Abbas Kiarostami entwickelt aus der Begegnung von zwei Fremden ein filigranes Beziehungsspiel zwischen Wahrheit und Wahrnehmung, Täuschung und Lüge. http://images.kino.de/flbilder/max11/auto11/auto33/11330174/b150x150.jpg Die Liebesfälscher

Filmdetails

Die Liebesfälscher

Abbas Kiarostami entwickelt aus der Begegnung von zwei Fremden ein filigranes Beziehungsspiel zwischen Wahrheit und Wahrnehmung, Täuschung und Lüge.


Die Liebesfälscher
Start: 13.10.2011

Originaltitel: Copie conforme

Drama / Lovestory

Frankreich/Italien 2010
Laufzeit: 106 Min.
FSK: o.A. (ohne Altersbeschränkung)

Juliette Binoche
William Shimell
Jean-Claude Carrière

Regie: Abbas Kiarostami
Verleih: Alamode (Filmagentinnen)

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Inhalt

Auf einer Lesereise in Italien trifft der britische Autor James Miller eine französische Kunstexpertin. Die beiden entschließen sich, am nächsten Tag zu einem Ausflug in ein pittoreskes Dorf. Schon während der Fahrt knistert es zwischen ihnen, sie sprechen über die Kunst, das Leben und die Liebe und geben sich für ein seit 15 Jahren verheiratetes Paar aus. Immer wieder stellt sich die Frage nach Wahrheit und Wahrnehmung, Täuschung und Lüge, Original und Fälschung. Spielen sie oder sind sie ein Paar, artikulieren sie nur eigene Ängste oder suchen sie eine Erklärung für ihr Scheitern?


Kritik

Die Liebesfälscher

Abbas Kiarostami entwickelt aus der Begegnung von zwei Fremden ein filigranes Beziehungsspiel zwischen Wahrheit und Wahrnehmung, Täuschung und Lüge.

"Ein Mann und eine Frau", Claude Lelouchs Liebesfilm aus dem Jahre 1966, war trotz aller Tragik emotional eine klare Sache. In Abbas Kiarostamis Vexierspiel stehen auch ein Mann und eine Frau im Mittelpunkt, aber nichts ist klar, sondern alles bleibt bis zum verrätselten Ende offen.

Schon zu Beginn, wenn der britische Autor James Miller bei einer Lesung in der Toskana über Kunstwerke und ihre Kopien liest und eine französische Kunstexpertin trifft, geht es um das Thema Wahrheit. Sie scheinen sich zu kennen und wollen sich die Zeit bis zur Abreise des Schriftstellers mit einem Kurztrip aufs Land vertreiben. Auf der Fahrt in ein Bergdorf, Treffpunkt für Hochzeiten, knistert es zwischen den beiden. Im pittoresken Ambiente angekommen, geben sie vor, schon seit 15 Jahren verheiratet zu sein.

Sein und Schein bleiben undurchschaubar, spielen sie das Ehepaar oder haben sie sich wirklich auseinander gelebt und versuchen nun in langen Gesprächen den Grund herauszufinden, oder artikulieren sie nur ihre eigenen Ängste? Rotieren sie vielleicht nur um die Frage, was wäre wenn? Aus dem erst leichten, dann immer tiefer gehenden emotionalen Pingpong kommt es zu einer Diskussion über das Verhältnis von Original und Fälschung in der Kunst und im Leben, Verletzungen und Enttäuschungen. Die idyllische toskanische Landschaft im Hintergrund steht im Kontrast zu den manchmal philosophischen Ausführungen, die aber nicht in dröger Theoriebildung enden, sondern immer wieder in der Realität ihren Gegenentwurf finden.

Nach Jahren der Beschäftigung mit Fotografie, Poesie und mehr experimentellen Werken kehrt der Iraner Abbas Kiarostami in seinem ersten komplett in Europa gedrehten Film zum narrativen Kino zurück und erweist sich erneut als Meister des Kunstfilms, wenn er geschickt Spiegelungen einsetzt oder bewusst Assoziationen an Roberto Rossellinis "Reise in Italien" aus dem Jahre 1954 weckt. In diesem melancholischen Adieu an die romantisch-bürgerliche Verheißung der großen Liebe und dem Clash zwischen weiblicher Romantik und männlichem Pragmatismus zieht Juliette Binoche (Beste Darstellerin in Cannes) an der Seite von William Shimell alle Register. mk.

Die Liebesfälscher

Darsteller:  Juliette Binoche   als Sie
  William Shimell   als James Miller
  Jean-Claude Carrière   als der Mann am Platz
  Agathe Natanson   als die Frau am Platz
  Gianna Giachetti   als Café-Inhaberin
  Adrian Moore   als der Sohn
  Angelo Barbagallo   als der Übersetzer
  Andrea Laurenzi   als der Stadtführer
  Filippo Troiano   als der Bräutigam
  Manuela Balsimelli   als die Braut
 
Regie:  Abbas Kiarostami  
Drehbuch:  Abbas Kiarostami  
Produzent:  Marin Karmitz  
  Nathanaël Karmitz  
  Angelo Barbagallo  
  Abbas Kiarostami  
Ausf. Produzent:  Gaetano Daniele  
Kamera:  Luca Bigazzi  
Schnitt:  Bahman Kiarostami  
Produktionsdesign:  Giancarlo Basili  
Ton:  Dominique Vieillard  
  Olivier Hespel  

Triumph des poetischen Kinos

Lange war gerätselt worden, welcher Film des Wettbewerbs dem diesjährigen Jurypräsidenten Tim Burton am besten gefallen könnte ...

Großansicht Goldene Palme für das meditative Kunstwerk "Uncle Boonmee" (Foto: Illuminations Films)

Goldene Palme für das meditative Kunstwerk "Uncle Boonmee" (Foto: Illuminations Films)

Würde er ein verspieltes Werk wählen, das seinen eigenen Filmen gleicht, oder würde als Kontrastprogramm eher ein knallhart-realistischer Film das Rennen machen? An letzteren herrschte im diesjährigen Cannes-Jahrgang kein Mangel. Politischer als in den Vorjahren präsentierte sich das Weltkino an der Croisette, mit Filmen über den Algerienkrieg, den islamischen Fundamentalismus, über Irakkriegs-Söldner und politische Kriegstreiber, den Überlebenskampf in den Metropolen oder in der postsowjetischen russischen Provinz.

Schließlich vergaben Tim Burton und seine acht Jurykollegen die Goldene Palme an einen poetischen Film aus Thailand: "Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives" (auf deutsch: "Onkel Boonmee, der sich an seine vergangenen Leben erinnern kann") von Apichatpong Weerasethakul. Der Film folgt einem schwerkranken alten Mann in den Dschungel, wo er mit seinen Angehörigen in aller Seelenruhe seine letzten Tage verbringt, den Geist seiner verstorbenen Frau und ein freundliches Zottelmonster trifft. Ein traumtänzerischer Film, der den Zuschauer hinter die Dinge blicken lässt und dem Tod seinen Schrecken nimmt - Filmkunst im besten Sinne, die leider viel zu selten jenseits der Festivals zu sehen ist.

Der große Preis der Jury ging ebenfalls an einen wunderbar ruhigen Film mit starken und transzendentalen Bildern, die im Gedächtnis haften bleiben: "Des hommes et des dieux" ("Von Menschen und Göttern"). Xavier Beauvois zeichnet hier die wahre Geschichte einer kleinen Gruppe katholischer Mönche nach, die in den neunziger Jahren im Atlas-Gebirge in Algerien leben. Gezeigt wird der Alltag der Brüder, die ein harmonisches Miteinander mit den muslimischen Einheimischen führen. Bis eines Tages der Bürgerkrieg das verschlafene Dorf erreicht und die Mönche von islamischen Fundamentalisten bedroht werden. Nun ist die essentielle Frage: Bleiben oder fliehen? Die Brüder entschließen sich zum Bleiben und in einer erhebenden Szene, die an das letzte Abendmahl erinnert, fängt die Kamera - untermalt mit Tschaikowskis "Schwanensee" - noch einmal liebevoll jedes einzelne Gesicht des starken Ensembles ein.

 
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Verdient ist auch der Schauspielpreis an Penélope Cruz' bessere Hälfte Javier Bardem, für seine Rolle als krebskranker Drogendealer in Alejandro González Iñárritus düsterem Drama "Biutiful". Es bleibt das Geheimnis der Jury, warum Bardem sich diese Auszeichnung mit Elio Germano teilen musste. Letzterer gibt in dem beschwingten italienischen Beitrag "La nostra vita" überzeugend einen jungen Underdog, der sich nach dem Tod seiner Frau mit seinen drei Kindern allein durchschlagen muss, doch er kann Bardem nicht das Wasser reichen.

Bei den Damen machte Juliette Binoche als überspannte Antiquitätenhändlerin in "Copie conforme" ("Beglaubigte Kopie") das Rennen, Abbas Kiarostamis raffiniertem Vexierspiel über das Auseinanderleben eines Paares, das womöglich in Wahrheit gar keines ist, sondern die Ehekrise nur spielt.

Die große Sensation des in diesem Jahr mit vielen allzu mittelmäßigen Filmen bestückten Programms war indes "Carlos - Der Schakal", der außer Konkurrenz startete. Ein atemberaubender epischer Thriller über den Terroristen "Carlos" (großartig gespielt von Edgar Ramirez), der in den siebziger Jahren zweifelhaften Weltruhm erlangte. Selten wurde Zeitgeschichte so spannend aufbereitet, und dies auf fünfeinhalb Stunden. Wem dies zu lang erscheint, der kann sich ab Herbst in den deutschen Kinos auch eine auf 160 Minuten gekürzten Fassung ansehen.

Star

Juliette Binoche

Ihre Krankenschwester in Italien, die sich in dem Welterfolg "Der englische Patient" in einem verlassenen Kloster um den mysteriösen...

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