Uwe Ochsenknecht
Ralf Richter
Oscar Ortega Sánchez
Regie: Tomy Wigand
Verleih: Seven X (Central)
Fußball ist das Leben der vier Kumpels Hans, Mike, Theo und Bernie, aber längst nicht die Welt. Denn Hans, arbeitslos und hoch verschuldet, verwettet sein Haus auf das nächste Tor des koksenden Star-Stürmers Dios. Das geht schief. Mutter, Kind und heranwachsender Sohn verlassen den Pechvogel. Und der schmiedet den verzweifelten Plan, Dios zu kidnappen.

Mit der kurzweiligen Heiterkeit eines unterhaltsamen Fernsehfilms kommt diese Ruhrgebietskomödie daher und als erste Pro 7 Kinoproduktion im eigenen, neu gegründeten Verleih auf die großen Leinwände. Auch wer kein Fan von Schalke 04 ist, findet in dieser Geschichte von Männerfreundschaft, Frauenfrust, Suffköppen und Absteigern, sturen Vätern und aufmüpfigen Söhnen reichlich Gelegenheit für unkompliziertes Vergnügen. Regisseur Tomy Wigand hat ein gutes Gespür für stimmiges Lokalkolorit, Ton und Typisierung im Kohlenpott sind prächtig getroffen bis aufs letzte i-Tüpfelchen der Dialektfärbung.
Fußball ist zwar das Leben der vier Kumpels Hans (Uwe Ochsenknecht), Mike (Ralf Richter), Theo (Walter Gontermann) und Bernie (Michael Sideris), aber längst nicht die Welt. Daran lassen die Drehbuchautoren Mathias Dinter und Martin Ritzenhoff ebenso wie Regisseur Wigand keinen Zweifel. Denn die Probleme, die sie kriegen, spielen sich weit außerhalb des grünen Rasens ab. Das beginnt schon gleich nach den Titeln mit der hektischen Kontrastmontagesequenz zwischen Kreißsaal und Stadion. Das Baby, das im Moment des dramatischen Tors gegen Schalke auf die Welt kommt, wird mitsamt seiner Mutter dem glücklichen Vater das sorglose Fan-Leben nicht gerade leichter machen. Denn Hans, arbeitslos und hoch verschuldet, verwettet mit dem Mut zwischen Suff und Verzweiflung sein Haus auf das nächste Tor des argentinischen Star-Stürmers Dios (Oscar Ortega Sanchez), der allerdings mehr auf Koks und dem Absprung zu Inter Mailand aus ist. Die Rechnung kann also nicht aufgehen, Mutter und Kind verlassen den programmierten Katastrophen-Kandidaten, dessen heranwachsender Sohn bei der Gelegenheit ebenfalls die Kurve kratzt und lieber mit seiner Freundin turtelt, sowieso Künstler und nicht Fußballer werden will. In Gelsenkirchen ist schon bald die Welt nicht mehr in Ordnung. Und schon bald wird Hans klar, daß nicht nur der Schalker Kampfgeist hin ist, sondern auch seine Ehe und sein Familienleben.
So liegt der Schalk dieser Schalke-Schnurre eigentlich darin, daß es gar nicht so sehr um Fußball geht, sondern um die alltäglichen Dinge des Lebens in lustiger Pointierung guter alter TV-Tradition à la Millowitsch, Ohnsorg-Theater, Komödienstadl. Der spezifische Ruhrgebiets-Humor, der bereits in der Diktion, dem sprachlichen Duktus zwischen Poltern und genüßlichem Intonieren beginnt, ist in seiner bodenständigen direkten, vitalen Art eine Lebenseinstellung. Ideal, um emotionale Kinosituationen kommentierend zu brechen. So versteht sich auch die Entführung und Geiselnahme des argentinischen Stürmers als spielerisch realistische Bizarrerie und nicht als dramatischer Thriller-Effekt. Und es macht Spass, wie Uwe Ochsenknecht, Ralf Richter und die anderen alle den lokalen Dialekt brillant und absolut fehlerfrei beherrschen, fast verinnerlichen. Das macht gute Laune und die coole Kohlenpott-Posse vielleicht sogar zum Geheimtip. fh.
| Darsteller: | Uwe Ochsenknecht | als Hans Pollak | |
|---|---|---|---|
| Ralf Richter | als Mike | ||
| Oscar Ortega Sánchez | als Dios | ||
| Walter Gontermann | als Theo | ||
| Michael Sideris | als Bernie | ||
| Tana Schanzara | als Oma Käthe | ||
| Tobias Schenke | als Ernst | ||
| Marita Marschall | als Hilde Pollak | ||
| Jochen Kolenda | als Rudi | ||
| Thomas Balou Martin | als Hilbrecht | ||
| Horst D. Schessel | als Jurgen | ||
| Ludger Burmann | als Ulf | ||
| Regie: | Tomy Wigand | ||
| Drehbuch: | Matthias Dinter | ||
| Martin Ritzenhoff | |||
| Koproduzent: | Benjamin Herrmann | ||
| Ausf. Produzent: | Philip Voges | ||
| Mischa Hofmann | |||
| Kamera: | Diethard Prengel | ||
| Schnitt: | Christian Nauheimer | ||
| Musik: | Tobias Neumann | ||
| Martin Probst | |||
| Produktionsdesign: | Ralf Mootz | ||
| Kostüme: | Janne Birck | ||
| Ton: | Günther Stadelmann | ||
| Heiko Müller | |||
Der Ball ist flach und kommt im Eckigen: Das guckt der Fußballfan, wenn Japan schlummert.
Es ist schon erstaunlich: Da beten 50% der Erdbevölkerung zum Fußballgott, doch im Kino läuft zwar Boxen, Baseball oder gar rythmische Sportgymnastik, praktisch nie aber das runde Leder, das die Welt bewegt.
Hollywood sei Dank: Die USA sind eben der letzte weiße Fleck auf der Fußball-Weltkarte - und dürften das nach einer praktisch folgenlosen WM im eigenen Land auch für immer bleiben. Ausnahmen gibt es gleichwohl, und von denen sei hier die Rede.
Vom Außenseiter, der sich frei oder nach oben spielt, berichtet die sehenswerte schwedische Familienkomödie "Fimpen, der Knirps" von Bo Widerberg ebenso wie die amerikanische Militärkomödie "Die Boys von Kompanie C", wo die Rivalität zweier Army-Corps in einer Soccer-Schlacht entschieden wird.
Sly kopiert Kahn
Ein unbedingter Anspieltip für Fußballfans ist auch das Weltkriegsdrama "Flucht oder Sieg", in dem Cracks wie Sly Stallone (Torwart!), West-Ham-Idol Bobby Moore oder Pelé den Nazibesatzern zu Paris eine denkwürdige (und größtenteils unblutige) Schlappe bereiten.
In Vorbereitung befinden sich zudem ein Film über das sogenannte Fußballwunder von Bern unter der Regie von Sönke Wortmann sowie eine realitätsnahe Betrachtung zum Thema Bundesligaskandel '71/'72.
Fußballfans und Frauen
Auch wenn's manchen Funktionären und Sportindustriellen nicht passt: Noch gehört der Fan zum Fußball und steht als zwölfter Mann seinen ebensolchen.
Von Passion und Leidensbereitschaft des Vereinsanhängers, aber auch dem Los der jenem nahe stehenden Ehefrau bzw. Freundin berichtet "Fever Pitch", die nette Beziehungskomödie nach dem gleichnamigen und wohl besten Buch über Fußballbegeisterung.
Auf Schalke
Eine deutsche Variante dieses immergrünen Themas gibt es auch, und an "Fußball ist unser Leben" mit Uwe Ochsenknecht sollten nicht nur eingefleischte Schalker viel Freude finden.
Die Gelegenheit dazu gab's bisher mindestens einmal im Jahr, wenn Sat 1 seine Unmengen (!) von "ran"-Guckern mit eben jenem Film in die Sommerpause verabschiedete.
Diesmal vielleicht für immer.
Fußball über alles?
Schlägt der 12. Mann mal über die Stränge, redet der Fachmann von Hooliganismus (der Fan selbst, so alphabetisiert, nennt es "erlebnisorientierte Begeisterung"). Das Hohelied der Jungs, die in den Stadien die Stimmung machen, singt der italienische "Ultra". Der Zuschauer begleitet junge Fans des AS Rom auf eine katastrophale Auswärtsfahrt ins verhasste Turin.
Nach dem diesjährigen Showdown in der Serie A dürfte sich die Liebe zwischen den beiden Clubs kaum vergrößert haben.
Noch etwas härter zur Sache geht es in dem deutsch-britischen Drama "Undercover", wo ein Cop jede Distanz verliert und selbst zum Rowdy mutiert.
In Fachkreisen umstritten, aber prominent besetzt: Im britischen TV-Thriller "The Firm" entscheidet Gary Oldman die interne Hooligan-Qualifikation für die Euro '88 in Deutschland pittoreskerweise in Krawattenanzug und mit der Knarre in der Hand.
Haarig, haarig: Franz und Paul
Ein Sonderkapitel verdienten Fußballer auf der Leinwand, sind doch allein Franz Beckenbauers ("Libero") oder Paul Breitners ("Potato Fritz") 70er-Frisurendesign schon Glossen wert.
So aber sei vorrangig auf den britischen Hardcore-Rüpel Vinnie Jones (Leeds UFC) verwiesen, welcher seinerzeit mit einem beherzten Griff ins gegnerische Gemächt (Paul Gascoigne) berüchtigt und mittlerweile mit Thrillern wie "Bube, Dame, König, Gras" oder "Snatch - Schweine und Diamanten" sogar in den USA weltberühmt wurde.
"Mean Machine" heißt der nächste, wohl programmatische Titel der Kampfmaschine Ihrer Majestät.
Frohes Fußballfest, dann mal.
Thomas Abel
Zeitweilig einer der populärsten deutschen Schauspieler in Film und Fernsehen, gelang Uwe Ochsenknecht der Durchbruch in Doris Dörries...
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Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.