Schön gefilmtes, poetisches Drama um die leidenschaftliche-obsessive Beziehung der Geschwister Trakl, das auch den Texten und der Musik der beiden Rechnung trägt. http://images.kino.de/flbilder/max12/auto12/auto18/12180115/b150x150.jpg Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden

Filmdetails

Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden

Schön gefilmtes, poetisches Drama um die leidenschaftliche-obsessive Beziehung der Geschwister Trakl, das auch den Texten und der Musik der beiden Rechnung trägt.


Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden
Start: 31.05.2012

Drama

Österreich/Deutschland/Frankreich/Luxemburg 2011
Laufzeit: 94 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Lars Eidinger
Peri Baumeister
Rainer Bock

Regie: Christoph Stark
Verleih: Camino (Filmagentinnen)

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Inhalt

Als Georg Trakl 1910 damit kämpft, dichterisch kreativ zu werden und sich erfolglos als Pharmazie-Student versucht, folgt ihm seine vier Jahre jüngere Schwester Grete nach Wien. Vorgeblich, um an der Meisterklasse von Professor Brückner zu lernen, tatsächlich aber, um das seit der Kindheit enge Verhältnis zu Georg um einige inzestuöse Details zu erweitern. Was die verbotene Liebe beim aufstrebenden expressionistischen Dichter nicht ruiniert, erledigt seine Drogensucht. Schließlich zwingt Georg Grete in eine bürgerliche Ehe mit Brückner.


Kritik

Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden

Hassliebesdrama um das inzestuöse Verhältnis des Expressionisten Georg Trakl zu seiner Schwester in Wien vor dem Ersten Weltkrieg.

Fernsehregisseur Christoph Stark, der schon mit seinem Kinodebüt "Julietta" eine provokante Beziehung schilderte, legt eine fabelhaft gespielte Moritat von Blutschuld, Seelenpein und Passion über den Salzburger Lyriker Trakl vor. Im Fokus liegt nicht das Biografische - auch wenn "Tabu" allen Vorstellungen von Genie und Wahn entspricht - sondern die, historisch keinesfalls belegte und aus Trakls Gedichten bestenfalls erahnbare, selbstzerstörerische Inzest-Liebe. Ein mit zahlreichen künstlerischen Freiheiten gespicktes Kostümdrama, das, mal unorthodox, mal konventionell, Lebenswelt und Kunst verzahnt. Die Rezitation von Trakls tiefsinnig-depressiver Dichtung verleiht überdies eine ganz besondere Wucht und verdichtet die Emotionen.

Sie denkt nur an ihn, er nur an seine Gedichte: Aus dem bürgerlichen Elternhaus folgt Georgs vier Jahre jüngere Schwester Grete ihm nach Wien, beider Leidenschaften befinden sich fortan im Schleudergang - das steht mitunter kurz vor der Soap und ist nicht immer involvierend. Aber die beiden Mimen meistern ihre schwierigen Rollen mit Bravour: Zum einen der Berliner Theaterstar Lars Eidinger ("Alle anderen"), der wie ein junger Sepp Bierbichler mürrisch-störrisch die zerrissene Künstlerseele freilegt. Vor allem aber Muriels Schwester Peri Baumeister, bislang am Theater engagiert, deren erotisch-intensive Darbietung zwischen Ellen Paige und Beatrice Dalle ihr völlig zu Recht den Max Ophüls Preis 2012 einbrachte. Baumeister ist eine echte Neuentdeckung, die Eidinger fast die Show stiehlt.

Und das, obwohl es keinen wirklichen Sympathieträger gibt in einem Film, der das Zerstörungspotenzial der Begierde erforscht, bisweilen orgiastisch mit viel Sex, Drogen und Gewaltausbrüchen. Es ist die Hingabe, die für das überaus fleischliche Charakterporträt zweier schwieriger Menschen einnimmt, deren Beziehung sie vergiftet wie eine Droge: Ein Pendeln zwischen Exzess und Entzug - mit allen, meist negativen, Konsequenzen. Das übersetzt Christoph Stark oft gekonnt in Bilder, die immer nahe an den Figuren bleiben und einen Hauch des Free Cinema verströmen, meist in Innenräumen spielend und optisch historisiert durch ein dunkles Farbspektrum. In geringerem Maße gerinnt daraus auch ein kammermusikalisch verziertes Sittenbild, auch wenn im Zentrum deutlich das Leiden steht, das die Kunst gebiert. Die Frage, wie man seinen Frieden mit der Welt schließen kann, wenn man das Leben mehr fürchtet als den Tod, beantwortet zumindest die Geschichte. tk.

Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden

Darsteller:  Lars Eidinger   als Georg Trakl
  Peri Baumeister   als Grete Trakl
  Rainer Bock   als Albert Brückner
  Rafael Stachowiak   als Ludwig Schubeck
  Petra Morzé   als Mutter Trakl
  Jules Werner   als Oskar Kokoschka
  Victoria Metzler   als Alma Mahler
  Vera Borek   als Georgs Wirtin
  Katharina Straßer   als Fanny
  Christiane Rausch   als Frau Gassner
  Susi Stach   als Agnes
 
Regie:  Christoph Stark  
Drehbuch:  Ursula Mauder  
Produzent:  Nicolas Steil  
  Arno Ortmair  
Koproduzent:  Dieter Pochlatko  
Kamera:  Bogumil Godfrejow  
Schnitt:  Hans Funk  
Produktionsdesign:  Christine Caspari  
Kostüme:  Birgit Hutter  
Ton:  Peter V. Meiselmann  
  Bernhard Schmid  
Casting:  Lucky Englander  
  Fritz Fleischhacker  

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