Nostalgisch geprägter Blick auf eine "Maison close", ein Pariser Edelbordell um die Jahrhundertwende. http://images.kino.de/flbilder/max12/auto12/auto11/12110350/b150x150.jpg Haus der Sünde

Filmdetails

Haus der Sünde

Nostalgisch geprägter Blick auf eine "Maison close", ein Pariser Edelbordell um die Jahrhundertwende.


Haus der Sünde
Start: 19.04.2012

Originaltitel: L' Apollonide (Souvenirs de la maison close)

Drama

Frankreich 2011
Laufzeit: 125 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Hafsia Herzi
Céline Sallette
Jasmine Trinca

Regie: Bertrand Bonello
Verleih: NFP (Filmwelt)

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Inhalt

In einem Edelbordell um die Jahrhundertwende feiern junge Mädchen unter der Kontrolle der resoluten Puffmutter mit ihren solventen Kunden Orgien und sind charmant zu Diensten. Geschwelgt wird luxuriös in Plüsch, Seide und Spitze, bis ein Freier das Gesicht einer Prostituierten verstümmelt und sich Angst breit macht. Im März 1900 steht das Etablissement vor der Schließung, die Syphilis fordert ein Opfer, Opium macht die Existenz erträglich. Die Zukunft der Liebesdamen ist unsicher.


Kritik

Haus der Sünde

Fast nostalgisch geprägter Blick auf eine "Maison close", ein plüschiges Pariser Edelbordell, um die Jahrhundertwende von 1900.

Straßenstrich und Billighotels. Das Geschäft mit dem Sex ist heute nüchtern, lässt keine Illusion von Liebe zu. Ganz anders der Blick zurück von Bertrand Bonello auf die Endzeit der berühmten "Maisons closes", französische Bordelle unter einer Madame, die "ihre" Mädchen den solventen Kunden zuführte. Da ging nichts ruckzuck, sondern die Damen räkelten sich verführerisch mit und ohne Korsett, zeigten viel Haut und manchmal auch Esprit, die leichte Konversation davor gehörte dazu. Geschwelgt wird in teurer Spitze, rotem und grünem Plüsch bei Kerzenlicht und natürlich darf auch das Champagnerbad nicht fehlen, die Zigarettenspitze und ein Brett- oder Kartenspiel bevor es vom Salon in die kitschig ausgestatteten Zimmer geht. Die gelockten Liebesdamen mit Fantasienamen wecken Assoziationen an Modelle von Monet, Manet und Courbet, sie verlassen das Haus so gut wie nie, ein Picknick am Fluss ist die Ausnahme. Ihr Erscheinen im Salon - frisch gekämmt, gekleidet und parfümiert - inszenieren sie wie einen Auftritt, spielen sie doch eine Rolle, je nach Wunsch die Geisha oder die Puppe, die Liebende, Ekstatische, Gefühlvolle aber immer Willige, auch wenn die Augen oft leer bleiben, die Gesten mechanisch. Die Mädchen helfen untereinander. So bleibt auch Madeleine in der Gemeinschaft, als ihr Gesicht von einem Freier grausam verstümmelt wird und sie an den Joker aus "Batman" erinnert.

Herrscht im ersten Teil eine mehr entspannte Atmosphäre (auch wenn nach der monströsen Tat Angst hinter der freundlichen Fassade lauert), kommt im zweiten die Zeit der Ernüchterung. Das Etablissement steht vor der Schließung, die Puffmutter verlangt mehr Arbeitseinsatz, die Syphilis fordert ein Opfer, die Opiumpfeife macht die Runde und die Existenz erträglich. Vorbei die Zeit der Muße und der Leichtigkeit. Mit einigen fantastischen Momenten - die Mädchen tanzen am Totenbett auf "Nights in White Satin", Madeleine weint Spermatränen - beschließt Bonello das traurige Märchen von der falschen Lust und den falschen Träumen, über dem der Geist von Baudelaires "Die Blumen des Bösen" schwebt. Er zelebriert und verguckt sich in weibliche Schönheit, verklärt die Beziehungen der Mädchen untereinander, wo es weder Neid noch Eifersucht gibt und verliert sich in der Romantisierung eines knallharten Geschäfts, um dann wieder ungeschminkt vom Zerfall einer Welt und der emotionalen Verwahrlosung von Menschen als Ware zu erzählen, von der marginalen Grenze zwischen Glanz und Elend. mk.

Haus der Sünde

Darsteller:  Hafsia Herzi   als Samira
  Céline Sallette   als Clothilde
  Jasmine Trinca   als Julie
  Adèle Haenel   als Léa
  Alice Barnole   als Madeleine
  Iliana Zabeth   als Pauline
  Noémie Lvovsky   als Marie-France
  Judith Lou Lévy  
  Anaïs Thomas  
  Pauline Jacquard  
  Maïa Sandoz  
  Joanna Grudzinska  
  Esther Garrel  
  Jacques Nolot  
  Xavier Beauvois  
  Louis-Do de Lencquesaing  
  Laurent Lacotte  
 
Regie:  Bertrand Bonello  
Drehbuch:  Bertrand Bonello  
Produzent:  Kristina Larsen  
  Bertrand Bonello  
Kamera:  Josée Deshaies  
Schnitt:  Fabrice Rouaud  
Musik:  Bertrand Bonello  
Produktionsdesign:  Alain Guffroy  
Kostüme:  Anaïs Romand  
Ton:  Jean-Pierre Laforce  
Casting:  Richard Rousseau  

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