Joseph Fiennes
Gwyneth Paltrow
Geoffrey Rush
Regie: John Madden
Verleih: UIP
1593 erhält Shakespeare den Auftrag, für den Produzenten Henslowe die Komödie "Romeo und Ethel, die Tochter des Piraten" zu verfassen, doch er leidet unter einer Schreibblockade. Das ändert sich, als er sich in Edelfräulein Viola verliebt, die sich ohne Shakespeares Wissen als Junge in seine Theatergruppe geschmuggelt hat: Langsam wandelt sich der geplante Schwank zum Meisterwerk "Romeo und Julia".

Das Kronjuwel der Miramax-Kollektion '98: Jahre nach seiner ursprünglichen Konzeption als großes Starvehikel für Julia Roberts und Daniel Day-Lewis taucht "Shakespare in Love" endlich auf als ebenso leichte wie geistreiche Komödie, die sich das Attribut "romantisch" redlich verdient - und daß, obwohl Tom Stoppard die märchenhaft-flammende Liebesgeschichte, die Shakespeare im Jahr 1593 zum Verfassen von "Romeo und Julia" inspirierte, absolut frei erdachte. Getragen von seinen attraktiven Jungstars Gwyneth Paltrow und Joseph Fiennes und einem liebenswerten Arsenal von Charakterschädeln in den prominenten Nebenrollen bietet der beredte Schwank um emotionale und kreative Nöte des Barden von Stratford-upon-Avon die perfekte Alternative zu den handgeschnitzten Reißbrett-Blockbustern der Studios. Drei Golden Globes, u. a. für die beste Komödie, sind gerechter Lohn für diese wunderbare Arbeit.
Von der ersten Minute an läßt John Madden ("Ihre Majestät Mrs. Brown") seine Kamera entfesselt durch eine lebhafte Menschenmenge schneiden, um sich an einen jungen, enthusiastischen Shakespeare, mehr Backstreet Boy mit ewigen Tintenflecken an den Fingern als graue Künstlermaus im braunen Wams, zu heften und ihm und seinen sich im Minutenrhythmus stellenden Problemen nicht mehr von der Seite zu weichen. So bricht Madden jegliche Zeitbarrieren nieder zwischen dem elisabethanischen Zeitalter und der Gegenwart, führt den Zuschauer mitten hinein in das pralle Leben der historischen Figuren von Stoppards beseeltem Stück und findet gleichzeitig eine wunderbare visuelle Entsprechung für die geschwätzigen und wortgewaltigen Dialoge. Hin- und hergerissen zwischen Kunst und Kommerz und den beiden Bühnen der Stadt sieht sich Shakespeare wie eine Blaupause des modernen Drehbuchschreibers dazu gezwungen, für den gierigen Theaterchef Henslowe (Geoffrey Rush hinreißend mit braunen Zähnen und steten Pfundnoten in den Augen) die Komödie "Romeo und Ethel, die Tochter des Piraten" zu verfassen und mit der Schauspielergruppe des Hauses einzuüben. Das Dilemma: Der aufstrebende Starautor leidet mangels Körperwärme einer Muse an einer schweren Schreibblockade. Das ändert sich, als er das ebenso hübsche wie intelligente Edelfräulein Viola de Lesseps (Gwyneth Paltrows anämisch-bleiche Schönheit blendend eingesetzt) erstmals erblickt, die sich ohne sein Wissen in Jungenkleidung längst in die bunt zusammengewürfelte Schauspieltruppe eingeschlichen hat. Als sich die Beziehung zwischen William und Viola zur heißen Romanze entwickelt, fließen dem Barden die Verse mit einem Mal sintlflutartig aus dem Gänsekiel. Während man miterlebt, wie sich die geplante Bürgerklamotte zum tief empfundenen Meisterwerk wandelt - und schließlich eine tragische Wendung nimmt, weil Shakespeare entdecken muß, daß seine Viola von der Königin höchstselbst einem anderen versprochen wurde, gilt es eine Unzahl anderer Schwierigkeiten zu bewältigen, die Regisseur Madden scheinbar nach Belieben jongliert. Stoppard läßt die Romanze Funken sprühen und nutzt jede sich bietende Gelegenheit, spätere Zitate, Zeitgenossen oder typische Motive Shakespeares in das bunte Treiben einzustreuen, die allesamt ebenso treffsicher sind wie der Auftritt von Judi Dench als weise, aber gestrenge Königin Elisabeth. Bei der Welturaufführung von "Romeo und Julia" löst sie alle dramatischen Konflikte auf und bringt "Shakespeare in Love", diese deftige, satte Boulevard-Farce über den größten Tragödiendichter aller Zeiten, zu ihrem versöhnlichen, wenn auch wenig glücklichen Ende. Ein Filmtraum, der sich nach seinem Abschneiden bei den Golden Globes sowohl in Berlin als auch bei den Oscars berechtigte Hoffnungen machen darf. ts.
| Darsteller: | Joseph Fiennes | als William Shakespeare | |
|---|---|---|---|
| Gwyneth Paltrow | als Viola De Lesseps | ||
| Geoffrey Rush | als Philip Henslowe | ||
| Ben Affleck | als Ned Alleyn | ||
| Dame Judi Dench | als Königin Elizabeth | ||
| Colin Firth | als Lord Wessex | ||
| Sir Simon Callow | als Tilney Master of the Revels | ||
| Imelda Staunton | als Nurse | ||
| Tom Wilkinson | als Hugh Fennyman | ||
| Jim Carter | als Ralph Bashford | ||
| Martin Clunes | als Richard Burbage | ||
| Regie: | John Madden | ||
| Drehbuch: | Tom Stoppard | ||
| Marc Norman | |||
| Produzent: | Marshall Herskovitz | ||
| Marc Norman | |||
| David Parfitt | |||
| Edward Zwick | |||
| Donna Gigliotti | |||
| Ausf. Produzent: | Donna Gigliotti | ||
| Julie Goldstein | |||
| Meryl Poster | |||
| Bob Weinstein | |||
| Harvey Weinstein | |||
| Kamera: | Richard Greatrex | ||
| Schnitt: | David Gamble | ||
| Musik: | Stephen Warbeck | ||
| Produktionsdesign: | Martin Childs | ||
| Jill Quertier | |||
| Kostüme: | Sandy Powell | ||
Mal räumt oberflächliches Popcorn-Kino reihenweise Goldjungs ab, mal werden unausgegorene Nischenfilme mit Oscars bedacht.
Keine Frage, die Entscheidungen der Academy haben bei Kinofreunden schon oft für Stirnrunzeln und Kopfschütteln gesorgt. Über die nach Fanmeinung krassesten Fehlentscheidungen hat nun eine amerikanische Internetseite abstimmen lassen - und die Ergebnisse sind zum Teil verblüffend.
Dass Gwyneth Paltrow die Liste der zu Unrecht Geehrten anführt, leuchtet noch ein. Sie gewann einen Oscar als beste Hauptdarstellerin für "Shakespeare in Love", ein belangloses, pseudo-historisches Gefühlsgedusel um die Romanze zwischen dem großen englischen Dichter und der schönen Viola (Paltrow). Außer in wallenden Gewändern hübsch auszusehen und ab und zu einen Schmollmund zu ziehen, hatte Gwyneth wenig geleistet. Ihre legendäre Tränensintflut bei der hochpeinlichen Dankesrede dürfte sie bei den Fans kaum beliebter gemacht haben.
Über die Fähigkeiten von Halle Berry, die Zweiplatzierte der Anti-Liste, kann man geteilter Meinung sein. In ihrem Oscar-Film "Monster's Ball" war sie als Witwe, die sich in den Henker ihres hingerichteten Mannes verliebt, zumindest guter Durchschnitt. Doch der anschließende Megaflop "Catwoman" hat sie zur Lachnummer gemacht, zudem heulte sie auf der Oscar-Bühne ebenfalls hemmungslos.
Unverständlich ist allerdings, dass auch Helen Hunt für "Besser geht's nicht" und Nicole Kidman für "The Hours" abgestraft wurden. Wie Hunt mit ironischem Charme das Super-Ekel Jack Nicholson umgarnte, war absolut reizvoll und Kidman verkörperte die große Literatin Virginia Woolf sehr überzeugend.
Hunts Partner Nicholson findet sich übrigens für "Besser geht's nicht" auf der Liste der unverdienten männlichen Oscar-Gewinner - ebenso wie Russell Crowe in der Rolle des tragischen Mathe-Genies John Nash im ergreifenden Drama "A Beautiful Mind". Unangefochten Platz eins bei den Männern belegt dabei völlig zurecht Jack Palance: Warum der Veteran für seine Rolle als kauziger Viehtreiber im unsäglichen Klamauk "City Slickers" 1992 einen Goldjungen verdient haben soll, weiß wirklich nur die Academy selbst.
Da die Geschmäcker nun mal verschieden sind, wird sicher auch bei der diesjährigen Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag über manche Jury-Entscheidung die Nase gerümpft werden.
Mit seiner Rolle des verliebten Barden William Shakespeare, der sich während der Arbeit an dem Stück "Romeo und Julia" in die...
Ihr Tränenausbruch bei der "Oscar"-Verleihung 1999 (für ihre Hauptrolle in "Shakespeare in Love") wurde über Nacht ein Klassiker und...
Kate Beckinsale ist zurück als Sexiest Vampire-Lady Undead! Diesmal wollen Menschen sowohl Vampire als auch Lykaner vernichten...
Top-Drama mit Brad Pitt als innovativem Baseball-Coach. Für 6 Oscars nominiert!
Steven Spielbergs wundervolles Epos um die Freundschaft eines Bauernsohns zu einem Kriegspferd. Chance auf 6 Oscars!
David Finchers starke US-Neuverfilmung der Kult-Krimitrilogie "Millennium" mit Daniel Craig und Rooney Mara.
Schöne Komödie um die Freundschaft eines Gelähmten mit seinem Pfleger.