Fabian Busch
Susanne Bormann
Birgit Minichmayr
Regie: Hendrik Handloegten
Verleih: X Verleih (Warner)
Anfang der 80er dreht sich bei Helmut (Fabian Busch), dem coolen "Mücke" (Florian Lukas) und dem freakigen "Schäfer" (Tino Mewes), alles um die Musik. Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht beschränken sich auf Zoten und Wunschvorstellungen. Das ändert sich, als die blonde Britta (Susanne Bormann) die Clique entert und Helmut augenblicklich den Kopf verdreht. Als die Beziehung nach vielversprechendem Start ein ebenso unvorhersehbares wie abruptes Ende nimmt, entwickelt sich Helmut zum verantwortungslosen Tagedieb. Das muss sich ändern, findet Tina (Birgit Minichmayr).
"High Fidelity" und andere nostalgische Coming-of-Age-Komödien der vergangenen Jahre lassen schön grüßen, wenn unter künstlerischer Leitung von Hendrik Handloegten ("Paul Is Dead") das Berlin der frühen 80er aufersteht.
Der Mann, der sich nicht entscheiden kann: Fabian Busch in einer lakonischen Coming-of-Age-Komödie von den Machern von "Good Bye, Lenin!".
Helmut beendet mal wieder mit einem Seitensprung eine Beziehung (Foto: X Verleih (Warner))
Ein gefühlsgehemmter, bindungsunfähiger und feiger Penner! Das muss sich Helmut von seiner Freundin Tina (Birgit Minichmayr) anhören. Das Schlimme daran ist, dass sie völlig Recht hat. Zeit, Bilanz zu ziehen über all die verlorenen Freundschaften, verkorksten Beziehungen und selbstzerstörerischen Affären.
Doch während diese Thematik meist in einem handfesten Drama mündet, schafft es Regisseur Hendrik Handloegten (Co-Autor von "Good Bye, Lenin!"), den Stoff in eine bezaubernde, intelligente und durch und durch ehrliche Komödie zu verwandeln, die fabelhaft den Spagat zwischen der Coming-of-Age-Story und dem zeitgeschichtlichen Background schafft.
Ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit einem fantastischen Gespür für Timing und Humor bettet der Film immer wieder Ereignisse vom Beginn der Ära Kohl bis nach der Maueröffnung in die Geschichte um die liebevoll skurrilen Charaktere ein.
Wie Pech und Schwefel: Die Jugendfreunde Mücke, Schäfer und Helmut (Foto: X Verleih (Warner))
Vor allem jedoch verkörpert Fabian Busch den "Jedermann" Helmut so grandios, dass seine Suche nach der ersten großen und unglücklichen Liebe Britta (Susanne Bormann) zum Flashback jedes einzelnen Zuschauers wird. Mit ihr muss Helmut erst reinen Tisch machen, ehe er liegen lernen, erwachsen werden kann.
Eine Hommage an die 80er mit einem Soundtrack, der bis in die kleinste Nuance perfekt passt (Titelsong: "Denkmal" von Wir sind Helden) und ein ehrliches Geständnis, wie man(n) wirklich tickt.
| Darsteller: | Fabian Busch | als Helmut | |
|---|---|---|---|
| Susanne Bormann | als Britta | ||
| Birgit Minichmayr | als Tina | ||
| Fritzi Haberlandt | als Gisela | ||
| Florian Lukas | als Mücke | ||
| Sophie Rois | als Barbara | ||
| Anka Lea Sarstedt | als Gloria | ||
| Beate Abraham | als Helmuts Mutter | ||
| Wilfried Dziallas | als Helmuts Vater | ||
| Tino Mewes | als Langer Schäfer | ||
| Sebastian Münster | als Beck | ||
| Norbert Stöß | |||
| Regie: | Hendrik Handloegten | ||
| Drehbuch: | Hendrik Handloegten | ||
| Produzent: | Maria Köpf | ||
| Buchvorlage: | Frank Goosen | ||
| Kamera: | Florian Hoffmeister | ||
| Schnitt: | Elena Bromund | ||
| Musik: | Dieter Schleip | ||
| Produktionsdesign: | Yesim Zolan | ||
| Kostüme: | Lucia Faust | ||
| Ton: | Arno Wilms | ||
| Elmar Wilms | |||
Eine wunderbare und intelligente Coming-of-Age-Geschichte lässt Hendrik Handloegten seinem vielfach ausgezeichneten Spielfilmdebüt "Paul is Dead" folgen: "Liegen lernen", eine elegante Variante um die Unentschlossenheit der Jugend.
» Was bedeutet es für Sie, zum Filmfest München eingeladen worden zu sein?
HENDRIK HANDLOEGTEN: 1990 war ich zum ersten Mal auf dem Filmfest München. Lars von Trier war mit "Europa" da und Roger Corman wurde in einer Spezialreihe geehrt. Alles war sehr aufregend. Ein Festival, das Corman und von Trier gleichermaßen zeigt, steht für die unendliche Vielfältigkeit des Kinos. Besser kann ich mich nicht aufgehoben fühlen.
» Mit Ihrem zweiten Spielfilm begeben Sie sich wie schon in "Paul is Dead" zurück in die achtziger Jahre. Was reizt Sie an dieser Zeit?
Zum einen bin ich in den Achtzigern aufgewachsen, und "Paul is Dead" war ein stark autobiografisch gefärbter Film. Bei "Liegen lernen" war es etwas anderes. Hier stand für mich die Geschichte der unerfüllten ersten großen Liebe im Vordergrund und welche jahrelangen Auswirkungen es haben kann, wenn sie zu einer Illusion wird, wenn man sie nicht lebt. Wir beginnen in den Achtzigern und enden in der Gegenwart. Die Zeit bildet also eher den Rahmen, der für Helmuts Entwicklung nötig ist.
» Wie sind Sie auf den Roman von Frank Goosen gestoßen und was hat Sie daran interessiert?
Ich war schon seit einiger Zeit an einer Romanadaption von Frank Goosen interessiert. Als ich die Ankündigung von "Liegen lernen" im Verlagsprogramm von Eichborn las, war ich allerdings zunächst sehr skeptisch: Die Beschäftigung mit dem Erwachsenwerden einerseits und den Achtzigern andererseits schien mir doch etwas inflationär geworden. Was ich dann aber las, hat mich doch überrascht - und ich habe meine Zweifel schnell über Bord geworfen.
» "Liegen lernen" ist eine klassische Initiations-Geschichte. Was macht diese fürs Kino so spannend?
"Liegen lernen" geht für mich weiter als eine klassische Coming-of-Age-Geschichte. Es endet ja nicht mit dem letzten Sommer der Kindheit oder Jugend. Die zentralen Fragen sind hier: Was kommt dann? Was kommt, wenn der Glanz des Ersten und Neuen verfliegt? Wie beginnen wir, ein so genanntes ganz normales Leben zu führen?
» Musik spielt in Ihrem Film eine wichtige Rolle. Nach welchen Kriterien haben Sie den Soundtrack zusammengestellt?
Bei der szenischen Musik war es eine Mischung aus persönlichen Favoriten und Stücken, um die man in der Zeit nicht herumkam. Der Score musste hingegen sehr zurückhaltend sein, um nicht mit der anderen Musik zu kollidieren. Für die ganze Musik gilt, dass sie sich der Geschichte immer unterordnet. Es gibt immer einen Grund, weswegen dieses oder jenes Stück zu hören ist, sonst würde sich sicher bald ein Gefühl von Überfrachtung einstellen.
» Während man bei den Frauenrollen gleich versteht, warum Sie sie so besetzt haben, liegt die Wahl Fabian Buschs für den Part des Helmut nicht unbedingt auf der Hand.
Fabian Busch gehört zu den wenigen Schauspielern, die ebenso überzeugend einen 18- wie einen 30-Jährigen verkörpern können. Und weil Helmut so ein ganz stinknormaler Typ ist, mussten wir jemand finden, der sehr ausdrucksstark einen Jedermann darstellen kann.
» Mit "Liegen lernen" arbeiten Sie bereits zum zweiten Mal mit "X Filme" zusammen. Was hat Sie dazu bewegt?
Eine kontinuierliche Zusammenarbeit hat sehr viele Vorteile. Man muss nicht bei Null anfangen und kennt die Stärken und Schwächen des anderen. Darüber hinaus steht "X Filme Creative Pool" für Filme, die nicht die Intelligenz des Publikums beleidigen und trotzdem unterhaltsam sind.
» Der deutsche Film, siehe nur "Der Schuh des Manitu" oder "Good Bye, Lenin!", boomt. Strohfeuer oder echter Aufbruch?
Die Diskussion um den Aufbruch des deutschen Films finde ich behindernd. Mir kommt das immer so vor, als wunderte man sich nach drei Tagen wolkenloser Sommerhitze über ein paar Tage Regen.
Seinen ersten großen Erfolg auf der Kinoleinwand feierte Fabian Busch bereits 1993 in Wolfgang Kohlhaases Film "Inge, April und Mai". Seitdem...
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