Regie: Cho Sung-Hyung
Verleih: Flying Moon (Zorro)
Das Wacken Open Air hat sich seit Jahren zum wichtigsten Festival für Heavy-Metal-Fans entwickelt. Die internationale Szene trifft sich alljährlich zur ohrenbetäubenden Party - in einem winzigen schleswig-holsteinischen Dorf. Dann stehen 2000 gutbürgerliche Einwohner 40.000 ausgewachsenen Schwermetallern gegenüber. Zwei Kulturen prallen aufeinander, symbolisiert durch Kirchenchor und gotteslästerliche Combos. Aber der kleine Ort lebt auch von den Nebeneinkünften. Und manchen begeistert der Mentalitätswandel gar.
Witzige Doku über ein verschlafenes Dorf, das alljährlich zum Metal-Mekka mutiert. Die Koreanerin Sung Hyung Cho gewann mit ihren skurrilen Einsichten über den Umgang der Bewohner mit dem Massenphänomen den renommierten Max-Ophüls-Preis.

Den etwas anderen Heimatfilm liefert die gebürtige Koreanerin Cho Sung-Hyung mit einer unterhaltsamen bis urkomischen Doku über das verschlafene norddeutsche Nest Wacken, das einmal im Jahr zum Metal-Mekka mutiert.
In Schleswig-Holstein, da ist die Welt noch in Ordnung. Kühe grasen auf Wiesen, die Felder scheinen einer landwirtschaftlichen Postkartenidylle entsprungen. Doch einmal pro Jahr findet hier das beliebteste Heavy-Metal-Festival Deutschlands statt, ein Open Air, das auch internationales Publikum anzieht. Zwei Welten prallen dann aufeinander, zwei Kulturen, die sonst fast überschneidungsfrei nebeneinander existieren. Wie die 1800-Seelen-Gemeinde mit dem kuriosen Phänomen von 40.000 lautstarken Headbangern umgeht, beschreibt Cho Sung-Hyung in einer amüsanten Studie mit humorvollen Tönen, wofür ihr unter anderem der renommierte Max-Ophüls-Preis verliehen wurde.
Das eigentliche Event bleibt bis auf den Schluss nur Hintergrund und bildet den Anlass für die Anatomie eines Dorfes, die mit einer gemächlichen Rundfahrt beginnt. In fast essayistischer Manier lernt man einige Einwohner kennen. Nichts kündet von dem alljährlichen Ausnahmezustand, von dem Tierschädel des Wacken Office mal abgesehen. Und doch hat sich das Open Air in die Identität der Menschen eingegraben. Die Bauern Trede und Plähn geben Einblick in ihren Ehe- und Arbeitsalltag sowie die Freizeitgestaltung - Tanzkurse, Stammtischabende, Blasmusikkapellen - was ältere Herrschaften eben so zu tun pflegen. Die Dorfjugend ist in der Minderzahl: Es gibt kaum mehr als zwei dem Schlankheitswahn verfallene Landpomeranzen, die 16-jährige Katrin und ihre Freundin, die von der Modelkarriere träumen und sich auf das Treffen freuen. Nicht so Katrins Oma Irma, die beim Kaffeekränzchen mit ihrer Bekannten Horrorgerüchte von blasphemischen Teufelsanbetern und ihrer schauerlichen Metalmusik zum Besten gibt. Kurz darauf erzählen die beiden Heimatvertriebenen von der Flucht aus Ostpreußen über das gefrorene Haff - nicht der einzige Moment, der einem nahegeht. Mit dem unbefangenen Blick einer Ausländerin entdeckt Cho in diesen schräg-komischen Interviews überaus sensibel das Menschliche. Die Befragten verkünden dann im steifen norddeutschen Akzent die irrsten Ansichten und lassen sich zu den eigentümlichsten Aussagen hinreißen. Solche Originale, herrlich kauzig und auch provinziell naiv - doch immer liebenswert - sind der Trumpf des Films, der das Zeug zur Doku des Jahres hat. tk.
| Regie: | Cho Sung-Hyung | ||
|---|---|---|---|
| Drehbuch: | Cho Sung-Hyung | ||
| Produzent: | Helge Albers | ||
| Roshanak Behesht Nedjad | |||
| Konstantin Kröning | |||
| Kamera: | Marcus Winterbauer | ||
| Schnitt: | Cho Sung-Hyung | ||
| Ton: | Bernd von Bassewitz | ||
Es war ein guter Kinojahrgang!
Mystisch, spielerisch und einfach wunderschön: Die zeit- und raumüberspannende Liebesgeschichte "The Fountain" hat es uns 2007 besonders angetan (Foto: Buena Vista)
Ob optische Perlen wie "300", feiner Witz wie in "Schräger als Fiktion" oder Brachiales á la "Hot Fuzz" und "Rocky Balboa" - ins Kino gehen hat uns auch dieses Jahr mal wieder aus den verschiedensten Gründen viel Freude bereitet.
So verschieden die Charaktere im Team von KINO.DE sind, so unterschiedlich sind natürlich auch die Tipps unserer Mitarbeiter, welcher Film sich besonders eingeprägt hat und vielleicht eine zweite Vorstellung auf DVD wert wäre. Erstaunlicherweise waren sich viele Kollegen aber bei einem Film einig, von dem das nicht zu erwarten war: "The Fountain" ist ein kleines Kinojuwel mit unvergesslsichen Bildern, einer wunderbar verwinkelten Story und einem genial aufspielenden Darsteller-Duo Hugh Jackman und Rachel Weisz. Sehen Sie selbst:
Wir wünschen noch frohe Feiertage!
Ihr Team von KINO.DE
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.