Visuell wunderschön, aber oberflächlich aufbereitete Modernisierung eines Charles-Dickens-Romans. http://images.kino.de/flbilder/max02/mbiz02/mbiz34/z0234126/b150x150.jpg Große Erwartungen

Filmdetails

Große Erwartungen

Visuell wunderschön, aber oberflächlich aufbereitete Modernisierung eines Charles-Dickens-Romans.


Große Erwartungen
Start: 05.03.1998

Originaltitel: Great Expectations

Drama

USA 1997
Laufzeit: 111 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Ethan Hawke
Gwyneth Paltrow
Hank Azaria

Regie: Alfonso Cuarón
Verleih: Fox

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Action
Humor
Romantik
Spannung
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lau

Inhalt

Der Waise Finnegan Bell wächst in einem Fischernest an der Küste Floridas bei Onkel Joe auf. Gerne besucht er Estella, die Nichte der von Männern enttäuschten Miss Dinsmoor in ihrem noblen Haus. Er verliebt sich hemmungslos, doch Estrella verschwindet aus seinem Leben bis sie sich als Erwachsene in New York wiedertreffen: er inzwischen Künstler, sie als sein Modell.


Kritik

Große Erwartungen

Weil nicht jede Perle auch als Schmuckstück erkannt wird, fand Alfonso Cuarons Adaption von Frances Hodgson Burnetts Roman "Little Princess" trotz bester US-Kritiken nie den Weg in die deutschen Kinos. Dieses Versäumnis unterstreicht Cuarons Nachfolgeprojekt "Große Erwartungen", das den Mexikaner und seinen Kameramann Emmanuel Lubezki als Filmemacher von erlesenem visuellen Geschmack bestätigt. Die von beiden auf Film gebannte Neuinterpretation eines literarischen Meisterwerkes ist zwar Dickens light, dabei aber von zauberhafter, romantischer Qualität und sollte gerade auch vom jugendlichen Publikum, auch ohne einen Magneten wie Leonardo DiCaprio, umarmt werden.

Charles Dickens' 1860 veröffentlichter Klassiker ist vor allem in David Leans Verfilmung (1946) ein nahezu unantastbarer Meilenstein. Wohl auch deshalb mied Drehbuchautor Glazer eine werkgetreue, a priori zum Scheitern verurteilte Adaption, und vereinfachte den Plot, um ihn - befreit vom Schauerton und der gerade für diesen Roman so typischen Geheimniswelt - auf eine romantische Liebesgeschichte zu komprimieren. Dickens' gleichsam faszinierendes wie bedrohlich wirkendes, oft im Nebel gefangenes Themse-Marschland - das Symbol für die begrenzte Sicht der Kindheit, mit der die Welt der Erwachsenen nicht durchschaut werden kann - wird ersetzt von der Golfküste Floridas, die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts abgelöst durch die Gegenwart. Über drei Altersstufen hinweg begleitet der Film den Protagonisten Finn (zuerst der erstaunliche Newcomer Jeremy James Kissner, später Ethan Hawke), der mit acht Jahren den drei Personen begegnet, die sein Schicksal nachhaltig bestimmen werden: ein entflohener Sträfling (Leans atmosphärisch unvergeßliches Friedhofs-Meeting verlegt Cuaron ans lichtdurchflutete Meer), der später Finns Künstlerkarriere in New York anonym fördern wird (Robert De Niro auf den großen Spuren von Leans Finley Currie); eine alte Jungfer (Anne Bancroft), die aus enttäuschter Liebe in Schrulligkeit und Wahn flüchtet und schließlich Estella, ihre Nichte (zunächst Raquel Beaudene, später der schöne Schwan Gwyneth Paltrow), die von ihrer Tante zum snobistischen Eisklotz, zur Speerspitze ihrer Rache an den Männern erzogen wird. Leidtragender ist in erster Linie Finn, der sich vom ersten Augenblick an in diesen unnahbaren Engel aus dem "Verlorenen Paradies" verliebt.

Die Geschichte dieser Obsession steht im Mittelpunkt dieses verwunschen ausgestatteten (Produktionsdesigner Tony Burrough), malerisch bebilderten, romantischen Märchens, das vor allem dann überzeugt, wenn es sich selbst genügt, aber etwas oberflächlich wirkt, wenn ein Psychogramm der Charaktere, etwa der interessantesten Figur Estella (emotional ist sie zur Gleichgültigkeit erzogen, denn Liebe verletzt), gezeichnet werden soll, oder Dickens' Gesellschaftskommentare neuzeitlich adaptiert werden (Chris Cooper als Florida-Trampeltier in New York, die Verführung durch Reichtum und soziale Position - eine hier allenfalls gestreifte Ebene). Die großen Erwartungen erfüllt dieser Film somit vor allem in der exquisiten Optik und Inszenierung, die für zentrale Momente in Finns Leben magische Bilder findet. Dafür stehen etwa die erste Begegnung mit Estellas Lippen und Finns weitere, sinnlich aufgeladene, intime Momente mit seiner großen Liebe, die ihn aus dem Gleichgewicht bringt, was Cuaron mit verkanteten Einstellungen perfekt illustriert. Letztlich ist man vom visuellen Eindruck so verführt, daß zweitrangig wird, ob Finns Liebe auch uns berührt. kob.

Große Erwartungen

Darsteller:  Ethan Hawke   als Finnegan Bell
  Gwyneth Paltrow   als Estella
  Hank Azaria   als Walter Plane
  Chris Cooper   als Joe
  Anne Bancroft   als Ms. Dinsmoor
  Robert De Niro   als Lustig
  Josh Mostel   als Jerry Ragno
  Kim Dickens   als Maggie
  Nell Campbell   als Erica Thrall
  Gabriel Mick   als Owen
  Jeremy James Kissner   als Finnegan, 10 Jahre
  Raquel Beaudene   als Estella, 10 Jahre
  Stephen Spinella   als Carter Mcleish
 
Regie:  Alfonso Cuarón  
Drehbuch:  Mitch Glazer  
Produzent:  Art Linson  
Koproduzent:  John Linson  
Ausf. Produzent:  Deborah Lee  
Buchvorlage:  Charles Dickens  
Kamera:  Emmanuel Lubezki  
Schnitt:  Steven Weisberg  
Musik:  Patrick Doyle  
Produktionsdesign:  Tony Burrough  
  John Kasarda  
Kostüme:  Judianna Makovsky  
Ton:  Tom Nelson  

Ralph Fiennes verfilmt Charles Dickens-Biografie

Dreizehn Jahre lang versuchte Charles Dickens die Beziehung zur der Schauspielerin Ellen Ternan zu verbergen. Die Biografie "The Invisible Woman" von Claire Tomalin gibt Auskunft.

Großansicht Ralp Fiennes wird sich in nächster Zeit intensiv mit Dickens beschäftigen (Foto: Kurt Krieger)

Ralp Fiennes wird sich in nächster Zeit intensiv mit Dickens beschäftigen (Foto: Kurt Krieger)

Derzeit kämpft Ralph Fiennes im Kino für die böse Sache als Lord Voldemort. Demnächst jedoch möchte sich der Harry Potter-Star einem ganz anderem Thema widmen: Der Verfilmung der Charles Dickens-Biografie "The Invisible Woman" von Claire Tomalin. Darin geht es um die Beziehung des Schriftstellers zur der Schauspielerin Ellen Ternan.

Wie es heißt, wird Ralph Fiennes nicht nur Regie führen, sondern auch die Hauptrolle spielen. Als Ellen Ternan ist aktuell "An Education"-Star Carey Mulligan im Gespräch. Aber auch Abbie Cornish, Imogen Poots ("28 Weeks Later") und Felicity Jones stehen auf Fiennes' Wunschliste.

"Große Erwartungen" mit Ralph Fiennes?

Charles Dickens, Erfinder von "Oliver Twist" und "David Copperfield", hatte in den letzten dreizehn Jahren seines Lebens eine Affäre mit der Schauspielerin Ellen Ternan, die auch als "Nelly" bekannt wurde. Viel weiß die Forschung heute nicht über diese Liebesgeschichte, denn Dickens versuchte seinerzeit, die Affäre geheim zu halten. Wie es heißt, habe der zehnfache Vater seinen guten Ruf nicht ruinieren wollen.

Ralph Fiennes ist derweil noch für eine andere Dickens-Produktion im Gespräch: Ihm liegt ein Angebot zur Neuverfilmung des Romans "Große Erwartungen" vor, der zuletzt mit Gwyneth Paltrow und Ethan Hawke in den Kinos zu sehen war. Jetzt will sich "Prince of Persia"-Regisseur Mike Newell den Stoff vornehmen und hat Fiennes die Rolle des Sträflings Magwitch vorgeschlagen.

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