Drama um eine Familie in der Ära Berlusconi. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto18/10180606/b150x150.jpg La nostra vita

Filmdetails

La nostra vita

Drama um eine Familie in der Ära Berlusconi.


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Inhalt

Bauarbeiter Claudio lebt am Rand von Rom und kann seine schwangere Ehefrau und seine beiden Kinder mit Mühe ernähren. Als seine Frau unerwartet stirbt, muss er sich ganz alleine um seine Familie kümmern. Von seiner Trauer an den Rand des Wahnsinns getrieben, fordert er das Schicksal heraus: Auf Teufel komm heraus versucht Claudio Geld anzuhäufen, um seinen Kindern all das geben zu können, was ihnen vom Leben versprochen wurde, ohne dass man es sich jemals hätte leisten zu können.


Kritik

La nostra vita

Mit dem ambitionierten "Mein Bruder ist ein Einzelkind", der fünf italienische Filmpreise gewinnen konnte, machte der italienische Filmemacher Daniele Luchetti international auf sich aufmerksam. Mit dem Folgefilm wurde der Regisseur erstmals seit "Il portaborse" aus dem Jahr 1991 nach Cannes in den Wettbewerb eingeladen: Wieder zeigt er ein genaues Auge für die Lebensumstände einfacher Leute in der Ära Berlusconi, er konzentriert sich in dem erneut mit seinem "Einzelkind"-Star Elio Germano besetzten Film aber vor allem auf das Porträt eines Mannes, der vom Schicksal zum Äußersten getrieben wird.

La nostra vita

Darsteller:  Elio Germano   als Claudio
  Isabella Ragonese   als Elena
  Raoul Bova   als Piero
  Giorgio Colangeli   als Porcari
  Stefania Montorsi   als Liliana
  Awa Ly   als Celeste
  Luca Zingaretti   als Ari
  Luca Argentero  
  Riccardo Scamarcio  
 
Regie:  Daniele Luchetti  
Drehbuch:  Daniele Luchetti  
  Sandro Petraglia  
Produzent:  Marco Chimenz  
  Giovanni Stabilini  
  Riccardo Tozzi  
Ausf. Produzent:  Gina Gardini  
Kamera:  Claudio Collepiccolo  
Schnitt:  Mirco Garrone  
Musik:  Franco Piersanti  
Produktionsdesign:  Giancarlo Basili  
Kostüme:  Maria Rita Barbera  

Triumph des poetischen Kinos

Lange war gerätselt worden, welcher Film des Wettbewerbs dem diesjährigen Jurypräsidenten Tim Burton am besten gefallen könnte ...

Großansicht Goldene Palme für das meditative Kunstwerk "Uncle Boonmee" (Foto: Illuminations Films)

Goldene Palme für das meditative Kunstwerk "Uncle Boonmee" (Foto: Illuminations Films)

Würde er ein verspieltes Werk wählen, das seinen eigenen Filmen gleicht, oder würde als Kontrastprogramm eher ein knallhart-realistischer Film das Rennen machen? An letzteren herrschte im diesjährigen Cannes-Jahrgang kein Mangel. Politischer als in den Vorjahren präsentierte sich das Weltkino an der Croisette, mit Filmen über den Algerienkrieg, den islamischen Fundamentalismus, über Irakkriegs-Söldner und politische Kriegstreiber, den Überlebenskampf in den Metropolen oder in der postsowjetischen russischen Provinz.

Schließlich vergaben Tim Burton und seine acht Jurykollegen die Goldene Palme an einen poetischen Film aus Thailand: "Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives" (auf deutsch: "Onkel Boonmee, der sich an seine vergangenen Leben erinnern kann") von Apichatpong Weerasethakul. Der Film folgt einem schwerkranken alten Mann in den Dschungel, wo er mit seinen Angehörigen in aller Seelenruhe seine letzten Tage verbringt, den Geist seiner verstorbenen Frau und ein freundliches Zottelmonster trifft. Ein traumtänzerischer Film, der den Zuschauer hinter die Dinge blicken lässt und dem Tod seinen Schrecken nimmt - Filmkunst im besten Sinne, die leider viel zu selten jenseits der Festivals zu sehen ist.

Der große Preis der Jury ging ebenfalls an einen wunderbar ruhigen Film mit starken und transzendentalen Bildern, die im Gedächtnis haften bleiben: "Des hommes et des dieux" ("Von Menschen und Göttern"). Xavier Beauvois zeichnet hier die wahre Geschichte einer kleinen Gruppe katholischer Mönche nach, die in den neunziger Jahren im Atlas-Gebirge in Algerien leben. Gezeigt wird der Alltag der Brüder, die ein harmonisches Miteinander mit den muslimischen Einheimischen führen. Bis eines Tages der Bürgerkrieg das verschlafene Dorf erreicht und die Mönche von islamischen Fundamentalisten bedroht werden. Nun ist die essentielle Frage: Bleiben oder fliehen? Die Brüder entschließen sich zum Bleiben und in einer erhebenden Szene, die an das letzte Abendmahl erinnert, fängt die Kamera - untermalt mit Tschaikowskis "Schwanensee" - noch einmal liebevoll jedes einzelne Gesicht des starken Ensembles ein.

 
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Verdient ist auch der Schauspielpreis an Penélope Cruz' bessere Hälfte Javier Bardem, für seine Rolle als krebskranker Drogendealer in Alejandro González Iñárritus düsterem Drama "Biutiful". Es bleibt das Geheimnis der Jury, warum Bardem sich diese Auszeichnung mit Elio Germano teilen musste. Letzterer gibt in dem beschwingten italienischen Beitrag "La nostra vita" überzeugend einen jungen Underdog, der sich nach dem Tod seiner Frau mit seinen drei Kindern allein durchschlagen muss, doch er kann Bardem nicht das Wasser reichen.

Bei den Damen machte Juliette Binoche als überspannte Antiquitätenhändlerin in "Copie conforme" ("Beglaubigte Kopie") das Rennen, Abbas Kiarostamis raffiniertem Vexierspiel über das Auseinanderleben eines Paares, das womöglich in Wahrheit gar keines ist, sondern die Ehekrise nur spielt.

Die große Sensation des in diesem Jahr mit vielen allzu mittelmäßigen Filmen bestückten Programms war indes "Carlos - Der Schakal", der außer Konkurrenz startete. Ein atemberaubender epischer Thriller über den Terroristen "Carlos" (großartig gespielt von Edgar Ramirez), der in den siebziger Jahren zweifelhaften Weltruhm erlangte. Selten wurde Zeitgeschichte so spannend aufbereitet, und dies auf fünfeinhalb Stunden. Wem dies zu lang erscheint, der kann sich ab Herbst in den deutschen Kinos auch eine auf 160 Minuten gekürzten Fassung ansehen.

Star

Raoul Bova

* 14.08.1971

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