Originaltitel: The Chronicles of Narnia: Prince Caspian
Großbritannien/USA 2008
Ben Barnes
William Moseley
Georgie Henley
Regie: Andrew Adamson
Verleih: Walt Disney
Kaum ein Jahr nach ihrem ersten Abenteuer kehren die Pevensie-Geschwister Peter (William Moseley), Susan (Anna Popplewell), Edmund (Skandar Keynes) und Lucy (Georgie Henley) in das Zauberreich Narnia zurück. Dort sind indes 1300 Jahre vergangen und der blutrünstige König Miraz (Sergio Castellitto) beherrscht das Land. Der rechtmäßige Nachfolger, Prinz Kaspian (Ben Barnes), lebt im Exil. Die Kinder helfen ihm, den Thron wieder zu erlangen.
Die zweite Runde des "Narnia"-Zyklus nach C.S. Lewis schreibt Fantasy in Großbuchstaben und präsentiert ein sagenhaftes und sehr actionreiches Effektspektakel mit erstaunlichen Wunderwesen aus der Qualitäts-Schmiede von WETA ("Der Herr der Ringe") im gewaltigen Schlachtengemälde.
Mehr episches Schlachtengetümmel, mehr fantastische Zauberwesen, aber auch mehr Herz und Humor: Der zweite Film um das Königreich Narnia bietet Fantasy-Fans ein Kinoerlebnis, das sich fast schon wie ein Trip nach Mittelerde anfühlt.
Der knurrige Zwerg Trumpkin (Peter Dinklage) begleitet die vier Pevensie-Kinder in den Kampf zur Befreiung von Narnia (Foto: Walt Disney)
Es ist der Fluch des Peter Jackson: Wegen seines genialen neunjährigen Mammutprojekts muss sich seither jeder Fantasy-Film an "Der Herr der Ringe" messen lassen. Bisher hat freilich niemand diesem Vergleich auch nur annähernd standhalten können. Der erste "Narnia"-Film war noch einer der besseren Versuche - kein Wunder, immerhin stammt die beliebte Buchreihe vom Tolkien-Vertrauten C.S. Lewis.
Teil 2, "Prinz Kaspian von Narnia", entführt nun tatsächlich auf ähnlichem Niveau in eine magische Welt: Da werden Klingen gekreuzt wie in Helms Klamm, werden Bäume lebendig wie die Ents. Auch die Rettungsmission für ein ganzes Königreich muss den Vergleich mit der Erlösung Mittelerdes am Schicksalsberg nicht scheuen. Die vier Kinderkönige bringen zudem noch eine Spur Harry-Potter-Charme mit, sogar eine zarte Romanze fügt sich schön ein.
Titelheld Prinz Kaspian wendet sich gegen sein eigenes Volk, um Narnia wieder zu dem Zauberreich zu machen, das es einmal war (Foto: Walt Disney)
Nach ihrer Rückkehr aus Narnia haben die vier Pevensie-Kinder im tristen London ein langweiliges Jahr verlebt - erfüllt von Sehnsucht nach dem Zauberreich. Gerade als sie nicht mehr an eine Rückkehr glauben, finden Sie sich unversehens in der Welt wieder, die sie als Königs-Quartett regieren durften. Doch bald stellt sich heraus, dass in Narnia inzwischen 1300 Jahre vergangen sind. Das räuberische Menschenvolk der Telmarer hat auf Geheiß des Ursupators Miraz (Sergio Castellitto) alle Faune, Zentauren und sprechende Tiere aus ihrer Heimat vertrieben und das Land mit einer Schreckensherrschaft unterjocht.
Doch Hoffnung gibt es in der Person von Prinz Kaspian (Ben Barnes). Der rechtmäßige Thronerbe der Telmarer ist von seinem Hauslehrer zu Toleranz gegenüber den angeblichen Feinden erzogen und verbündet sich schließlich mit Narnias verjagten Zauberwesen. Mit Susans altem Horn hat er die vier kindlichen Herrscher wieder nach Narnia gerufen und gemeinsam stellen sie sich Miraz und seinen Schergen...
Die vier jungen Königsdarsteller William Moseley, Anna Popplewell, Skandar Keynes und Georgie Henley sind dabei merklich gereift, geben ihren Figuren und damit der ganzen Geschichte deutlich mehr Tiefe. Gerade Henley als jüngste Königin Lucy besticht durch eine faszinierende Mischung aus kindlicher Unschuld, die aber ganz im Sinne des Narnia-Schöpfers Aslan gleichzeitig die größte Weisheit und Reife bedeutet. Denn nur Lucy kann noch immer den Löwen Aslan sehen und seine Hilfe erbitten. Ihre Geschwister stürzen sich dagegen blind in Rivalitäten und kriegerische Konfrontation.
Viel Schlachten-Action bietet "Prinz Kaspian", in der die vier Jungmimen ziemlich brachial mitmischen. Auch wenn darunter im letzten Drittel des Films die erzählerische Spannung leidet, sorgen witzige Einlagen wie der eines Eingreiftrupps von Musketier-Mäusen für Auflockerung. Da scheint manchmal sogar ein Stück "Shrek"-Humor von Regisseur Andrew Adamson durch.
Genial animiert: Der sprechende Dachs "Trüffeljäger" ist der Stratege im Befreiungsfeldzug (Foto: Walt Disney)
Dass dabei die Mäuse mit ihren Mini-Degen, der Schwerttrupp von Zentauren oder die kämpfenden Greifvögel kein bisschen nach Computerwesen aussehen, liegt einmal mehr an der Effektschmiede WETA. Die Neuseeländer haben inzwischen noch deutlich mehr auf dem Kasten als zu "Herr der Ringe"-Zeiten.
Die Parallelen zu Mittelerde und Hogwarts fallen indes erst lange nach dem Kinobesuch auf. Denn währenddessen hat "Prinz Kaspian von Narnia" einen so komplett in seine Welt hineingezogen, dass man sich dabei fast selbst schon wie ein Faun oder Zentaur von Aslans Gnaden fühlt.
| Darsteller: | Ben Barnes | als Prinz Kaspian | |
|---|---|---|---|
| William Moseley | als Pete Pevensie | ||
| Georgie Henley | als Lucy Pevensie | ||
| Anna Popplewell | als Susan Pevensie | ||
| Skandar Keynes | als Edmund Pevensie | ||
| Peter Dinklage | als Trumpkin | ||
| Warwick Davis | als Nikabrik | ||
| Sergio Castellitto | als König Miraz | ||
| Pierfrancesco Favino | als General Glozelle | ||
| Damián Alcázar | als Lord Sopespian | ||
| Vincent Grass | als Doktor Cornelius | ||
| Alicia Borrachero | als Königin Prunaprismia | ||
| Shane Rangi | als Asterius | ||
| Cornell John | als Talsurm | ||
| Regie: | Andrew Adamson | ||
| Drehbuch: | Andrew Adamson | ||
| Christopher Markus | |||
| Stephen McFeely | |||
| Produzent: | Mark Johnson | ||
| Philip Steuer | |||
| Andrew Adamson | |||
| Koproduzent: | Douglas Gresham | ||
| Ausf. Produzent: | Perry Moore | ||
| Buchvorlage: | C.S. Lewis | ||
| Kamera: | Karl Walter Lindenlaub | ||
| Schnitt: | Sim Evan-Jones | ||
| Musik: | Harry Gregson-Williams | ||
| Produktionsdesign: | Roger Ford | ||
| Kostüme: | Isis Mussenden | ||
Mit Michael Apted versucht sich einer der erfahrensten Regisseure der Branche an der Wiederbelebung des "Narnia"-Franchise. Die Probleme im Vorfeld bescherten ihm den schwierigsten Film seiner Karriere.
Lucy, Kaspian und Edmund dürfen sich nun doch wieder in Narnia mit der Weißen Hexe herumärgern (Foto: Fox)
Es gibt wohl kaum einen Film, der von der Finanzkrise profitierte. Doch ausgerechnet der dritte Teil der "Narnia"-Trilogie "Die Reise auf der Morgenröte" hat ihr seine Existenz zu verdanken. Ende 2008 hatte sich Disney von dem Franchise verabschiedet, nachdem der zweite Teil, "Prinz Kaspian", weit hinter den kommerziellen Erwartungen zurückgeblieben war - auf 419 Mio. Dollar belief sich das weltweite Boxoffice, 325 Mio. Dollar weniger als Teil eins, "Der König von Narnia". Und das bei einem Budget von rund 250 Mio. Dollar. Der Traum, mit den Fantasybüchern von C.S. Lewis einen langlebigen Boxoffice-Garanten zu schaffen, schien ausgeträumt.
Dabei hatte Regisseur Michael Apted schon längst mit der Vorproduktion des dritten Teils, "Die Reise auf der Morgenröte", begonnen. Nach Disneys Ausstieg fanden er und Rechteinhaber Walden Media in der Fox schnell einen neuen Partner. Und der kamen ausgerechnet die Turbulenzen auf den Finanzmärkten zu Hilfe. Denn der australische Dollar verlor enorm an Wert. Die ideale Voraussetzung, um die Fantasiewelt nach Down Under zu verlegen.
Ursprünglich hatte Michael Apted geplant, den Film größtenteils in Europa zu realisieren. Eine andere Variante war es, den Fußstapfen von James Cameron zu folgen und im "Titanic"-Wassertank im mexikanischen Rosarito zu drehen. Schließlich ist die "Morgenröte" in ihrem Kern ein Schiffsabenteuer.
Doch vor Ort wurden Apted und sein Team mit einer harten Realität konfrontiert: Die Stadt war vom Drogenkrieg lahmgelegt. Das Filmteam hätte in einem abgegrenzten Lager leben und sich in gepanzerten Fahrzeugen fortbewegen müssen. Doch Australien, das Michael Apted ebenfalls gescoutet hatte, hatte keinen Tank zu bieten. So entwickelte das Team eine andere Lösung: Das titelgebende Schiff mit seinen 125 Tonnen wurde auf einem Gimbal am Meeresufer errichtet; die Schwenkbühne sorgte dann für die passenden Bewegungen vor dem Ozean- Hintergrund.
Nach über zwei Jahren Vorbereitungszeit konnte Apted im Juli letzten Jahres mit dem Dreh beginnen: "Mein James-Bond-Film 'Die Welt ist nicht genug' war schon kompliziert genug, aber das ganze Hin und Her bei 'Narnia' schlug alles." Der inzwischen 69-jährige Branchenveteran ("Gorillas im Nebel") war dabei nicht mal ein Fan der Bücher: "Als ich aufwuchs, waren sie ja noch gar nicht geschrieben", meint er mit einem Schmunzeln. Was ihn an der Herausforderung reizte, war der enorme Komplexitätsgrad des Projekts, da er noch nie einen Film mit so vielen visuellen Effekten gedreht hatte.
Und noch ein anderer Aspekt war für Michael Apted wichtig: "Bei den meisten Filmen kämpfst du darum, sie dem Zuschauer näherzubringen. Aber für die Narnia-Filme gibt es von vornherein ein Publikum, wenn du einen guten Job machst. Und das ist eine sehr verführerische Vorstellung." Beim zweiten Film war es nicht gelungen, dieses Potenzial voll auszuschöpfen. Deshalb betont Michael Apted: "Wir knüpfen am ersten Teil wieder an. Der zweite Film erzählte eine viel düsterere, weniger magische Geschichte. Von dem heben wir uns eindeutig ab."
Von den bisherigen Protagonisten sind unter anderem Kaspian, einst Prinz, jetzt König, sowie die beiden jüngeren der Pevensie-Geschwister wieder mit von der Partie. Tilda Swinton macht als Weiße Hexe erneut den Protagonisten das Leben schwer; auf deren Seite kämpfen digitale Kreaturen wie der Mäuserich Riepischiep und der Löwe Aslan. Streng genommen spielt sich der Film gar nicht einmal in Narnia ab; die Helden schippern vielmehr zu verschiedenen Inseln im Meer."
Apted hatte mit rund 155 Mio. Dollar weniger Geld zur Verfügung als sein Vorgänger Andrew Adamson, der nur aus zeitlichen Gründen ausgestiegen war. Trotzdem war genügend Budget vorhanden, um unter anderem einen Kampf mit einer Meeresschlange zu kreieren. Der Regisseur selbst hatte mit dem Erwartungsdruck des Studios zu kämpfen: "Nachdem Film zwei nicht so erfolgreich war, möchte Fox, dass wir's Disney zeigen, wie man's richtig macht. Das sorgt für enorme Nervosität", die sich laut dem Regisseur in etlichen Verbesserungsnotizen des Managements manifestierte.
Einen kommerziellen Vorteil hat der dritte Teil gegenüber seinem Vorgänger in jedem Fall: Er wird in 3D zu sehen sein. Zwar wird "Die Reise auf der Morgenröte" erst nachträglich konvertiert, aber Michael Apted verspricht hohe Qualität: "Wir hatten dafür mehrere Monate, während andere Filme nur Wochen hatten. Abgesehen davon bringt Fox dank 'Avatar' großes Know-how in diesem Bereich mit." Anders als beim zweiten Teil üben sich die Geldgeber noch in Vorsicht. Für einen vierten Narnia-Film gibt es noch keine konkreten Pläne. Würde Apted dafür gegebenenfalls zur Verfügung stehen? "Man soll niemals Nein sagen."
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