Originaltitel: Courage under Fire
USA 1996
Denzel Washington
Meg Ryan
Lou Diamond Phillips
Regie: Edward Zwick
Verleih: Fox
Seitdem er im Irakkrieg im Nachtkampf Befehl zum Feuer auf eigene Leute gegeben hat, leidet Lt.-Col. Serling unter Gewissensbissen. Umso fanatischer sucht er die Wahrheit bei der Klärung, ob die Helikopterpilotin Walden posthum eine Tapferkeitsmedaille erhalten soll. Kein leichtes Unterfangen, denn jeder aus ihrem Trupp erzählt eine andere Geschichte.

Start frei für die neue Oscar-Saison: Denzel Washington ("Crimson Tide") darf mit seiner superben Darstellung des von Gewissenskonflikten zerfressenen Army-Colonels Nathaniel Serling als sicherer Anwärter für eine der goldenen Statuetten gelten. In dem von Ed Zwick ("Legenden der Leidenschaft") intelligent inszenierten Militärdrama ist er mit der Untersuchung über das Führungsverhalten der im Golfkrieg gefallenen Hubschrauberpilotin Captain Karen Walden (Meg Ryan) beauftragt.
Bereits 1989 arbeiteten Zwick und Washington bei dem historischen Kriegsfilm "Glory" auf militärischem Terrain, das dem afro-amerikanischen Ausnahmeschauspieler einen Oscar als bester Nebendarsteller einbrachte. Im Fall von "Mut zur Wahrheit" handelt es sich zwar um reine Fiktion, doch ist die von Patrick Sheane Duncan ("Mr. Holland's Opus") verfaßte, vielschichtige Story ein Amalgam aus (mehr oder weniger) bekannten Fakten, so daß das Gefühl von fesselnder Authentizität - eingeläutet mit den realen Desert-Storm-Szenen der Opening Credits - bis zur letzten 115ten Minute aufrechterhalten werden kann.
Die authentische Kriegs-Footage mündet übergangslos in die Szene, in der Lt.-Col. Serling (Washington) im Feindeskessel den Feuerbefehl auf einen nicht eindeutig identifizierten Panzer gibt. Dieses fatale feuer auf die eigenen Leute kostet einen seiner besten Männer das Leben und Serling, von seinem Vorgesetzten General Hershberg (Michael Moriarty) zu Stillschweigen verpflichtet, leidet fortan an schneidenden Schuldgefühlen. Sechs Monate später sucht er bei einer Investigation umso verbissener nach der Wahrheit, ob die erste für den Tapferkeitsorden posthum vorgeschlagene Frau, Captain Karen Walden (Ryan), die Medaille auch tatsächlich verdient. Mit einer an Akira Kurasawas "Rashomon" erinnernden Erzählstruktur wird der von Serling anhand individueller Zeugenaussagen durchleuchtete Tathergang aus widersprüchlichen Perspektiven präsentiert. Er interviewt Waldens überlebende Crew-Mitglieder Ilario (Matt Damon), Altameyer (Seth Gilliam) und Sgt. Monfriez (Lou Diamond Phillips ausgezeichnet als Gung-Ho-Macho), deren individuelle Rückblenden Walden nach dem dramatischen Absturz ihres Choppers entweder als couragierte Kriegsheldin oder feige Heulsuse porträtieren. Die Wahrheit läßt sich schließlich in kein simples Schwarzweiß-Schema pressen.
Seine obsessive Suche nach Wahrheit wird für Washingtons Figur, die sich in Alkoholismus flüchtet und sich zunehmend von ihrer bis dato harmonischen Familie distanziert, zur persönlichen Ehrenfindung. Washington spielt den innerlich zerrissenen Charakter mit kraftvollem Understatement, und seine Emotionen ergreifen, ohne schmalzig zu wirken. Die ansonsten auf romantische Rollen abonnierte Meg Ryan überzeugt in ihrer prägnanten Nebenrolle als stahlharte Soldatin. Auch der Rest der Besetzung ist ausnahmslos erste Güteklasse und verleiht dem emotionsgeladenen Konfliktfilm moralische Tiefe. Im Kern schwingt in "Mut zur Wahrheit" eine überraschend verhaltene patriotische Note: An den höllischen Kriegsgeschehnissen wird nichts beschönigt, und auch das Militär wird von weniger vorteilhaften Seiten gezeigt. Zudem mit absoluter Stilsicherheit von Roger Deakins ("Fargo") fotografiert, kann es das packend-ambitionierte Integritätsdrama in jeder Hinsicht mit "Eine Frage der Ehre" aufnehmen, dessen Einspiel erreichbar scheint. ara.
| Darsteller: | Denzel Washington | als Nate Serling | |
|---|---|---|---|
| Meg Ryan | als Karen Walden | ||
| Lou Diamond Phillips | als Monfriez Lou | ||
| Michael Moriarty | als General Hershberg | ||
| Matt Damon | als Ilario | ||
| Bronson Pinchot | als Bruno | ||
| Seth Gilliam | als Altameyer | ||
| Regina Taylor | als Meredith Serling | ||
| Zeljko Ivanek | als Banacek | ||
| Scott Glenn | als Tony Gartner | ||
| Tim Guinee | als Rady | ||
| Tim Ransom | als Boylar | ||
| Sean Astin | als Patella | ||
| Armand Darrius | als Robins | ||
| Mark Adair-Rios | als Bobcat 5 | ||
| Ned Vaughn | als Chelli | ||
| Regie: | Edward Zwick | ||
| Drehbuch: | Patrick Sheane Duncan | ||
| Produzent: | John Davis | ||
| Joseph M. Singer | |||
| David T. Friendly | |||
| Ausf. Produzent: | Joseph M. Caracciolo | ||
| Debra Martin Chase | |||
| Kamera: | Roger Deakins | ||
| Schnitt: | Steven Rosenblum | ||
| Musik: | James Horner | ||
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