Ohne es zu ahnen, hat Organisationsgenie Busemann seinem Sohn die nötigen Einzelteile für einen Heißluftballon besorgt. Der Sachse darf im Herbst 1987 vorübergehend ausreisen, um seinen Bruder in der BRD zu besuchen. Als zur Feier auch sein Sohn samt Frau einschwebt, staunt Busemann nicht schlecht. Das Fernsehen ist ebenfalls zur Stelle und erklärt ihn zum Helden des Tages. Als vermeintlicher Fluchthelfer kann er nun jedoch nicht mehr in die DDR zurück; und das zwei Tage vor seiner Hochzeit.

Ein interessantes Wechselbad: erst "Prager Botschaft" von RTL mit der klassischen Dreiecksgeschichte, dann das nicht minder emotionale, aber gerade im ersten Teil auch sehr düstere Drama "Die Frau vom Checkpoint Charlie" (ARD), und nun, quasi als Abschluss einer deutschen Trilogie zum Tag der Einheit, die Komödie "Heimweh nach drüben". Dabei mehren sich doch die mahnenden Stimmen, die DDR gerate in Vergessenheit; Spreewaldgurken-Ostalgie verstelle den Blick auf die Realität des Unrechtsstaats.
Tatsächlich ist die DDR in dieser Geschichte ein Land, in dem sich zu leben lohnt. Sonst würde der Film auch nicht funktionieren: Ohne es zu ahnen, hat Organisationsgenie Stephan Busemann (Wolfgang Stumph) seinem Sohn die nötigen Einzelteile für einen Heißluftballon besorgt. Der Sachse darf im Herbst 1987 vorübergehend ausreisen, um seinen Bruder Hubert (Jürgen Tarrach) jenseits der Grenze an dessen Geburtstag zu besuchen. Als pünktlich zur großen Feier auch sein Sohn samt Frau einschwebt, staunt Busemann nicht schlecht. Das Fernsehen ist ebenfalls gleich zur Stelle und erklärt ihn zum Helden des Tages. Als vermeintlicher Fluchthelfer kann er nun jedoch nicht mehr zurück; und das zwei Tage vor seiner Hochzeit mit Eva (Katrin Sass). Als es Busemann endlich gelingt, alle Schuld überzeugend von sich zu weisen, lässt man ihn nicht mehr raus: Nun hält ihn der BND für einen DDR-Spion.
Eine hübsche Geschichte (Buch: Uwe Wilhelm, Peter Gust, Hans-Werner Honert), die Hajo Gies außerdem ein bisschen temperamentvoller umsetzt, als es für den MDR üblich ist. Aber offenbar hatte man nicht im Sinn, das Unrecht in der DDR anzuprangern. "Heimweh nach drüben" ist eher eine Bitte um Verständnis: In ihrem Kern erzählt die Geschichte, warum jemand seine Heimat liebt, auch wenn und obwohl er weiß, dass sie ihre Fehler hat. Busemann ist kein Mitläufer, sondern ein Sachse, der wieder nach Hause will. Eine der schönsten Szenen ist allerdings eine Liebeserklärung an einen anderen Film. In ihrer Einsamkeit landen Busemann und Eva, er hier, sie dort (oder umgekehrt) beim gleichen Fernsehprogramm (Ost): Beide sehen "Die Legende von Paul und Paula", den Defa-Klassiker von Reiner Carow und Ulrich Plenzdorf, in dem ein Mann und eine Frau gegen alle gesellschaftlichen Konventionen um ihre Liebe kämpfen. tpg.
| Darsteller: | Wolfgang Stumph | als Stephan Busemann | |
|---|---|---|---|
| Katrin Saß | als Eva Linde | ||
| Jürgen Tarrach | als Hubert Busemann | ||
| Steffen Groth | als Martin Busemann | ||
| Winnie Böwe | als Bettina Busemann | ||
| Petra Berndt | als Silvia Geier | ||
| Bernd Michael Lade | als Kurt Hempel | ||
| Franziska Troegner | als Renate Giering | ||
| Günter Junghans | als SED-Genosse Scholz | ||
| Udo Schenk | als Stasi-Mitarbeiter Strassmann | ||
| Walter Nickel | |||
| Regie: | Hajo Gies | ||
| Drehbuch: | Uwe Wilhelm | ||
| Peter Gust | |||
| Hans-Werner Honert | |||
| Produzent: | Hans-Werner Honert | ||
| Kamera: | James Jacobs | ||
| Musik: | Thomas Natschinski | ||
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