Erster Teil der Paradies-Trilogie des österreichischen Enfant terrible um ältere Sextouristinnen aus Europa in Afrika, von den Einheimischen Sugarmamas genannt.
Ulrich Seidl provoziert und verstört im ersten Teil seiner "Paradies-Trilogie" mit weiblichem Sextourismus in Kenia.
"Jambo" heißt Hallo, "Hakuna matata" bedeutet "Kein Problem". Dieser Sprachschatz reicht für Touristen in Kenia, vor allem für Touristinnen, die sich im Luxus-Resort den Pelz verbrennen lassen, dem Barkeeper das Wort "Speckschwarte" beibringen wollen und sich nebenbei einen Beachboy halten. Für Teresa, in Österreich Behindertenbetreuerin eröffnet sich eine ganz neue Welt, in die sie aber bald gerne mit Hilfe einer lebenslustigen Freundin eintaucht. Beim ersten Ausflug an den Strand wimmelt die Mittfünfzigerin noch schüchtern lästige Verkäufer ab, erliegt dann aber schnell dem Charme eines gut gebauten Kerls und genießt lang vermisste sexuelle Befriedigung. Als das Objekt der Begierde Geld verlangt für die Schwester (seine Ehefrau) und deren krankes Kind, für die Cousine in der Dorfschule etc. dämmert es der naiven Europäerin, dass sie sexuelle Leistung bezahlt, es nicht um die große Liebe, sondern ums Geschäft geht.
Seidl, der schon mit "Hundstage" und "Import/Export" zarte Seelen strapazierte, zeigt schonungslos die Industrialisierung von Sexualität, das Geben und Nehmen nach den Gesetzen des Marktes. Margarethe Tiesel als Teresa entblößt nicht nur mutig ihren Körper, sondern ihre Seele. Trotz aller Brutalität gibt es einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Sextourismus. Statt Macht bringen Frauen Gefühl und Sehnsüchte mit ins Spiel, sind Täter und Opfer zugleich. Die Odyssee von einem heruntergekommenen Zimmer zum nächsten, die Folge von Demütigungen, die darin gipfeln, dass beim schwarzen "Geburtstagsgeschenk" mit Schleifchen am besten Teil trotz aller Versuche der "Sugar Mamas" die Lendenkraft versagt, bietet keinen ästhetischen Höhenflug, sondern peinigenden Abstieg in realistische Peinlichkeiten.
Auch wenn Seidls Ausflug in den Neo-Kolonialismus nicht unbedingt Neues erzählt, beeindrucken seine stilisierten Bilderwelten - wie hingemalt wirken die in der Sonne brutzelnden Touristen auf ihren Liegen und davon abgetrennt die wie steinerne Monumente im Sand wartenden Einheimischen, die passend zur Tapete im Zebralook gekleidete Hotelband oder drei mechanisch den Pool reinigende Männer. Durchtrainierte Körper treffen auf welkes Fleisch, ökonomische Armut auf emotionale Armseligkeit. Bei der Betrachtung wechseln Mitleid und Abscheu, Fremdschämen und Faszination. Auf die folgenden Teile der Trilogie - Glaube und Hoffnung - darf man gespannt sein. mk.
Eine Mittfünfzigerin taucht beim Urlaub in Kenia in eine ihr fremde Welt ein, genießt Sonne, Drinks und bald auch die lang vermisste sexuelle Befriedigung durch einen gut gebauten Beachboy. Als das Objekt der Begierde Geld verlangt für die Schwester (seine Ehefrau) und deren krankes Kind, für die Cousine in der Dorfschule etc. dämmert es der naiven Europäerin, dass sie sexuelle Leistung bezahlen muss, es nicht um die große Liebe, sondern ums Geschäft geht: Begehren gegen Bares.
| Originaltitel | Paradies: Liebe |
| OV | - |
| OmU | Ja |
| Genre | Drama / Episodenfilm |
| Filmpreis | - |
| USA-Start | 26.04.2013 |
| Kinostart (D) | 03.01.2013 |
| Besucher (D) | 89.937 |
| Einspielergebnis (D) | € 613.898 Bes. (EDI) 89.937 Bes. (FFA) 77.981 |
| FSK | ab 16 Jahre |
| WWW | - |
Veronika Franz
Drehbuch
Ulrich Seidl
Produzent
Max Linder
Produktionsleit ung
Renate Martin
Produktionsdesi gn
Andreas Donhauser
Produktionsdesi gn
Wolfgang Thaler
Kamera
Ed Lachman
Kamera
Christof Schertenleib
Schnitt
Tanja Hausner
Kostüme
Ekkehart Baumung
Ton
Eva Roth
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