Die Frankfurter Kommissare bekommen es nicht nur mit einem chinesischen Mordopfer zu tun, sondern auch mit dessen Doppelgänger... http://images.kino.de/flbilder/max08/auto08/auto48/08480366/b150x150.jpg Tatort: Der tote Chinese

Filmdetails

Tatort: Der tote Chinese

Die Frankfurter Kommissare bekommen es nicht nur mit einem chinesischen Mordopfer zu tun, sondern auch mit dessen Doppelgänger...


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Kritik

Tatort: Der tote Chinese

Zwei Wochen zuvor hatte ein "Tatort" aus Frankfurt ("Waffenschwestern") noch gute Chancen auf den Titel des zwar skurrilsten, aber auch spannungsärmsten Krimi des Jahres. Hendrik Handloegten zeigt, wie man eine Geschichte rund um ein sehenswertes Ensemble erzählt, sie mutwillig verrätselt und auf diese Weise für durchgängige Spannung sorgt, ohne dass ein einziger Schuss fällt: Das obligate Todesopfer ist im Fitnessraum des Frankfurter Flughafenhotel unter einer Hantel erstickt.

Und das ist bei weitem nicht das einzige ungewöhnliche Detail dieses Falles (Buch: Handloegten und David Keller), der Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und ihren zum Glück wieder mitwirkenden Kollegen Dellwo (Jörg Schüttauf) vor ein absolutes Rätsel stellt. Der Tote ist, wie der Titel verrät, Chinese. Ein Landsmann (Chike Chan) macht sich nun zunutze, dass die Mitglieder seines Volkes für Europäer nur schwer auseinander zu halten sind und schlüpft in seine Identität; und so wird aus dem Putzmann Wan der Import/Export-Händler Tony Wang. Wans Familie lebt in Amerika; da kommt ihm Wangs Ticket nach New York gerade Recht. Allerdings kann er natürlich nicht ahnen, dass Wang in krumme Geschäfte verwickelt war. Verständlicherweise nehmen es dessen deutschen Kumpane (Andreas Schmidt, Thorsten Merten) dem Putzmann übel, dass er sie am vereinbarten Treffpunkt, dem Check-In-Schalter, so schnöde ignoriert. Deshalb landet Wan nicht in New York, sondern in einer Lagerhalle, wo ihm die beiden übel mitspielen. Derweil werden Sänger und Dellwo mit 600 Chinesen konfrontiert, die im Airport-Hotel eine Tagung besuchen. Deren Veranstalter ist ein Zeitgenosse, den man vor allem deshalb zwielichtig findet, weil Matthias Brandt ihn verkörpert; aber das reicht nun mal für einen gewissen Anfangsverdacht, der sich später auch als ziemlich begründet entpuppt.

Neben den diversen Kommunikationsversuchen, bei denen die Mitwirkenden gern aneinander vorbei reden (und das nicht nur, weil sie unterschiedliche Sprachen sprechen), imponiert dieser "Tatort" nicht zuletzt durch seine Vielschichtigkeit; selbst wenn es eine Weile dauert, bis man sich zwischen den verschiedenen Ebenen orientiert hat. Handloegten ("Liegen lernen"), vor sieben Jahren für seinen wunderbaren Debütfilm "Paul is dead" gleich mit einem Adolf Grimme Preis ausgezeichnet, gelingt es sogar, den alles andere als komischen Hintergrund der Handlung (Wang ist in Menschenhandel und moderne Sklaverei verstrickt) mit hübschen Momenten der Heiterkeit zu verknüpfen; etwa wenn Dellwo und Sänger gleichzeitig in irgendwelchen telefonischen Warteschleifen stecken. Humoristische Kleinodien sind auch die wenigen Szenen mit Kida Khodr Ramadan ("Knallhart") als Geschäftsmann aus Tadschikistan, dessen Radebrechungen ("Ich weiß nix wo Augenschlitz") für viel Fröhlichkeit sorgen. Ein würdiger Abschluss fürs "Tatort"-Jahr, der zudem den letzten HR-Krimi "Waffenschwestern" zum Negativausreißer macht. tpg.

Tatort: Der tote Chinese

Darsteller:  Andrea Sawatzki   als Charlotte Sänger
  Jörg Schüttauf   als Fritz Dellwo
  Peter Lerchbaumer   als Rudi Fromm
  Christiane Schulz   als Ina Springstub
  Iris Böhm   als Christiane von Basedow
  Thomas Balou Martin   als Staatsanwalt Dr. Scheer
  Chike Chan   als Wen Hai Wan / Tony Wang
  Matthias Brandt   als Wolf Dieter Hübner
  Johanna Wokalek   als Stefanie Wang
  Andreas Schmidt   als Jens Richter
  Thorsten Merten   als Robert Roetgen
  Meylan Chao   als Min Li Sun
  Antoine Monot, Jr.   als Oskar Grübel
  Aleksandar Jovanovic   als Damir Znidarcic
  Kida Ramadan   als Shavkat Nazarov
  Chi Le   als Gong Ma
  Katharina Heyer  
  Bachtijar Chudojnasarow  
 
Regie:  Hendrik Handloegten  
Drehbuch:  Hendrik Handloegten  
  David Keller  
Kamera:  Peter Przybylski  
Schnitt:  Stefan Blau  
Produktionsdesign:  Stefan Schönberg  
Kostüme:  Katharina Schnelting  
Ton:  Majid Sarafi  
Casting:  Ingrid Böhm  

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