Meret Becker
Elisa Schlott
Barnaby Metschurat
Regie: Güzin Kar
Verleih: Movienet (24 Bilder)
Der gut aussehende Eduardo kommt als neuer Arzt in einen kleinen Ort im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet am Rhein und tut sich etwas schwer mit dem Einleben. Dort wohnt die 15-jährige Nana mit ihrer offenherzigen und etwas prolligen Mutter Roberta. Beide sind auf der Suche nach was Besserem im Leben. Und während Roberta versucht, endlich erwachsen zu werden, träumt Nana davon, als Kapitän zur See zu fahren. Und dass sie den Traum nicht aufgibt, dabei hilft ihr schließlich Eduardo.

Mutter und Tochter müssen in Güzin Kars singfreudiger Tragikomödie, die das Herz am rechten Fleck trägt, erwachsen werden.
Als Eduardo (Barnaby Metschurat), der neue Arzt in dem kleinen Kaff im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet am Rhein, vergeblich angeln will, empfiehlt ihm die noch 15-jährige Nana (Elisa Schlott), die dort als Schleusenwart arbeitet, das lokale Fischgeschäft, das alle Sorten führt - bis auf die fliegenden. Die gibt es nur im Meer. Und dorthin möchte das frühreife Mädchen: nämlich als Kapitän zur See fahren. Der junge, gutaussehende Arzt wird ihr helfen, diesen schon fast aufgegebenen Traum zu verfolgen, derweil sich zwischen beiden andeutungsweise eine Liebesgeschichte entwickelt, die doch keine sein darf. Das verleiht der ansonsten alle gängigen "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken"-Klischees auffahrenden Tragikomödie einen pikanten erotischen Subtext, der nicht so ganz zum etwas prüden TV-Look passen will.
Vornehmlich handelt Güzin Kars Film, einer Schweizerin mit türkischen Wurzeln, die alle drei "Wilden Hühner"-Drehbücher schrieb, von einem Mutter-Tochter-Gespann in vertauschten Rollen, die beide das lernen müssen, was sie nicht können: Die Mutter Roberta (Meret Becker), ein ordinäres Flittchen, das verbal in die Offensive geht, versucht erwachsen zu werden. Die Tochter, die als Ich-Erzählerin den Handlungsfortlauf erfrischend zynisch kommentiert, sollte Jugendliche sein dürfen, anstatt Vollversorgerin ihrer beiden kleinen Geschwister. Ein doppeltes Coming-of-Age, das seine Problemlagen mit viel unverfänglichem Klamauk löst, der aber abwechslungsreich inszeniert ist und durch viele Regieeinfälle einen herzlichen Ton erhält.
Dafür sorgen auch die mit einigen deftigen Dialogen versehene Parodie-Sequenzen auf bräsige Provinznester, in der zahlreiche Karikaturen auftreten, die aber trotz mancher Häme durchweg positiv, wenn auch oft eindimensional gezeichnet sind. So gestaltet sich die Suche nach einem Mann für die Familie, der das Jugendamt im Nacken sitzt, auch deshalb so unterhaltsam, weil der Film munter zwischen lockerer Beziehungsdramödie und Teenie-Melodram pendelt. Die erfolglosen One-Night-Stands der Proll-Braut, ihr Unwille gegen einen kinderlieben Softie, sowie die aufkeimenden Gefühle des Mädchens sind keineswegs Kontrast, sondern unterstreichen mit dem Leonard-Cohen-Soundtrack unerfüllte Sehnsüchte, die vor allem Elisa Schlott besonders anrührend darstellt. Sie hat das Potenzial zur namhaften Schauspielerin.
tk.
| Darsteller: | Meret Becker | als Roberta Meiringer | |
|---|---|---|---|
| Elisa Schlott | als Nana Meiringer | ||
| Barnaby Metschurat | als Eduardo | ||
| Hanspeter Müller-Drossaart | als Karl Hauser | ||
| Mona Petri | als Doris Gilbert | ||
| Andreas Matti | als Herr Gilbert | ||
| Annette Corti | als Nora Peters | ||
| Alia Duncan | als Tatjana Meiringer | ||
| Isabella Schmid | als Elvira Thommen | ||
| Joseph Sunkler | als Toto Meiringer | ||
| Regie: | Güzin Kar | ||
| Drehbuch: | Güzin Kar | ||
| Produzent: | Ruth Waldburger | ||
| Dietmar Güntsche | |||
| Kamera: | Benjamin Dernbecher | ||
| Schnitt: | Benjamin Fueter | ||
| Musik: | Fabian Römer | ||
| Produktionsdesign: | Gerald Damovsky | ||
| Kostüme: | Barbara Schwarz | ||
| Ton: | Michael Schlömer | ||
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