Originaltitel: The Ring
USA 2002
Naomi Watts
Brian Cox
Martin Henderson
Regie: Gore Verbinski
Verleih: Paramount
Nach dem von mysteriösen Umständen begleiteten Tod ihrer schulpflichtigen Nichte stößt Reporterin und Solomutter Rachel Keller (Naomi Watts) auf Gerüchte von einem in Schülerkreisen kursierenden Video, dessen Genuss einen schaurigen Exitus zur unvermeidlichen Folge habe. Obgleich überzeugt, einer prototypischen Urban Legend auf der Spur zu sein, hakt Rachel nach und gerät dabei nach einigen Umwegen buchstäblich in Teufels Küche.
Das gleichnamige japanische Vorbild dieses Horrorfilms der unblutigen, aber effektiven Art gilt als Musterbeispiel für Angstchoreografie bzw. pure Gruselpoesie. Im Gegensatz zu anderen Hollywood-Remakes jüngeren Datums wird diese Arbeit von Gore Verbinski ("The Mexican") ihrem Vorbild in nahezu jeder Hinsicht gerecht.
Ein Video verbreitet Angst und Schrecken. Jeder, der es sich ansieht, hat nur noch sieben Tage zu Leben. Auch Naomi Watts bleibt nur wenig Zeit, das Geheimnis zu lüften.
Noch bevor "Der Herr der Ringe" weltweit in den Kinos triumphierte, herrschte in Japan ein ganz anderer Ring. "Ringu" lautet der Originaltitel des japanischen Horrorfilms, der vor fünf Jahren Zuschauermassen in Angst und Schrecken versetzte und einen wahren Kult auslöste. Klar, dass Hollywood nicht lange mit einem Remake warten würde.
Auch "Ring" handelt von einer düsteren Legende, die weitererzählt wird, obwohl sie keiner glauben mag. Es geht um ein unheimliches Videoband mit verstörenden Schwarzweißbildern von Ungeziefer, toten Pferden, einer Frau, die sich in den Tod stürzt und einem Brunnen, aus dem ein nicht erkennbares Mädchen steigt. Bei jedem, der diesen Film anschaut, klingelt anschließend das Telefon und eine dubiose Stimme sagt, man hätte nur noch sieben Tage zu Leben.
Als die neugierige Reporterin Rachel Keller (Naomi Watts) vermutet, dass ihre Nichte auf diese Weise gestorben zu sein scheint, stellt sie Nachforschungen an. Anfangs ist sie skeptisch, aber als sie eines der Bänder auftreiben kann und es ansieht, bekommt auch sie die Schreckensbotschaft per Telefon. Sie nimmt Kontakt mit dem Videoexperten Noah (Martin Henderson) auf und erhofft sich von ihm eine logische Erklärung. Aber je öfter sie das Band unter die Lupe nehmen, desto erschreckender werden die Tatsachen.
Schließlich entdeckt Rachel am äußersten Rand einer Filmszene einen Leuchtturm, der tatsächlich auf einer abgelegenen Insel existiert. In der darauf folgenden Nacht macht Rachel eine schreckliche Entdeckung: Ihr kleiner Sohn Aidan (David Dorfman) hat sich das Horrorvideo ebenfalls angesehen. Nun geht es nicht mehr allein um ihr Leben, sondern auch um das ihres Kindes.
Die US-Version muss sich hinter dem japanischen Original nicht verstecken. Regisseur Gore Verbinski, der zuletzt mit der Julia Roberts- und Brad Pitt- Komödie "Mexican" auf sich aufmerksam machte, gelingt es im Wettlauf mit der Zeit, pure Spannung zu erzeugen. Dies geht aber niemals auf Kosten der gespenstischen Atmosphäre, die von der fremdartigen Musik aus der Feder des deutschen Komponisten Hans Zimmer ("Gladiator") noch gefördert wird.
Der Zuschauer krallt sich mit schwitzenden Händen in die Armlehnen seines Kinosessels und ist permanent auf der Lauer, welcher Schrecken ihm wohl als nächstes eingejagt werden könnte. Und dennoch wird man mit immer grausigeren Wendungen wieder aufs Neue überrascht.
Selbst als zu Tage kommt, dass hinter dem Spuk eine wirklich tragische Familiengeschichte steckt, ahnt der Zuschauer nicht, was ihm am Ende blüht und welche Bedeutung dem Titel gebenden "Ring" zukommt. Seit "The Sixth Sense" und "The Others" hat man sich im Kino nicht mehr so gegruselt.
Ein stummmes Kind, eine verwirrte Psychologin und ein böser Geist. Wetten, dass Hideo Nakata diese Zutaten in Nerven zerfetzendes Grauen verwandeln kann?
Ein, wenn mittlerweile auch etwas ältliches, Vorurteil lautete: Asiaten klauen westliche Ideen. Zumindest in punkto origineller Horror ist das längst ins Gegenteil verkehrt: "Ring", "Pulse", "Der Fluch" - viele US-Screamer imitieren ein asiatisches Original. Meist leider unter Verlust von Atmosphäre und Originalität - eben geistlos statt geisterhaft.
Nur fair, dass der japanische Kult-Regisseur Hideo Nakata sich jetzt auch mal fremder Ideen bedient. Der Schöpfer der "Ringu"-Reihe will den Mysterythriller "Voice From the Stone" inszenieren. Das Drehbuch basiert dabei auf dem italienischen Roman "La voce della pietra", filmfähig gemacht von Mark Wheaton, der bereits die Story zu "The Messengers" entwarf.
Die Geschichte selbst handelt von einer Psychologin, die einen seltsamen Fall betreut: Ein Junge versprach seiner Mutter am Sterbebett zu schweigen, bis sie als Geist zurückkehrt. Und offenbar bereitet diese ihr irdisches Comeback konkret vor - mit dem Körper der Psychologin als diesseitiges Vehikel. Übersinnliche Geheimnisse, fiese Geister - alles drin, was Hideo Nakata für Spitzen-Horror erfahrungsgemäß braucht.
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