Mira Partecke
Katharina Bellena
Laura Tonke
Regie: Tatjana Turanskyj
Verleih: Filmgalerie 451
Architektin Greta wurde gerade entlassen und versucht sich als Freischaffende. Auf dem leergefegten Arbeitsmarkt findet sie aber nur etwas im Callcenter. Den Job behält sie nicht lange, weil sie sich den Regeln nicht unterwerfen will. Ihr zwölfjähriger Sohn hält sie für eine Versagerin, und auch ihre Freunde stehen nicht hinter ihr. Zynisch ergibt sie sich dem Alkohol und stürzt vollends ab.

Experimentelles, desillusionierendes Psychogramm einer arbeitslosen Architektin, die immer tiefer in die soziale Isolation taumelt.
So brüchig wie die Arbeitsbiografie von Greta (Mira Partecke aus "Der Letzte macht das Licht aus") ist auch die Dramaturgie dieser Studie einer modernen Frau in einem ungemütlichen Berlin. Ihre Unfähigkeit, sich dem brutalen Wettbewerb anzupassen, bezahlt sie mit einem haltlosen Abstieg. Cassavetes "Eine Frau unter Einfluss" oder auch Kolleks "Sue" kommen in den Sinn, wenn Mira Partecke wie eine deutsche Tilda Swinton in einer Kaskade von mitunter experimentellen Szenen ein Falling Down ins Nichts hinlegt. Der ironische Titel des Spielfilmdebüts von Tatjana Turanskyj verweist auf den Hintersinn eines anspruchsvollen, unorthodoxen Autorenfilms.
Zunächst tritt Greta als selbstbestimmte Freiberuflerin auf, die von ihrem Architekturbüro entlassen wird. Auf dem leergefegten Arbeitsmarkt findet sie nur einen Job im Callcenter, den sie nicht lange behält, weil sie keine Lust hat zu funktionieren. Weder bei Freunden, ihrem zwölfjährigen Sohn Lukas, der die Mutter als Versagerin apostrophiert, noch beruflich kann sie andocken; auch weil sie spröde auf Distanz geht. Turanskyj entwirft einen unbequemen Charakter, den man schwerlich mögen kann. An ihm erforscht sie immer entfremdetere Formen des Daseins bis hin zum Vollabsturz im Alkohol, nachdem die überschuldete Protagonistin den zynischen Rückzug angetreten ist. Bin ich meine Arbeit oder auch ohne Job noch ein Mensch und obendrein etwas wert? Das sind die zentralen Fragen, deren Antworten deprimierend ausfallen.
Es wird prekär, in erster Linie auf einem psychologischen Level, denn der stilistisch harte, zerklüftete Anti-Heimatfilm bebildert Seelenarchitekturen einer Unangepassten, die ihre Haltung bewahren will - was im Berufsleben einfach unmöglich ist. Tatjana Turanskyjs Wurzeln im Theater und in der Performance schlagen sich im Film deutlich sichtbar nieder, der zwar sperrig und mitunter prätentiös wirkt, sich aber mit fast surrealistischen Impressionen und auswegloser Unnachgiebigkeit an eine Figur heftet, die wie geschaffen für Programmkinos ist.
tk.
| Darsteller: | Mira Partecke | als Greta | |
|---|---|---|---|
| Katharina Bellena | als Loretta, polnische Ökonomin, jetzt Kosm | ||
| Laura Tonke | als Ann, Callcenterchefin | ||
| Andina Weiler | als Fee, die Sekretärin | ||
| Bastian Trost | als Kluge, Blogger und Stadtführer | ||
| Sven Seeger | als Sven, Tänzer | ||
| Torsten Haase | als Torsten, Tänzer | ||
| Fabio Pink | als Fabio, Tänzer | ||
| Ilia Papatheodorou | als Francesca, Architektin | ||
| Michaela Benn | als Marlene, Mutter und Architektin | ||
| Thorsten Heidel | als Max, Studienkollege | ||
| Ninoschka Schlothauer | als Schulungscallcenteragent | ||
| Franziska Dick | als Frau Zeller, Lehrerin | ||
| Gisela Gard | als Der Coach | ||
| Mattis Hausig | als Lukas, Sohn | ||
| Birgit Acar | als Maria, eine alte Freundin | ||
| Anna Schmidt | als Kracht, eine Sachbearbeiterin | ||
| Anna Eger | als Die gefährliche Mutterschaft | ||
| Saskia Draxler | als Saskia, ein Consultant | ||
| Chunchun Qian | als Sue, eine Designerin | ||
| Aizhen Xu | als Lili, eine Designerin | ||
| Weihua Wang | als Dolmetscherin | ||
| Roman Weiler | als Tim, sein Fussballfreund | ||
| Horst Markgraf | als Paul, der Vater von Lukas, Exmann | ||
| Sean Patten | als Sean, der englische Banker | ||
| Timur Isik | als Mann in der Bar | ||
| Dorothea Moritz | als Schauspielerin, Hölderlinkennerin | ||
| Regie: | Tatjana Turanskyj | ||
| Drehbuch: | Tatjana Turanskyj | ||
| Kamera: | Jenny Barth | ||
| Schnitt: | Ricarda Zinke | ||
| Musik: | Niels Lorenz | ||
| Kostüme: | Ingken Benesch | ||
| Maske: | Miriam Jacks | ||
| Verena Lindauer | |||
| Patricia Makosch | |||
| Khaoula Selmi | |||
| Katharina Thieme | |||
| Claudia Zweifel | |||
| Ton: | Matthias Gauerke | ||
| Casting: | Anna Schmidt | ||
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