Franka Potente
Moritz Bleibtreu
Herbert Knaup
Regie: Tom Tykwer
Verleih: Prokino (Filmwelt)
20 Minuten hat die junge Lola Zeit, um 100.000 Mark aufzutreiben und damit Freund Manni das Leben zu retten, der diese Summe in der U-Bahn liegenließ und nun drakonische Vergeltungsmaßnahmen seines Gangster-Auftraggebers erwartet. Zweimal wird Lolas leidenschaftliche Jagd durch Berlin mit dem Tod bestraft, aber das Schicksal gewährt ihr eine dritte Chance.

"Einen kleinen Film" nennen Autor-Regisseur Tom Tykwer und Produzent Stefan Arndt ihre neueste, komplett in Berlin entstandene Produktion. Ein allenfalls über das Budget von drei Mio. Mark begründetes Etikett, das aber weder vom Unterhaltungswert noch den erstaunlichen formalen Qualitäten gerechtfertigt ist. Denn Tykwers dynamischer und hitziger Gegenentwurf zum brillanten, in der Bewegung eisig-erstarrten "Winterschläfer" ist der lebendigste und im besten Sinne jugendlichste Film, den das deutsche Kino seit langer Zeit herausgebracht hat.
Der ambitionierte formale Anspruch, der die Möglichkeiten der filmischen Bildsprache in einer "Rennzeit" von 81 Minuten rekapitulieren will, zeigt sich wie in "Winterschläfer" schon in einer beeindruckenden Creditsequenz, die die zentralen Elemente des Films, Mensch und Zeit, originell visualisiert. Mit Speed-Zooms, Speed-Wischblenden, atemlosen Kamerafahrten (Tykwer-Veteran Frank Griebe in gewohnter Klasse) und einem rasanten, doch den Überblick nicht aus den Augen verlierenden Schnitt (Debüt von Cutterin Mathilde Bonnefoy), legt "Lola rennt" ein Tempo vor, das sich an dem bewußt minimalistischen Plot orientiert. Franka Potente, die Entdeckung aus "Nach fünf im Urwald" im Look einer Neo-Punkerin auf den Spuren von Toyah, ist die quirlige und leidenschaftliche Lola, der 20 Minuten bleiben, um 100.000 Mark aufzutreiben. Damit Freund Manni (Moritz Bleibtreu, "Knockin' on Heaven's Door") nicht von einem Gangster (Heino Ferch als gemeine Glatze) gelyncht wird, weil er die Kohle in der U-Bahn zur Freude eines Penners liegenließ. Wer kann mir helfen? denkt Lola in Hyperspeed nach, während die Kamera sie umkreist und hektisch aneinandergereihte Gedanken ihr durch den Kopf schießen. Und dann läßt Tykwer Lola los, hetzt sie durch das sommerliche Berlin, schier losgelöst von der Welt, eine Handvoll Figuren passierend, deren unmittelbare Zukunft in furiosen, auf Sekunden komprimierten Lebensabriß-Sequenzen sichtbar wird. Dreimal wird Lola auf den jeweils 20minütigen Adrenalin-Trip zu ihrem vermögenden Vater geschickt, wobei ihre Stationen konstant bleiben, aber die Situationen und die sie illustrierenden visuellen Perspektiven variiert werden. Zweimal steht am Ende der Tod, aber dieser Film feiert das Leben und beginnt in einer Mischung aus "Und täglich grüßt das Murmeltier" und Alain Resnais "Smoking/No Smoking" den Kreislauf (ein "Winterschläfer"-Motiv) neu. Die Dialoge hält Tykwer unprätentiös einfach, die Figuren bleiben Skizzen, was zum einen der Ansatz des Films erfordert, aber auch die Alltags-Hektik spiegelt, die den Menschen hinter der Maske (in einer berührenden Szene am deutlichsten festgemacht an Armin Rohdes Bankportier) oft nicht erkennbar werden läßt. Am Ziel angekommen, zeigt sich mit "Lola rennt" einer der kurzweiligsten Filme des Jahres, dem - richtig an das junge Zielpublikum vermittelt - alle kommerziellen Möglichkeiten offenstehen. kob.
| Darsteller: | Franka Potente | als Lola | |
|---|---|---|---|
| Moritz Bleibtreu | als Manni | ||
| Herbert Knaup | als Lolas Vater | ||
| Nina Petri | als Jutta Hansen | ||
| Armin Rohde | als Herr Schuster | ||
| Joachim Król | als Norbert von Au | ||
| Ludger Pistor | als Herr Meier | ||
| Suzanne von Borsody | als Frau Jäger | ||
| Sebastian Schipper | als Mike | ||
| Julia Lindig | als Doris | ||
| Lars Rudolph | als Kassierer Kruse | ||
| Andreas Petri | als Sanitäter | ||
| Klaus Müller | als Croupier | ||
| Utz Krause | als Casino-Manager | ||
| Beate Finckh | als Casino-Kassiererin | ||
| Volkart Buff | als Krankenwagenfahrer | ||
| Heino Ferch | als Ronnie | ||
| Ute Lubosch | als Mutter | ||
| Dora Raddy | als Die Alte | ||
| Monica Bleibtreu | als Die Blinde | ||
| Peter Pauli | als Wachmann Supermarkt | ||
| Marc Bischoff | als Polizist | ||
| Regie: | Tom Tykwer | ||
| Drehbuch: | Tom Tykwer | ||
| Produzent: | Stefan Arndt | ||
| Ausf. Produzent: | Maria Köpf | ||
| Kamera: | Frank Griebe | ||
| Schnitt: | Mathilde Bonnefoy | ||
| Musik: | Tom Tykwer | ||
| Johnny Klimek | |||
| Reinhold Heil | |||
| Produktionsdesign: | Alexander Manasse | ||
| Kostüme: | Monika Jacobs | ||
| Ton: | Frank Behnke | ||
| Casting: | An Dorthe Braker | ||
| Barbara Schernthaner | |||
Erst sieht man nur ihre roten Haare, dann erkennt man die ganze Frau. Doch sie bleibt nicht stehen, nein, Lola rennt...
Am 20. August 1998 gelang Regisseur Tom Tykwer, was vor ihm nur wenigen anderen gelungen war: Er revolutionierte den deutschen Kinofilm und hatte damit sogar Erfolg beim Publikum. Mit "Lola rennt" schuf er einen innovativen, kurzweiligen und doch tiefgründigen Actionfilm, der nach seinem Start in Deutschland sogar die Filmwelt in Übersee nachhaltig beeinflussen sollte.
In drei jeweils 20-minütigen und identisch beginnenden Handlungsvarianten wird die Geschichte von Lola und Manni erzählt, in der die kleinsten Abwandlungen über Leben oder Tod entscheiden. Eins ist jedoch sicher: Lola muss rennen, wenn sie ihren Manni retten will.
Franka Potente und Moritz Bleibtreu schafften es, mit Tykwers Meisterwerk in Hollywood Aufmerksamkeit zu erregen. Während Franka versuchte, auch dort Karriere zu machen, blieb Moritz erst mal seiner Heimat treu.
Das Motiv der drei sich wiederholenden Handlungssequenzen wurde in einer Folge der "Simpsons" umgesetzt, außerdem ließen sich Bon Jovi davon zum Video von "It's My Life" inspirieren.
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