Schon seit einiger Zeit halten dreiste Bankräuber das Rhein-Main-Gebiet in Atem. Beim letzten Coup ist zum ersten Mal ein Schuss gefallen; er traf einen Wachmann tödlich. Kurz drauf trifft Kommissarin Sänger zufällig auf eine bewaffnete Amokläuferin. Während sie noch zögert, macht ein Kollege kurzen Prozess. Die Pistole der Frau war jedoch gar nicht geladen. Sänger wird trotzdem beurlaubt, ermittelt weiter und stößt auf eine Frauengruppe, die im Wald historische Duelle nachstellt.

Ob sich Autor Michael Proehl diese Form der Freizeitbeschäftigung ausgedacht hat oder ob es tatsächlich Frauen gibt, die sich nur zum Spaß im Wald duellieren, ist nicht überliefert. Tatsache ist jedoch, dass Regisseur Florian Schwarz ("Katze im Sack"), der mit diesem "Tatort" das dritte Proehl-Drehbuch verfilmt, den Einfall für höchst originell hielt; so originell jedenfalls, dass er vor lauter Begeisterung das erste Gebot des sonntägigen Sendeplatzes aus den Augen verlor. Die ARD-Krimis dürfen ja mittlerweile alles; außer langweilen.
Tatsächlich ist man hin und hergerissen bei diesem seltsamen Sujet, dem Schwarz vor lauter Begeisterung nicht mal ein Mindestmaß an Spannung abgewinnen wollte. Dabei hat die Geschichte gleich zwei vielversprechende Einstiege zu bieten: Im ersten Prolog erschießt ein sichtlich nervöser Bankräuber eher aus Versehen einen Wachmann, im zweiten ein Polizist ganz überlegt und gezielt eine vermeintliche Amokläuferin. Wie immer braucht die Polizei deutlich länger als das Publikum um herauszufinden, dass es sich beim Täter aus Strang eins und dem Opfer aus Strang zwei um ein und dieselbe Person handelt. Möglicherweise liegt das auch daran, dass Charlotte Sänger diesmal ganz auf sich allein gestellt ist, weil Kollege Dellwo anderweitige Aufgaben hat. Da sie angesichts der Amokläuferin eine psychische Ladehemmung überkam, wird sie zu allem Überfluss auch noch vom Dienst suspendiert. Wie ebenfalls krimiüblich ermittelt sie selbstredend munter weiter und stößt alsbald auf eine Gruppe offenbar gelangweilter Frauen, die mit scharfer Munition und kugelsicheren Westen berühmte Duelle nachstellen.
Wenn Fußballspiele verloren gehen, gelten prominente Abwesende gern als Gewinner. Auf diesen "Tatort" übertragen hieße das: Ohne Jörg Schüttauf geht's wohl nicht. Tatsächlich fehlt Andrea Sawatzki ein angemessener männlicher Gegenspieler. Einziger ernstzunehmender Widerpart ist die Anführerin (Nina Kronjäger) der Flintenweiber, deren Motive allerdings völlig im Dunkeln bleiben. Die interessantere Figur ist daher der Polizist, der die Amokläuferin erschossen hat. Uwe Bohm muss den Mann jedoch als Ausbund männlicher Überheblichkeit verkörpern, dem die gezielten Todesschüsse auch noch Spaß gemacht haben.
Während die Handlung an der Spannung spart, will die Bildgestaltung (Dominik Schunk) ganz viel Dynamik vermitteln; die Handkamera dackelt den Personen mitunter hinterher, als habe Schwarz eine Pseudo-Dokumentation drehen wollen. Am Schluss hingegen schwenkt er ganz aufs Gangster-Genre um: Zum Finale wird geballert und gestorben, als solle der Film alle diesbezüglichen "Tatort"-Rekorde brechen. Pünktlich zum nächsten Fall (bereits am 28. Dezember) ist Frankfurt aber repariert und auch Jörg Schüttauf wieder dabei. tpg.
| Darsteller: | Andrea Sawatzki | als Charlotte Sänger | |
|---|---|---|---|
| Peter Lerchbaumer | als Rudi Fromm | ||
| Sascha Göpel | als Jan Gröner | ||
| Thomas Balou Martin | als Staatsanwalt Dr. Scheer | ||
| Nina Kronjäger | als Jule Fischer | ||
| Johann von Bülow | als Dr. Heisenberg | ||
| Johanna Bantzer | als Lou | ||
| Antje Westermann | als Theresa Brahms | ||
| Rosa Enskat | als Cookybell | ||
| Judith Döker | als Gaby | ||
| Kim Schnitzer | als Nadja Koch | ||
| Uwe Bohm | als Martin Petzold | ||
| Fritz Roth | |||
| Regie: | Florian Schwarz | ||
| Drehbuch: | Michael Proehl | ||
| Kamera: | Dominik Schunk | ||
| Schnitt: | Carmen Vieten | ||
| Musik: | Fabian Römer | ||
| Produktionsdesign: | Károly Pákozdy | ||
| Kostüme: | Katharina Schnelting | ||
| Ton: | Elke Dobkowitz | ||
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