Originaltitel: Analyze This
USA 1999
Robert De Niro
Billy Crystal
Leo Rossi
Regie: Harold Ramis
Verleih: Warner
Mitten in einem blutigen Hierarchiekrieg wird Mafiaboss Paul Vitti arbeitsunfähig, weil Angstattacken den stillen, aber sonst eiskalten Don hemmen. Um nicht beim bevorstehenden Mafia-Gipfeltreffen unter die Erde gepflügt zu werden, soll ein Psychiater das Trauma des Killers lösen. Eine Seelenkur, die beide Männer von ihren Dämonen befreien wird.

Ganz in ihrer Tätigkeit aufgehende Mafiosi brauchen in der Regel drei Dinge: einen guten Koch, einen guten Schneider und einen schlechten Polizisten. "Reine Nervensache", der neueste potentielle Hit des Komödienspezialisten Harold Ramis ("Vier lieben dich") ergänzt diesen Katalog um einen Eintrag. Unterweltboss Paul Vitti benötigt einen Psychiater, denn eine nervliche Blockade droht ihn zur Heulsuse zu machen. Aus dem Aufeinanderprallen der Problemlösungsstrategien beider Männer ("Ich mach dich fertig, Kröte" versus "Ich hör dir zu, Du") entwickeln sich genügend Situationskomik und Dialogwitz für 100 amüsante Minuten, auch wenn das Potential der Ausgangsidee von der Geschichte nicht ausgeschöpft wirkt.
Wie schon "Sein Name ist Mad Dog" lebt auch "Reine Nervensache" von der Prämisse einer sich entwickelnden Freundschaft zwischen Mafioso und Normalbürger, gegen die sich Letzterer vergeblich zur Wehr setzt. Hier ist es Billy Crystal, ein von seinen neurotischen Patienten entnervter Psychiater, der wie schon sein Kollege aus "Happiness" bei Sitzungen in Gewaltfantasien abdriftet, ohne freilich deren Radikalität zu erreichen. Der ungewollte Kontakt zur Unterwelt wird bei einem Auffahrunfall hergestellt, nach dem die Visitenkarte von Crystals Figur Ben Sobol in der Jackentasche von Bodyguard Jelly (Joseph Viterelli) landet. Dem sein Boß Paul Vitti (Robert De Niro) seit Tagen große Sorgen bereitet, weil Vittis Angstattacken das Image ruinieren, und er befragte Zeugen von der Gangsterkonkurrenz zum besseren Informationsfluß nicht einmal mehr den Schädel weichklopfen kann. Weil sich aber in New York in zwei Wochen die ganze amerikanische Mafiasippe zur Krisenkonferenz versammeln wird, auch um die Fehde zwischen Vitti und Widersacher Primo (Chazz Palminteri) zu klären, soll der Doc bis dahin die Killer-Komplexe kurieren.
Für Ramis' Komödie erweist es sich als Glücksgriff, daß Robert De Niro für diese Rolle gewonnen werden konnte. Zum einen, weil De Niro auch in einer als komisch angelegten Figur zu den leisesten Darstellern zählt. Zum anderen, weil die Komödie seine filmographische Vergangenheit natürlich humoristisch ausbeutet. Wenn der Goodfella also den hier nicht übermäßig geforderten Crystal warnt "Machst Du aus mir ein schwules Weichei, stirbst Du", wird das von uns zwar beschmunzelt, aber auch ernst genommen. Gleiches gilt für Joseph Viterelli, der sich im Kino als tumber, aber oft nicht unsympathischer Mafiaschläger (etwa in Woody Allens "Bullets over Broadway") schon seinen Lebensabend sichern konnte. Gewalt ist in diesem Milieu, über das der Film als geistigen Hohlraum spottet, ein konditionierter Reflex, wird aber von Ramis trotz eines sichtbaren Mordes cartoonhaft serviert. Überraschend ernst meint es "Reine Nervensache" jedoch mit seinem moralischen Ton. Während dem therapeutischen Ansatz und den Analysekonzepten der Psychologie über weite Strecken nur Hohn entgegengebracht werden, hat der Seelenklempner am Ende doch einen Gefallenen geläutert. Radikaleres und Frecheres, etwa die Enthemmung De Niros zum befreiten Killer, oder die Verführung Crystals durch den Lebensstil der Goodfellas, traut sich diese unterhaltsame Komödie nicht zu, mit der Ramis wohl nicht an den Erfolg von "Und täglich grüßt das Murmeltier", vielleicht aber an "Vier lieben dich" anschließen könnte. kob.
Endlich darf er wieder ran! Billy Crystal wird am 29 Februar 2004 nach drei Jahren Pause erneut Gastgeber der "Oscar"-Verleihung sein.
"Ich freue mich sehr, die Gala wieder einmal moderieren zu dürfen", meinte Billy Crystal auf der Pressekonferenz am späten Mittwoch Abend in Los Angeles. Hatte er doch schon vor längerer Zeit im Spaß befürchtet, Whoopi Goldberg und Steve Martin könnten sich die Gala bis zum Sankt Nimmerleinstag untereinender aufteilen.
Crystal spielte mit seiner Bemerkung darauf an, dass die Academy in den letzten drei Jahren abwechselnd Goldberg und Martin als Hosts einsetzte, obwohl er sich immer wieder als Moderator angetragen hatte. Nächstes Jahr aber darf Crystal ran, dann mittlerweile zum achten Mal.
Und der 56-jährige Schauspieler ("Harry und Sally", "Reine Nervensache") und Moderator zeigte sich bereits in "Oscar"-Form. Auf die Frage nach seinem Favoriten für die Goldstatue bemerkte er spöttisch: "Ich gehe nicht ins Kino! Haben Sie schon einmal bemerkt, was aus dem Kino geworden ist?
Außerdem kündigte er bereits selbstbewusst an, mit der Gala im nächsten Jahr seinen vierten "Emmy" als "Oscar"-Moderator erringen zu wollen. Dann können wir uns ja schon mal auf einen schwungvollen Abend gefasst machen...
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