Lars Eidinger
Peri Baumeister
Rainer Bock
Regie: Christoph Stark
Verleih: Camino (Filmagentinnen)
Als Georg Trakl 1910 damit kämpft, dichterisch kreativ zu werden und sich erfolglos als Pharmazie-Student versucht, folgt ihm seine vier Jahre jüngere Schwester Grete nach Wien. Vorgeblich, um an der Meisterklasse von Professor Brückner zu lernen, tatsächlich aber, um das seit der Kindheit enge Verhältnis zu Georg um einige inzestuöse Details zu erweitern. Was die verbotene Liebe beim aufstrebenden expressionistischen Dichter nicht ruiniert, erledigt seine Drogensucht. Schließlich zwingt Georg Grete in eine bürgerliche Ehe mit Brückner.

Hassliebesdrama um das inzestuöse Verhältnis des Expressionisten Georg Trakl zu seiner Schwester in Wien vor dem Ersten Weltkrieg.
Fernsehregisseur Christoph Stark, der schon mit seinem Kinodebüt "Julietta" eine provokante Beziehung schilderte, legt eine fabelhaft gespielte Moritat von Blutschuld, Seelenpein und Passion über den Salzburger Lyriker Trakl vor. Im Fokus liegt nicht das Biografische - auch wenn "Tabu" allen Vorstellungen von Genie und Wahn entspricht - sondern die, historisch keinesfalls belegte und aus Trakls Gedichten bestenfalls erahnbare, selbstzerstörerische Inzest-Liebe. Ein mit zahlreichen künstlerischen Freiheiten gespicktes Kostümdrama, das, mal unorthodox, mal konventionell, Lebenswelt und Kunst verzahnt. Die Rezitation von Trakls tiefsinnig-depressiver Dichtung verleiht überdies eine ganz besondere Wucht und verdichtet die Emotionen.
Sie denkt nur an ihn, er nur an seine Gedichte: Aus dem bürgerlichen Elternhaus folgt Georgs vier Jahre jüngere Schwester Grete ihm nach Wien, beider Leidenschaften befinden sich fortan im Schleudergang - das steht mitunter kurz vor der Soap und ist nicht immer involvierend. Aber die beiden Mimen meistern ihre schwierigen Rollen mit Bravour: Zum einen der Berliner Theaterstar Lars Eidinger ("Alle anderen"), der wie ein junger Sepp Bierbichler mürrisch-störrisch die zerrissene Künstlerseele freilegt. Vor allem aber Muriels Schwester Peri Baumeister, bislang am Theater engagiert, deren erotisch-intensive Darbietung zwischen Ellen Paige und Beatrice Dalle ihr völlig zu Recht den Max Ophüls Preis 2012 einbrachte. Baumeister ist eine echte Neuentdeckung, die Eidinger fast die Show stiehlt.
Und das, obwohl es keinen wirklichen Sympathieträger gibt in einem Film, der das Zerstörungspotenzial der Begierde erforscht, bisweilen orgiastisch mit viel Sex, Drogen und Gewaltausbrüchen. Es ist die Hingabe, die für das überaus fleischliche Charakterporträt zweier schwieriger Menschen einnimmt, deren Beziehung sie vergiftet wie eine Droge: Ein Pendeln zwischen Exzess und Entzug - mit allen, meist negativen, Konsequenzen. Das übersetzt Christoph Stark oft gekonnt in Bilder, die immer nahe an den Figuren bleiben und einen Hauch des Free Cinema verströmen, meist in Innenräumen spielend und optisch historisiert durch ein dunkles Farbspektrum. In geringerem Maße gerinnt daraus auch ein kammermusikalisch verziertes Sittenbild, auch wenn im Zentrum deutlich das Leiden steht, das die Kunst gebiert. Die Frage, wie man seinen Frieden mit der Welt schließen kann, wenn man das Leben mehr fürchtet als den Tod, beantwortet zumindest die Geschichte. tk.
| Darsteller: | Lars Eidinger | als Georg Trakl | |
|---|---|---|---|
| Peri Baumeister | als Grete Trakl | ||
| Rainer Bock | als Albert Brückner | ||
| Rafael Stachowiak | als Ludwig Schubeck | ||
| Petra Morzé | als Mutter Trakl | ||
| Jules Werner | als Oskar Kokoschka | ||
| Victoria Metzler | als Alma Mahler | ||
| Vera Borek | als Georgs Wirtin | ||
| Katharina Straßer | als Fanny | ||
| Christiane Rausch | als Frau Gassner | ||
| Susi Stach | als Agnes | ||
| Regie: | Christoph Stark | ||
| Drehbuch: | Ursula Mauder | ||
| Produzent: | Nicolas Steil | ||
| Arno Ortmair | |||
| Koproduzent: | Dieter Pochlatko | ||
| Kamera: | Bogumil Godfrejow | ||
| Schnitt: | Hans Funk | ||
| Produktionsdesign: | Christine Caspari | ||
| Kostüme: | Birgit Hutter | ||
| Ton: | Peter V. Meiselmann | ||
| Bernhard Schmid | |||
| Casting: | Lucky Englander | ||
| Fritz Fleischhacker | |||
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