Hannah Herzsprung
Lars Eidinger
Stipe Erceg
Regie: Tim Fehlbaum
Verleih: Paramount
Seitdem die Strahlkraft der Sonne zugenommen hat, ist die Erde ein verdörrter, mörderischer Ort geworden. Nur wenige Überlebende sind verblieben, die sich notdürftig gegen die Sonnenstrahlen schützen und deren Leben von der Suche nach Wasser und Benzin bestimmt ist. Dazu gehört die Zweckgemeinschaft von Phillip und den Schwestern Marie und Leonie. Auf dem Weg in die Berge, wo es angeblich Leben geben soll, lesen sie Tom auf, ohne sich sicher sein zu können, dass er ihnen wohlgesonnen ist. Als sie in einen Hinterhalt geraten, beginnt der Kampf.

Postapokalyptischer Thriller über eine Gruppe von vier Überlebenden, die realisieren muss, dass die mörderische Sonne nicht ihr größter Feind ist.
Nicht einen Moment käme man auf die Idee, dass es sich bei "Hell" um ein Regiedebüt handeln könnte. Tim Fehlbaum, 28-jähriger Absolvent der HFF München und 2004 für seinen Kurzfilm "Für Julian" mit einem Shocking Shorts Award ausgezeichnet, legt ein regelrecht elektrisierendes Erstlingswerk hin, das seine harte Genregeschichte mit visueller Finesse, stimmiger Atmosphäre und einer inhaltlichen Konsequenz erzählt, die man einer deutschen Produktion nicht so ohne weiteres zugetraut hätte. Wie jüngst die Hollywood-Produktionen "The Road" und "The Book of Eli" erzählt auch dieser doppeldeutig eindeutig betitelte Ausflug in eine unbelebbare Welt der nahen Zukunft von der Zeit nach dem Ende, von einer Erde, die sich den Menschen zum Feind erklärt hat.
Nun mag Fehlbaum nicht die Budgets der Vorgenannten zur Verfügung gehabt haben, aber das erweist sich nicht als Nachteil: Gerade, weil er gezwungen ist, mit den Mitteln zu haushalten, im Zweifelsfall etwas näher an die Gesichter seiner geplagten, erschöpften und von Unsicherheit gepeinigten Helden ranzugehen, findet er in der Bildsprache eine gelungene Entsprechung für eine in die Knie gezwungene Zivilisation. Wenn der verkniffene Phillip, die aufopferungsvolle Marie und ihre kleine Schwester Leonie in ihrem Auto durch die Einöde fahren, die kleinen Schlitze in den Fenstern den Blick auf verendetes Vieh und verbrannte Bäume freigeben, dann fühlt man sich an Kathryn Bigelows Vampirwestern "Near Dark" erinnert - nur dass man hier auch nachts nicht den Strahlen der Sonne entfliehen kann, nur dass sie den Menschen dann nicht den sicheren Tod bringen. Die Figuren teilen sich durch kleine Gesten oder Blicke mit, die so vielsagend sind, dass sie ausreichen, alles über die Figuren und ihr gegenseitiges Verhältnis zu erzählen. Ihr Ziel ist diffus: In den Bergen soll es Wasser geben, Leben. Heißt es. Keiner weiß es. Unterwegs gabeln sie den begabten Mechaniker Tom auf. Anspannung und Misstrauen wachsen, wem kann man trauen in einer Zeit, in der sich jeder selbst am nächsten steht?
Wie weit es um Solidarität und Mitgefühl bestellt ist, lotet Fehlbaum in der Folge aus, allerdings anders, als man es zunächst angenommen hat. Das Quartett gerät in einen Hinterhalt, manche von ihnen werden verschleppt. Die Stimmung kippt. Von der Helligkeit in die Hölle: Aus dem Endzeitthriller wird ein Horrorfilm vom Kaliber eines "Texas Chainsaw Massacre", der wie seine Figuren nie ganz auszurechnen ist. Wie sich vermuten lässt, ist "Hell" kein Schauspielerfilm. Und doch würde er ohne die Leistungen von Hannah Herzsprung, Lars Eidinger und Stipe Erceg nicht funktionieren: Sie verleihen dem zunehmend verzweifelter werdenden Überlebenskampf mit all seinen Härten ein menschliches Antlitz, das zur Anteilnahme zwingt. Wenn schließlich im Showdown im gleißenden, blendenden Sonnenlicht alle Karten auf den Tisch gelegt werden, ist das ein regelrecht euphorisierender Moment in diesem klaustrophobisch beklemmenden Film, dessen Spannung nie nachlässt, dessen Druck stets zunimmt. Damit können sich Fehlbaum und seine Produzenten Thomas Wöbke und Gabriele M. Walther mühelos der internationalen Konkurrenz stellen. ts.
| Darsteller: | Hannah Herzsprung | als Marie | |
|---|---|---|---|
| Lars Eidinger | als Phillip | ||
| Stipe Erceg | als Tom | ||
| Angela Winkler | als Bäuerin Elisabeth | ||
| Lisa Vicari | als Leonie | ||
| Yoann Blanc | als Micha | ||
| Christoph Gaugler | als Bauer Brückner | ||
| Lilo Baur | als Fanzösin | ||
| Marco Calamandrei | als Franzose | ||
| Regie: | Tim Fehlbaum | ||
| Drehbuch: | Tim Fehlbaum | ||
| Thomas Wöbke | |||
| Oliver Kahl | |||
| Produzent: | Gabriele M. Walther | ||
| Thomas Wöbke | |||
| Koproduzent: | Ruth Waldburger | ||
| Dr. Stefan Gärtner | |||
| Ausf. Produzent: | Roland Emmerich | ||
| Kamera: | Markus Förderer | ||
| Tim Fehlbaum | |||
| Schnitt: | Andreas Menn | ||
| Musik: | Lorenz Dangel | ||
| Produktionsdesign: | Heike Lange | ||
| Kostüme: | Leonie Leuenberger | ||
| Maske: | Georg Korpas | ||
| Christina Baier | |||
| Ton: | Hugo Poletti | ||
| Casting: | An Dorthe Braker | ||
Der deutsche Endzeit-Thriller "Hell" um die Folgen einer glühend heiß gewordenen Sonne ist DER Überraschungs-Tipp und sticht Apokalypse-Action aus Hollywood locker aus.
Hannah Herzsprung in "Hell": Nur in wenigen Szenen konnte sie ihr Gesicht zeigen, meistens musste sie durch reines Körperspiel überzeugen... (Foto: Paramount)
Sie haben den Film selbst erst kurz vor der Premiere erstmals gesehen.
HANNAH HERZSPRUNG: Regisseur Tim Fehlbaum war da sehr resolut. Er wollte mir und den anderen Schauspielern aus "Hell" erst den fertigen Film zeigen und hat sich eisern daran gehalten. Davor hatten wir keine genaue Vorstellung, wie sich das Gedrehte zusammensetzen würde. Ich bin sehr beeindruckt von dem Ergebnis.
Wie Tim Fehlbaum selbst erzählt, war er im Schnitt sehr rigoros und hat das Material radikal gekürzt.
Der Film sollte von Anfang an ohne Umschweife mitten in die Handlung einsteigen. Tim hat uns aber die Vorgeschichte für jede einzelne Figur geliefert. Wir wussten also, was unsere Figuren bereits durchgemacht hatten und welcher Gefahr sie jeden Tag auf Neue wieder ausgesetzt waren. Als Zuschauer soll man spüren, dass diese unerträgliche Helligkeit und Hitze mittlerweile schon Normalität für sie ist, dass sie sich daran gewöhnt haben, sich in ihre Kleider zu hüllen und in diesem bis auf die Sehschlitze verklebten Autos zu fahren. Wir wollten, dass sich diese Welt wahrhaftig anfühlt. Das war die Herausforderung für uns Schauspieler: Diese ständige Anspannung auszudrücken, aber doch gleichzeitig in uns zu ruhen.
Merkte man das bereits beim Drehbuch? Konnten Sie sich Ihre Rolle sofort vorstellen?
Unbedingt. Das Drehbuch war unglaublich gut. Ich lese die Bücher eigentlich immer mit einem besonderen Blick für die Rolle, die ich spielen soll, und höre dabei in mich, wie mich die Figur anspricht. In diesem Fall war es aber tatsächlich so, dass einem das Drehbuch einen starken Eindruck vermittelte, wie der Film als Ganzes wirken würde. Meine Rolle habe ich dabei sofort greifen können. Weil sie aber in der Geschichte so vieles über Körperlichkeit darstellt, mit soviel Actionszenen, in denen es auf jede kleine Geste ankam, und die Dialoge eine weniger wichtige Funktion haben, musste ich mich förmlich in die Figur der Marie "hineintasten". Oft fragte ich mich: Wie spielt man das nur?
Man darf auch nicht vergessen, dass man über weite Strecken des Films Ihr Gesicht gar nicht sieht.
Stimmt. Wir waren unsere wichtigsten Instruments beraubt. Ich musste alles vergessen, was ich gelernt hatte. Jede einzelne Szene musste man sich aufs Neue erarbeiten, weil man auf ganz andere Dinge Acht geben musste, als das sonst der Fall ist. Dazu kam der unentwegte ohrenbetäubende Lärm beim Dreh, den die Windmaschinen machten, mit denen der ewig präsente Staub aufgewirbelt wurde. Ich erinnere mich an eine Szene mit Angela Winkler, die eigentlich sehr still sein sollte. Und hinter uns röhrten die Windmaschinen. Es war schwer die Konzentration für den Moment zu halten - bis Angela Winkler nachdrücklich darum bat, für diese Szene die Maschinen abzustellen.
Sie haben den großteils in einem abgebrannten Wald auf Korsika gedreht. Was stellt eine solche Location mit einem an?
Es war beklemmend. Wir sind jeden Morgen mit dem Auto vom Hotel am Hafen an die Location gefahren. Und dann steht man da in diesem Wald, in dem kein Leben mehr ist.
Ist der Film so geworden, wie Sie sich das während des Drehs vorgestellt haben?
Ich hatte beim Dreh eigentlich keine Ruhe, mir eine richtige Vorstellung zu machen. Es war eine körperliche und emotionale Ausnahmesituation, die uns bis an unsere Grenzen gebracht hat. Da kann man sich nur auf seine Arbeit konzentrieren. Umso begeisterter bin ich jetzt. Die Anstrengungen haben sich, wie so oft, wirklich ausgezahlt.
Was macht "Hell" Ihrer Ansicht nach zu einem besonderen Film?
Ich bin der Meinung, dass Tim dort ein Genre neu interpretiert und doch bedient hat. Die ungeheure Spannung, die Bildsprache und deren Perspektiven, die angedeutete Gewalt, die ihre volle Unmenschlichkeit erst im Kopf des Zuschauer entstehen lässt. Das macht "Hell" für mich zu etwas ganz Besonderem und Außergewöhnlichem.
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