lazan | |||
| Kostüme: | Arianne Phillips | ||
| Ton: | Douglas B. Arnold | ||
Der Meister der Martial Arts setzt seinen Körper wieder aktiv vor der Kamera ein. Nach dem großen Erfolg von Ang Lees "Tiger & Dragon" fühlt sich Chow Yun-Fat offensichtlich dem Drachen besonders verpflichtet.
Sein nächster Film heißt "Walk Like a Dragon" und ist eine Neuauflage des gleichnamigen Westerns von 1960. Es handelt sich um ein Action-Drama, in dem Yun-Fat einen asiatischen Beamten spielen soll, der von Kriminellen bedroht wird. Die wollen seine in San Francisco lebende Tochter drogenabhängig machen, wenn er ihre Forderungen nicht erfüllt.
In Asien schon lange ein Superstar, schaffte Chow Yun-Fat 1998 auch in Amerika den großen Durchbruch mit "The Replacement Killers". Nach "Tiger & Dragon" wurde es ein wenig ruhiger um ihn. Doch 2003 kehrt er mit "Bulletproof Monk" zurück auf die Leinwand.
Wer außer dem Asiaten mit an Bord ist, steht noch nicht fest. Das Skript wurde jedoch vorsorglich so geschrieben, dass der schauspielende Wrestler Dwayne "The Rock" Johnson, der demnächst für "Walking Tall" vor der Kamera stehen wird, eine Rolle übernehmen könnte.
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.