Kevin Bacon
Robert De Niro
Dustin Hoffman
Regie: Barry Levinson
Verleih: UIP
Sechziger Jahre: Die vier Freunde Tommy, Michael, John und Shakes schlagen sich im New Yorker Viertel Hell's Kitchen gemeinsam durch. Einer ihrer Streiche bringt das Quartett in den Jugendknast, wo sie durch die Hölle gehen. Aufseher Nokes mißhandelt sie. Achtziger Jahre: Tommy und John stehen wegen Mordes an ihrem Peiniger Nokes vor Gericht. Die anderen beiden kümmern sich um ihre Verteidigung.

Nach einer knapp fünf Jahre andauernden kommerziellen Durststrecke, die 1990 mit "Avalon" begann, zeigte sich Oscar-Preisträger Barry Levinson ("Rain Man") im letzten Jahr bestens erholt und konnte mit seiner Crichton-Adaption "Enthüllung" einen internationalen Box-Office-Hit landen. Bei seinem aktuellen Werk, das auf dem äußerst kontroversen, autobiographischen Bestseller Lorenzo Carcaterras basiert und das Schicksal von vier New Yorkern über zwei Jahrzehnte hinweg verfolgt, liegt ein ähnlicher Erfolg im Bereich des Möglichen. Levinson konnte für "Sleepers", dem offiziellen Eröffnungsfilm der 53. Filmfestspiele von Venedig, ein Star-Ensemble, das von Robert De Niro über Dustin Hoffman bis hin zu Brad Pitt reicht, vor der Kamera vereinen.
Regisseur und Drehbuchautor Levinson gliedert sein episches Drama in drei Episoden. Zunächst erzählt er von vier unzertrennlichen Jungen, die im Stadtviertel Hell's Kitchen der sechziger Jahre gemeinsam durch dick und dünn gehen. Das Leben und Streben der Freunde wird von einem resoluten Priester (grandios und souverän: Robert De Niro) auf der einen, von einem mächtigen Mafioso (Vittorio Gassman) auf der anderen Seite bestimmt. Als ein unbesonnener Lausbubenstreich fast ein Todesopfer fordert, landet das Quartett vor dem Jugendgericht und schließlich in der Besserungsanstalt. Dieser zweite, ebenso grausame wie harte Teil gehört Kevin Bacon, der den sadistischen Aufseher Nokes mit ungeheuerer Intensität spielt. Dieser demütigt, mißhandelt und vergewaltigt seine minderjährigen Gefangenen solange, bis auch ihr letzter Widerstand gebrochen ist. Das abschließende Drittel von "Sleepers" ist in den Achtzigern angesiedelt. Zwei der Freunde sind professionelle Killer geworden. Als die beiden in einer Kneipe per Zufall auf den verhaßten Nokes treffen, schießen sie ihn kaltblütig nieder. In der Folge kommt es zu einem spektakulären Gerichtsprozeß, bei dem nicht nur die Vergangenheit wieder aufgerollt wird, sondern die Jugendfreunde - einer von ihnen hat es immerhin zum Anwalt gebracht - beweisen, daß sie sich immer noch vollkommen aufeinander verlassen können.
Wie jeder Levinson-Film besticht auch dieser durch die erlesene, minutiöse Ausstattung, die exakte Zeichnung der Charaktere und bestechende Bildkompositionen, wenn auch Kameramann Michael Ballhaus ein wenig zu selbstverliebt den nach ihm benannten Kreisel immer und immer wieder einsetzt. In seinem präzisen period piece, das natürlich auch ein americana im Stile von Sergio Leones "Es war einmal in Amerika" ist, interessiert sich der Filmemacher vor allem dafür, wie ein einziges Erlebnis den Lebenslauf eines Menschen in eine völlig andere Bahn lenken kann. So gehören denn auch die ersten beiden "Geschichten", die sich um das tragische Schicksal der Jugendlichen drehen, zu den stärkeren des Werks, und das, obwohl der letzte Teil mit Dustin Hoffman und Brad Pitt - als bieder wirkender Anwalt völlig gegen den Strich besetzt - wesentlich hochkarätiger besetzt ist. Die Geschehnisse in Hell's Kitchen und im Jugendgefängnis sind einfach weitaus spannender und aufregender inszeniert als die eher konventionelle Schlußphase des Films mit ihren "typischen" Gerichtssaalszenen. Mit "Sleepers", so nennt man in den USA angeblich jugendliche Delinquenten, hat der neue deutsche Verleih Polygram einen Fim im Programm, der in künstlerischer Hinsicht kaum Wünsche offen läßt. Jetzt kommt es jedoch auf eine geschickte Marketingstrategie an, soll sich auch der kommerzielle Erfolg einstellen. Denn die großartige Besetzung sorgt für hohe Aufmerksamkeit für dieses komplexe Drama, macht es aber nicht automatisch zum Hit an der Kinokasse. lasso.
| Darsteller: | Kevin Bacon | als Sean Nokes | |
|---|---|---|---|
| Robert De Niro | als Father Bobby | ||
| Dustin Hoffman | als Danny Snyder | ||
| Jason Patric | als Shakes | ||
| Brad Pitt | als Michael | ||
| Minnie Driver | als Carol | ||
| Vittorio Gassman | als King Benny | ||
| Billy Crudup | als Tommy | ||
| Ron Eldard | als John | ||
| Terry Kinney | als Ferguson | ||
| Joe Perrino | als junger Shakes | ||
| Brad Renfro | als junger Michael | ||
| Jonathan Tucker | als junger Tommy | ||
| Geoffrey Wigdor | als junger John | ||
| Bruno Kirby | als Shakes' Vater | ||
| Frank Medrano | als Fat Mancho | ||
| Aida Turturro | |||
| Regie: | Barry Levinson | ||
| Drehbuch: | Barry Levinson | ||
| Produzent: | Barry Levinson | ||
| Steve Golin | |||
| Koproduzent: | Lorenzo Carcaterra | ||
| Ausf. Produzent: | Peter Giuliano | ||
| Buchvorlage: | Lorenzo Carcaterra | ||
| Kamera: | Michael Ballhaus | ||
| Schnitt: | Stu Linder | ||
| Musik: | John Williams | ||
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