Oscar-gekröntes Drama, das einen Mordfall, zwei Liebesgeschichten und eine Chronik der jüngeren argentinischen Geschichte berührend verknüpft. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto35/10350476/b150x150.jpg In ihren Augen

Filmdetails

In ihren Augen

Oscar-gekröntes Drama, das einen Mordfall, zwei Liebesgeschichten und eine Chronik der jüngeren argentinischen Geschichte berührend verknüpft.


In ihren Augen
Start: 28.10.2010

Originaltitel: El secreto de sus ojos

Drama / Kriminalfilm

Argentinien 2009
Laufzeit: 129 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Ricardo Darín
Soledad Villamil
Guillermo Francella

Regie: Juan José Campanella
Verleih: Camino (Fox)

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Inhalt

Argentinien 1974. Die brutale Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Frau wird den Ermittlungsbeamten Benjamin Esposito 25 Jahre lang verfolgen. Nicht nur, weil er den Täter verhaften wird und mit Beginn der Militärdiktatur doch wieder ziehen lassen muss, sondern auch, weil der Ehemann der Ermordeten ihm vorbildhaft zeigt, welche Kraft die Liebe über den Tod hinaus haben kann. Am Ende von 25 Jahren wird der Mörder seine gerechte Strafe und Esposito durch einen mutigen Schritt endlich auch wahre Liebe erfahren.


Kritik

In ihren Augen

Der Film, der "Das weiße Band" 2010 im Oscarrennen schlug, entpuppt sich als faszinierendes Chamäleon mit unterschiedlichen Genrefarben.

Als bester fremdsprachiger Film ließ der sechste Spielfilm des Argentiniers Juan José Campanella Favoriten wie Michael Hanekes Drama oder Jacques Audiards Gefängnisreißer "Ein Prophet" hinter sich. Gut 45 Minuten fragt man sich, was diesen überraschenden Triumph wirklich rechtfertigen kann. Bis dahin erzählt Campanella mit seinem Lieblingsdarsteller Ricardo Darin von der Ermittlungsarbeit des Beamten Esposito, der die brutale Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Frau untersucht, schweift aber immer wieder ab, um Espositos Beziehung zu seinem Kollegen und zu seiner Vorgesetzten Irene Menéndez Hastings zu beleuchten.

Trotz der ernsten Prämisse ist der Ton zunächst unerwartet entspannt und oft auch witzig, geht es um eine Männerfreundschaft, aber auch um romantische Gefühle, die nicht ausgesprochen werden. Zu diesem Zeitpunkt ist die Identität des möglichen Täters bereits ermittelt, er selbst aber noch nicht gefasst, bis eine verblüffende mehrminütige, digital unterstützte Einstellung, die über einem Fußballstadion beginnt und mitten unter den Zuschauern endet, eine dramatische Zäsur setzt und der Film seinen Fokus findet. Im Mittelpunkt steht eben nicht die Aufklärung eines grausamen Verbrechens, sondern das tiefe Gefühl, das den Mann des Opfers ein Leben lang an seine tote Frau und auch Esposito an seine Chefin bindet, die verheiratet ist wie er, einer anderen gesellschaftlichen Klasse angehört und damit unerreichbar scheint. Der Filmtitel ist dabei mehrdeutig, denn das Personalpronomen könnte sich nicht nur auf die Augen Espositos und des Mörders beziehen, die heimliches Begehren verraten, sondern auch auf die von Hastings, die Esposito im Unterschied zu denen des Mörders, die ihm auf einem Foto auffallen, nicht lesen kann.

Campanellas oscargekrönte Romanverfilmung ist ein komplexer und inszenatorisch kreativer Film, obwohl es zunächst nicht danach aussieht. Stilistisch anfangs konventionell, verblüfft er mit mehreren Sequenzen, die Digitaltricks perfekt einsetzen. Thematisch gesellt sich zum Element des Thrillers eine angedeutete Chronik der argentinischen Geschichte, die den Bogen vom Anfang der Militärdiktatur Mitte der Siebzigerjahre bis ins Jahr 1999 spannt. Und wenn am Ende Mordfall, demokratische Entwicklung und Beziehungsthematik zusammengeführt werden, Sehnsüchte nach Rache und Liebe erfüllt werden, ist man erstaunt und berührt. Und das wird sich auch bei den Zuschauern zeigen - in ihren Augen. kob.

In ihren Augen

Darsteller:  Ricardo Darín   als Benjamín Esposito
  Soledad Villamil   als Irene Menéndez Hastings
  Guillermo Francella   als Sandoval
  Pablo Rago   als Ricardo Morales
  Javier Godino   als Isidoro Gómez
  José Luis Gioia   als Molinari
  Carla Quevedo   als Liliana Coloto
  Bárbara Palladino   als Chica Piropo
 
Regie:  Juan José Campanella  
Drehbuch:  Juan José Campanella  
  Eduardo Sacheri  
Produzent:  Juan José Campanella  
  Mariela Besuievski  
  Gerardo Herrero  
Koproduzent:  Axel Kuschevatzky  
Buchvorlage:  Eduardo Sacheri  
Kamera:  Felix Monti  
Schnitt:  Juan José Campanella  
Musik:  Federico Jusid  
  Emilio Kauderer  
Kostüme:  Cecilia Monti  
Ton:  José Luis Díaz  
Casting:  Walter Rippell  

Oscars: "Hurt Locker" sticht "Avatar" aus, Preise für Bridges, Bullock und Waltz

Eigentlich sollte die Nacht der Nächte in Hollywood diesmal nicht golden werden, sondern blau. Doch die Academy kürte nicht den Publikumsrenner "Avatar" zum großen Oscar-Sieger, sondern den Irak-Kriegsfilm "The Hurt Locker".

Großansicht Die großen Sieger bei den Schauspielern: Heath Ledger, Kate Winslet und Sean Penn (Foto:  © A.M.P.A.S.)

Die großen Sieger bei den Schauspielern: Heath Ledger, Kate Winslet und Sean Penn (Foto: © A.M.P.A.S.)

Je länger der Abend dauerte, um so frostiger wurde das Gesicht von James Cameron - bis ihm bei der Auszeichnung des Konkurrenten "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" als bester Film schließlich das mühsame Lächeln endgültig einfror: Die Academy hat sich einmal mehr gegen den großen Publikumsrenner, "Avatar - Aufbruch nach Pandora", entschieden und statt des erfolgreichsten Films aller Zeiten das ambitionierte Irak-Kriegsdrama "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" über ein Team von Bombenexperten mit Oscars überhäuft. Und das, obwohl Produzent Nicolas Chartier im Vorfeld mit einer Anti-Avatar-E-Mail an Jury-Mitglieder für reichlich Unmut gesorgt hatte und dafür von der Oscar-Gala verbannt worden war.

Sechs Oscars an der Zahl gab es für "Hurt Locker", darunter die beiden Preise in den Königsklassen Bester Film und Beste Regie für Kathryn Bigelow. Damit gewann erstmals eine Frau diesen begehrten Oscar - pikanterweise James Camerons Ex-Gattin, der dieser den Regie-Award allerdings im Vorfeld sogar selbst als "verdient" zugesprochen hatte. "Avatar" erhielt drei Preise, allerdings nur in eher technischen Nebenkategorien wie Visual Effects, Kamera und Ausstattung.

Jeff Bridges wurde für seine herausragende Leistung als versoffener Country-Veteran in "Crazy Heart" nach der fünften Nominierung endlich mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller geehrt. Das gesamte Kodak-Theatre würdigte den "Dude" mit stehenden Ovationen, Bridges bedankte sich ausführlich, kämpfte mit den Tränen.

Gleich im ersten Anlauf durfte dagegen Sandra Bullock den Goldjungen für die beste weibliche Hauptrolle in Empfang nehmen. Das Football-Drama "Blind Side - Die große Chance", in dem sie nach einer wahren Begebenheit ein afroamerikanisches Talent unter ihre Fittiche nimmt, traf den Nerv der sportbegeisterten US-Amerikaner. Bullock hielt die emotionalste Dankesrede des Abends, als sie ihrer Mutter weinend für eine Erziehung im Geist von Toleranz und Gleichberechtigung dankte. Auf dem Roten Teppich hatte Sandra zuvor ihre große Nervosität gestanden und verkündet, dass sie sich nach der Verleihung "erstmal eine Ladung Pommes und einen Milchshake" gönnen werde.

 
 
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Der Österreicher Christoph Waltz heimste nach der Palme in Cannes wie erwartet auch den Oscar für die beste Nebenrolle ein. Als schauriger SS-Mann in "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino, dem Waltz überschwänglich dankte, überzeugte Waltz auch die Oscar-Jury. Ein Kommentar auf dem Roten Teppich dürfte bei aller Freude über den Preis für einen deutschsprachigen Schauspieler manchem hiesigen Filmschaffenden Kopfzerbrechen bereiten, denn Christoph Waltz meinte: "In den USA werden Filme als Kunstwerk gemacht und wie eine Handelsware verkauft - in Deutschland ist es genau andersherum."

Auch bei den weiblichen Nebendarstellerinnen setzte sich mit Mo'Nique die Favoritin durch. Sie mimt im Drama "Precious - Das Leben ist kostbar" eine beängstigend brutale Mutter.

Die großen Verlierer des Abends waren George Clooneys "Up in the Air", der trotz sechs Nominierungen komplett leer ausging und "Inglourious Basterds", der bei sage und schreibe acht Nominierungen nur den Preis für Christoph Waltz verzeichnen konnte.

Der deuschte Beitrag "Das weiße Band" hatte zwar im Vorfeld als Favorit für den Auslands-Oscar gegolten, zog aber gegen den argentinischen Thriller "El secreto de sus ojos" den Kürzeren. Einen der größten Lacher einer an Höhepunkten eher armen Gala erzielte dabei Regisseur Juan José Campanella, als er der Academy dankte, dass diese Na'vi nicht als Fremdsprache anerkannt hatte und "Avatar" deshalb nicht für den Auslands-Oscar zuließ.

Als bester Animationsfilm wurde wie erwartet "Oben" ausgezeichnet, dazu gab's noch den Oscar für die beste Filmmusik.

Das Moderatorenduo Steve Martin und Alec Baldwin konnte leider bei Weitem nicht an die turbulente Show von Hugh Jackman im vergangenen Jahr heranreichen, wirkte brav und hausbacken. Als die beiden bei der Begrüßung von James Cameron 3D-Brillen aufsetzten und Nominierungs-Königin Meryl Streep als "die Schauspielerin mit den meisten Oscar-Niederlagen" verhöhnten, gab's zumindest verhaltenen Beifall.

Highlight des Abends war eine dem aktuellen Trend geschuldete Rückschau auf Hollywoods Horrorklassiker, präsentiert von den "Twilight"-Stars Kristen Stewart und Taylor Lautner. Als Ausschnitte aus "Der weiße Hai", "Shining", "Nightmare on Elm Street", "Halloween", "Sleepy Hollow", "Psycho", "Alien", "Der Exorzist" und "Bram Stoker's Dracula" über die Leinwand flimmerten, kletterte der Puls das einzige Mal spürbar nach oben.

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Ricardo Darín

* 16.01.1957

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