Realistisch, kompromissloses Drama um jugendliche Gefängnisinsassen nach wahren Begebenheiten. http://images.kino.de/flbilder/max11/auto11/auto01/11010110/b150x150.jpg Picco

Filmdetails

Picco

Realistisch, kompromissloses Drama um jugendliche Gefängnisinsassen nach wahren Begebenheiten.


Picco
Start: 03.02.2011

Drama

Deutschland 2009
Laufzeit: 108 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Frederick Lau
Constantin von Jascheroff
Joel Basman

Regie: Philip Koch
Verleih: Movienet (24 Bilder)

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Inhalt

Im Jugendknast: Vier Jungs teilen sich die Zelle - als letzter stößt Kevin dazu. Als "Picco", Neuling, muss er erst einmal den anderen zu Diensten sein und sich seine Position erkämpfen. Anfänglich will er sich noch einmischen, als ein anderer vergewaltigt wird. Kevin geht dann aber den Weg des geringsten Widerstandes, nur nicht auffallen. Das geht so weit, dass er schließlich selbst zu den Tätern gehört, die einen schwächeren Mithäftling foltern und in den Tod treiben.


Kritik

Picco

Basierend auf dem authentischen Foltermord in der JVA Siegburg wirft Philip Koch einen kompromisslosen Blick auf den Jugendstrafvollzug.

16qm Deutschland, 16qm Jugendknast. 16qm Hölle. Vor vier Jahren folterten drei Insassen der JVA Siegburg ihren Zellengenossen und zwangen ihn nach stundenlangen Vergewaltigungen und Demütigungen, sich aufzuhängen. Eine grauenvolle, irgendwie abstrakte Tatsache, die das normale Vorstellungsvermögen sprengt. Philip Koch macht aus diesem unglaublichen Vorfall einen unbarmherzigen Film, der keine Zuflucht bietet und viele Zuschauer in Saarbrücken und in Cannes in die Flucht trieb.

Vier Jungs teilen sich die Zelle - als letzter stößt Kevin dazu. Als "Picco", Neuling, muss er erst einmal den anderen zu Diensten sein und sich seine Position erkämpfen. Häme und Gewalt treffen immer den Schwächsten im Glied. Nur langsam gewöhnt er sich an die Rituale, will sich erst noch einmischen, als ein anderer vergewaltigt wird, geht dann aber den Weg des geringsten Widerstandes, nur nicht auffallen. Am Ende gehört er zu den Tätern, die ihr Opfer in den Tod treiben. Aber was bedeuten diese Begriffe in einer Laborsituation, in der sich jeder selbst der Nächste ist?

Koch zeichnet die Eskalation schonungslos bis zur Grenze des Erträglichen und darüber hinaus, zeigt wozu der Einzelne fähig ist. Das fängt an mit Ausgrenzung beim Kartenspiel, Verbrennen eines Briefes, Rempeleien, Vergewaltigung mit der Klobürste (über weitere Foltervarianten soll hier geschwiegen werden) bis hin zur "echten" Erhängung. Jugendliche in einem Teufelskreis, der im totalen Verlust von Würde und Menschlichkeit mündet. Trotz brutalster Szenen driftet die Tragödie in entsättigten und kühlen Farben nie in Voyeurismus ab, Gewalt ist Symptom eines Systems, das straffällige Jugendliche bricht, sie verwahrt und verwahrlosen lässt, die letzte Chance auf Sozialisation nimmt.

In langen Einstellungen und Close Ups auf fahle Gesichter, über die kein Lächeln huscht, folgt Koch in seiner Abschlussarbeit an der HFF München der Mangelverwaltung von Menschen, ihrem Alltag mit endloser Langeweile, Hofgang, Essen, Fernsehen, Tischtennis, Kicken, Gespräche mit einer überforderten Psychologin, Machtproben untereinander, bis der Leidensdruck ein Ventil findet - die finale Aggression. "Picco", ein emotionaler Schlag in die Magengrube, rechnet mit einem maroden Justizsystem ab und schaut nicht weg, sondern dort hin, wo es weh tut. Seelische Grausamkeit, exzessive körperliche Gewalt, permanente Demütigung wecken beim Zuschauen innere Abwehr. In seiner unerbittlichen Rigorosität tritt Koch in die Fußstapfen Hanekes. Ein grausamer Film, aber ein mutiger. mk.

Picco

Darsteller:  Frederick Lau   als Marc
  Constantin von Jascheroff   als Kevin
  Joel Basman   als Tommy
  Martin Kiefer   als Andy
  Jule Gartzke   als Frau Schmitt
  Konstantin Frolov   als Hendrick
  Enno Trebs   als Andys Bruder
  Leonie Benesch  
  Aram Arami  
  Ramona Kunze-Libnow  
  Andreas Patton  
  Willi Gerk  
  Rainer Bock  
  Daniel Fripan  
 
Regie:  Philip Koch  
Drehbuch:  Philip Koch  
Produzent:  Philipp Worm  
  Tobias Walker  
Koproduzent:  Claudia Enzmann  
  André Bendocchi-Alves  
  Philip Koch  
Kamera:  Markus Eckert  
Schnitt:  André Bendocchi-Alves  
Produktionsdesign:  Jan Jericho  
Kostüme:  Theresia Wogh  
Maske:  Irene Rossi  
  Luna Fedorowicz  
Ton:  Gunnar Voigt  
Casting:  Simone Bär  

Star

Frederick Lau

Frederick Lau startete seine Schauspielkarriere als Schüler in Kinderfilmen wie "Das fliegende Klassenzimmer" und "Bibi Blocksberg und das...

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