Drama über das facettenreiche kurze Leben und Wirken des irischen Dichters und Dandys Oscar Wilde. http://images.kino.de/flbilder/max02/mbiz02/mbiz27/z0227053/b150x150.jpg Oscar Wilde

Filmdetails

Oscar Wilde

Drama über das facettenreiche kurze Leben und Wirken des irischen Dichters und Dandys Oscar Wilde.


Oscar Wilde
Start: 23.10.1997

Originaltitel: Wilde

Drama

Großbritannien 1997
Laufzeit: 115 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Stephen Fry
Jude Law
Vanessa Redgrave

Regie: Brian Gilbert
Verleih: Pandora

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Action
Humor
Romantik
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Inhalt

Im Alter von 29 Jahren heiratet der begabte Dichter Oscar Wilde die schöne Contance Lloyd. Sie gebiert ihm zwei Kinder. Bald steht er im Mittelpunkt der feinen Gesellschaften. Doch noch während er für seinen Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" euphorisch gefeiert wird, wird er für seine Beziehung zu einem jungen Mann angeklagt. Der Dichter steht weiterhin zu seiner Homosexualität.


Kritik

Oscar Wilde

Filmbiografien haben immer etwas Prickelndes. Die Verbindung von Fiktion und Authentizität aktiviert die Fantasie des Autors ebenso wie die des Publikums, vor allem wenn es um historische Persönlichkeiten geht. Der irische Dichter und Dandy Oscar Wilde, zeit seines nicht sehr langen Lebens (1854-1900) erst Liebling, dann Außenseiter der feinen viktorianischen Gesellschaft, ist die geeignete, schillernde Figur für eine interessante, saftige Kinostory. Brite Brian Gilbert, der schon mit "Tom & Viv" die Ehe von Poet T.S. Eliot mit Vivienne Haigh-Wood subtil und stilsicher darstellte, findet auch für "Oscar Wilde" die genau richtige Eleganz und das vitale, kritische Engagement.

Gilbert verzichtet glücklicherweise auf jede Nachhilfe-Belehrung in Literatur, sondern setzt diese Kenntnisse voraus, im Bewußtsein, daß sich ein ahnungsloses Publikum ohnehin nicht für eine Geschichte von Dekadenz und Doppelmoral gegen Individualismus, Toleranz und Intellektualität interessieren könnte. Vielmehr steht die Person Oscar Wilde im Mittelpunkt, ein widersprüchlicher Mensch mit großen Gefühlen, einem scharfen Verstand, ehrlicher bürgerlicher Liebe zu Frau und Kindern sowie unbürgerlicher Leidenschaft für das gleiche Geschlecht. An seiner Homosexualität, auf die Gesellschaft und Presse mit intoleranter, bösartiger Hetze reagieren, zerbricht der Dichter, Mann, Vater Wilde schließlich. Er wird nur 46 Jahre alt.

"Oscar Wilde" beginnt mit einer Szene, die - noch dazu im opulenten Scope-Format - aus einem Western stammen könnte: 1883 war der Dichter auf einer erfolgreichen Vortragsreihe quer durch Nordamerika gereist - Landschaften, die wir im 20. Jahrhundert aus John-Ford-Filmen kennen. Statt John Wayne dort plötzlich Stephen Fry mit seinem witzigen, weichen, großflächig unproportionierten Gesicht auftauchen zu sehen, hat einen schönen, schlitzohrigen Verblüffungs-Effekt. Die visuelle Ästhetik der sinnlichen Bilder (Kamera: Martin Fuhrer) behält der Film in den folgenden, britischen Szenerien bei. So scheint die viktorianische Welt noch bestens in Ordnung, als der 29jährige Dichterfürst und strahlende Mittelpunkt der feinen Salons die schöne, gebildete Constance Lloyd heiratet, die ihm bald darauf zwei Söhne gebiert.

Drehbuchautor Julian Mitchell ("Vincent und Theo"), der Richard Ellmanns Biografie "Oscar Wilde" für den Film adaptierte, erzählt kompakt und im klassischen, dramatischen Wechselbad von der Spirale der Höhen und Tiefen eines Dichterlebens. Zum literarischen Erfolg gesellt sich immer auch eine private Komplikation. Gefeiert für "Das Bildnis des Dorian Gray", wird er zum ersten homosexuellen Abenteuer verführt. Ein Selbstfindungsprozeß beginnt und beflügelt seine dichterische Kreativität, bringt ihn aber gleichzeitig gesellschaftlich in die ständige Nähe zum öffentlichen Skandal. Der enthusiastische Premieren-Applaus für "Lady Windermeres Fächer" klingt dem Dichter noch in den Ohren, als er sich unsterblich in den Oxfordstudenten Bosie (Jude Law spielt ihn mit dem eiskalten Flair des gefallenen Engels) verliebt und durch ihn auch Strichjungen kennenlernt. Kurz nach der triumphalen Uraufführung der Komödie"Bunbury" denunziert Bosies spießig aggressiver Vater ihn auf infamste Weise. Homosexualität steht unter Strafe, zu deren Höchstmaß Oscar verurteilt wird.

Überzeugend geht Regisseur Brian Gilbert mit der Mischung aus meldodramatischen, komödiantischen und zeitkritischen Elementen um. Sein Film ist ein moderner Blick zurück ins letzte Jahrhundert, von dem sich unser Heute in manchem gar nicht so grundlegend unterscheidet. Toleranz ist nicht gerade ein Charakteristikum der Jahrtausendwende, und Doppelmoral ist keineswegs ausgestorben. "Oscar Wilde" dürfte deshalb auch hier ein interessiertes sympathisierendes Publikum finden. fh.

Oscar Wilde

Darsteller:  Stephen Fry   als Oscar Wilde
  Jude Law   als Lord Alfred "Bosie" Douglas
  Vanessa Redgrave   als Lady Wilde
  Jennifer Ehle   als Constance Lloyd
  Gemma Jones   als Lady Queensberry
  Judy Parfitt   als Lady Mount-Temple
  Michael Sheen   als Robbie Ross
  Zoë Wanamaker   als Ada Leverson
  Tom Wilkinson   als Marquess of Queensberry
  Ioan Gruffudd   als John Gray
  Matthew Mills   als Lionel Johnson
  Jason Morell   als Ernest Dowson
  Peter Barkworth   als Charles Gill
  Robert Lang   als C.O. Humphreys
  Philip Locke   als Richter
  David Westhead   als Edward Carson
 
Regie:  Brian Gilbert  
Drehbuch:  Julian Mitchell  
Produzent:  Marc Samuelson  
  Peter Samuelson  
Ausf. Produzent:  Michiyo Yoshizaki  
  Michael Viner  
  Deborah Raffin  
  Alan Howden  
  Alex Graham  
Buchvorlage:  Richard Ellman  
Kamera:  Martin Fuhrer  
Schnitt:  Michael Bradsell  
Musik:  Debbie Wiseman  
Produktionsdesign:  Maria Djurkovic  
  Martyn John  
Kostüme:  Nic Ede  
Ton:  Jim Greenhorn  

Hinter den Kulissen: "Die Entdeckung des Himmels"

Nein, ein Weihnachtsfilm ist das eigentlich nicht - auch wenn von Engeln und himmlischen Fügungen erzählt wird. Denn der Herr hat die Nase voll von der missratenen Menschheit: Er kündigt und will die zehn Gebote zurückhaben. Egal wie.

Großansicht Neil Newbon als Gottes Kündigungs-Vollstrecker

Neil Newbon als Gottes Kündigungs-Vollstrecker

Kultautor Harry Mulisch hatte einen großen Plan: Er wollte das wichtigste Buch der westlichen Zeitgeschichte zu Ende schreiben - die Bibel. Das Ergebnis: Der Bestseller "Die Entdeckung des Himmels", der in Deutschland eine halbe Million Mal über die Ladentheke gewandert ist.

Regisseur Jeroen Krabbé hatte eine große Mission: Er wollte dieses Buch ins Kino bringen - ein Buch, das die Fans einhellig als wunderbar tiefsinnig und extrem unterhaltsam bezeichneten, aber vor allem als: unverfilmbar.

Heraus kam schließlich die mitreißende cineastische Antwort auf Fragen wie:

Was ist der Sinn des Lebens? Was ist Schicksal? Wieso tun wir eigentlich, was wir tun? Und was hat ein Coitus Interruptus auf einer Waschmaschine mit dem christlichen Heilsgedanken zu tun?

Max, Ada und Onno nebenbei auf <br />Che Guevaras Spuren in Kuba

Max, Ada und Onno nebenbei auf
Che Guevaras Spuren in Kuba

Fiese Engel

Gott gibt's dabei zwar nicht zu sehen - dafür aber Regisseur Krabbé in einer Rolle als Erzengel Gabriel: Der treibt seine geflügelten Helfer im Auftrag des enttäuschten Herrn zur Manipulation der missratenen Schäflein auf Erden: Ein junger Engel (Viv Weatherall) soll durch geschickte Eingriffe in den Lauf der Welt einen Menschen entstehen lassen, der die Steintafeln des Moses zurück in den Himmel bringt.

Dabei ist jedes Mittel recht: Erstmal inszeniert man gemütlich einen Weltkrieg und den Holocaust, um die richtige Großelternkombination zueinanderzuführen. Dann stiftet man in der Elterngeneration eine Männerfreundschaft zwischen dem hochgebildeten Politiker-Sonderling Onno (Stephen Fry) und dem Casanova Max (Greg Wise) und verwickelt beide in eine Dreiecksbeziehung mit der schönen Cellistin Ada (Flora Montgomery).

Quinten und Onno im Allerheiligsten des r&ouml;mischen Lateranpalasts

Quinten und Onno im Allerheiligsten des römischen Lateranpalasts

Einmal um die Welt...

Dazu Unfälle mit Komafolge, Herzinfarkte, Morde, Ehebruch, politische Intrigen, und ein heimlicher Doppelbeischlaf - das Ganze vor den Schauplätzen Holland, Rom und Kuba - schon ist der Auserwählte namens Quinten (Neil Newbon) geboren.

Dessen Weg über das Allerheiligste in Rom bis zum Tempelberg in Israel zu filmen, stellte das Team um Regisseur Krabbé schon wegen der Brisanz der Drehorte vor gehörige Schwierigkeiten.

Per Teleskop und Astrophysik entdeckt Max tats&auml;chlich den Himmel...

Per Teleskop und Astrophysik entdeckt Max tatsächlich den Himmel...

Ich bin rein zufällig hier!

Genehmigungen für die Aufnahmen im Lateranpalast und im Pantheon zu Rom zu bekommen, war kitzlig genug. Doch der Dreh der Schlussszenen in Israel, wo Quinten in einer Traumsequenz samt Gottes Geboten in den Himmel auffährt, war ein echter Drahtseilakt, wie sich Krabbé erinnert:

"Wir hatten am Tempelberg lediglich die Genehmigung für Architekturaufnahmen. Die uns zugeteilten Polizisten durften also nicht bemerken, dass die Menschen, die wie zufällig im Bild standen, in Wirklichkeit unsere Darsteller waren. Daher gaben wir die Regieanweisungen über Handy. Sehen konnte ich die Schauspieler nur in den Gläsern der Sonnenbrillen der Beamten - nur so wusste ich auch, wann es kritisch wurde und ich die Polizisten ablenken musste."

Flora Montgomery verzaubert als Ada nicht nur Onno und Max

Flora Montgomery verzaubert als Ada nicht nur Onno und Max

Pfennigfuchser

Klar, dass ein derartiges Mammutprojekt nicht leicht zu finanzieren war. Dass es aber so weit kommen würde, dass die Regieassistentin am Ende zum Kopieren der Drehberichte das Studiogelände verließ, weil es im nächsten Copy-Shop zwei Cent billiger war, damit hatte auch Krabbé nicht gerechnet:

"Wenn es so weit ist, wird's ernst. Ich fühlte mich am Schluss wie bei einer Low-Low-Budget-Produktion."

Das ist dem Film aber mitnichten anzumerken - was vor allem an den hochklassigen Darstellern liegt, die ihre Figuren zielsicher durch den an tragischen Wendungen und Wirrungen reichen Plot steuern: Greg Wise ist als romantischer Schwerenöter auf Sinnsuche ebenso anrührend wie Flora Montgomery als moderne Maria - Regiseur Krabbe schreibt der Britin "etwas von der Ausstrahlung von Lady Di" zu.

Die kosmischen Zwillinge lassen sich schon mal gemeinsam verhaften

Die kosmischen Zwillinge lassen sich schon mal gemeinsam verhaften

Ja zum Leben

Und als Stephen Fry im Vorfeld der Produktion als Onno zusagte, notierte Krabbé in sein Tagebuch: "Ein Grund zum Singen und Tanzen!"

Zurecht, denn das britische Enfant Terrible ("Wilde") ist der faszinierende Angelpunkt des Films: ein behäbiger Adeliger, bis zur Lebensunfähigkeit gebildet und doch voll brennender Lebenslust. Und genau die ist der Motor von Jeroen Krabbés Groteske um Kultur, Religion und Werteverlust - die bei allem Zynismus letztlich die Liebe als heilende Kraft benennt.

Vom Schicksal gezeichnet, zum Sterben sch&ouml;n: Stephen Fry und Neil Newbon

Vom Schicksal gezeichnet, zum Sterben schön: Stephen Fry und Neil Newbon

Friede, Freude, Weihnachtsgans

Denn am Ende der "Entdeckung des Himmels" steht die Erkenntnis, dass dieser wenn, dann auf Erden stattfindet: Menschen sind eben menschlicher als alle Religionen, Wertesysteme und der Streit um selbige.

Eigentlich eine höchst erwärmende Botschaft, die dann doch wieder zum Geist der anstehenden Weihnacht passt.

Und falls Sie noch auf die Antwort zum Thema Sex auf der Waschmaschine warten - da müssen Sie sich schon ins Kino bemühen.

Frohes Fest allerseits!

Star

Stephen Fry

* 24.08.1957

Star

Jude Law

"Mein Vater baut Schiffe, und ich segle damit." Der Satz aus "Der talentierte Mr. Ripley" trifft auf eine Reihe von Personen zu, die der britische...

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