Packender Psychothriller über einen Kindergärtner, der sich an einem Mädchen vergangen haben soll und Zielscheibe aufgestauter Aggressionen wird.
Jagdszenen in Dänemark: Thomas Vinterberg feiert mit einer Variation von "Der falsche Mann" ein beeindruckendes Comeback.
Eine der großen Überraschungen des 65. Festival de Cannes war die Rückkehr von Thomas Vinterberg, der 14 Jahre zuvor in Cannes mit "Das Fest " einen Volltreffer landete und seither so sehr an der Bürde des frühen Erfolgs litt, dass man ihn gemeinhin schon abgeschrieben hatte. "It's All About Lov " und "Dear Wendy" waren überkandidelte Fehlschläge. "Submarino" war 2010 in Berlin immer noch weit entfernt von der Klasse, die der Dogma-Mitbegründer einst angedeutet hatte. Und doch markierte diese Tragödie über zwei Brüder am unteren Rand der dänischen Gesellschaft den Moment der Wende, der Zurückorientierung.
"Jagten/The Hunt" ist das Ergebnis der Wiederentdeckung der eigenen Stärken, erneut verfasst von "Submarino"-Drehbuchautor Tobias Lindholm. Die Jagdzenen aus Dänemark sind im Grunde eine Variation des klassischen Hitchcock-Themas vom fälschlich verfolgten Jedermann, der aus der Normalität gerissen wird und von heute auf morgen vor dem Nichts steht. Nur mit dem Unterschied, dass es hier noch nicht einmal ein Verbrechen gibt, das Auslöser für die Treibjagd auf einen unbescholtenen Mann ist, sondern einfach nur eine Lüge, unbedacht ausgesprochen von einem fünfjährigen Mädchen mit einer blühenden Fantasie, das sich zurückgewiesen fühlt. Ganz bewusst zeichnet Vinterberg seine Hauptfigur Lucas als Idealbild eines Mannes - besser könnte man sich einen ganzen Kerl gar nicht vorstellen: verständnisvoll, intelligent, humorvoll, trotz seiner Scheidung mit beiden Beinen mitten im Leben stehend, als geschätztes und gemochtes Mitglied einer kleinen Gemeinde, zum Beruf des Kindergärtners förmlich berufen. Doch dann sagt die kleine Klara, die Tochter seines besten Freundes, Lucas habe ihr sein erigiertes Glied gezeigt, und die Katastrophe nimmt unaufhaltsam ihren Lauf.
Vom kompletten Zusammenbruch der Normalität, von der Ächtung und Jagd auf einen Mann, dem man auf einmal das Schlimmste zutraut, dem Überlebenskampf des Geächteten, der als Freiwild Zielscheibe aufgestauter Aggressionen wird, und der dünnen Decke der Zivilisation erzählt der Film, eine Variation von Peckinpahs "Wer Gewalt sät", nur dass der Hass sich hier nicht auf einen Außenseiter, sondern auf einen der Eigenen konzentriert. Deckte "Das Fest" mit fiebrigen Bildern die Abgründe hinter einer mühsam aufrecht erhaltenen Fassade auf, ist "The Hunt" im Grunde dessen Antithese: Wie lange kann sich das Gute gegen stets zunehmende Aggression behaupten? Der Frage geht Vinterberg mit einem konsequent eskalierenden Survivalthriller mit der Humanität einer Susanne Bier nach, der in einer finalen Konfrontation zwischen Gejagtem und Jägern in einer Kirche kulminiert. Mads Mikkelsen ist phänomenal als in die Enge getriebener Jedermann, dessen gesamtes Leben vor seinen Augen in Chaos und Gewalt zu versinken droht. Der Darstellerpreis in Cannes geht trotz großer Konkurrenz (Trintignant in "Liebe", Denis Lavant in "Holy Motors") absolut in Ordnung. ts.
Nach der Trennung von seiner Frau arbeitet Lucas daran, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Er kann sich in der kleinen Gemeinde auf seinen Freundeskreis verlassen und findet Erfüllung in seinem Beruf als Kindergärtner. Besonders die kleine Klara, Tochter seines besten Freundes, sucht seine Nähe. Als sich Klara von ihm abgewiesen fühlt, setzt sie beleidigt die Lüge in die Welt, Lucas habe ihr sein erigiertes Glied gezeigt. In Windeseile eskaliert die Situation, die Jagd auf das Freiwild Lucas ist eröffnet.
| Originaltitel | Jagten |
| OV | - |
| OmU | Ja |
| Genre | Drama / Thriller |
| Filmpreis | - |
| USA-Start | 12.07.2013 |
| Kinostart (D) | 28.03.2013 |
| Besucher (D) | 93.355 |
| Einspielergebnis (D) | € 665.732 Bes. (EDI) 93.355 |
| FSK | ab 12 Jahre |
| WWW | - |
Tobias Lindholm
Drehbuch
Thomas Vinterberg
Produzent
Sisse Graum Jørgensen
Produzent
Morten Kaufmann
Produzent
Torben Stig Nielsen
Ausf. Produzent
Charlotte Bruus Christensen
Kamera
Janus Billeskov Jansen
Schnitt
Anne Østerud
Schnitt
Nikolaj Egelund
Musik
Manon Rasmussen
Kostüme
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