Gelungene, deutsche Ausgabe von "Der Rosen-Krieg" zwischen schwarzer Komödie und Krimi. Nach Ingrid Nolls Bestseller. http://images.kino.de/flbilder/max00/mbiz00/mbiz08/z0008699/b150x150.jpg Die Apothekerin

Filmdetails

Die Apothekerin

Gelungene, deutsche Ausgabe von "Der Rosen-Krieg" zwischen schwarzer Komödie und Krimi. Nach Ingrid Nolls Bestseller.


Die Apothekerin
Start: 02.10.1997

Thriller / Komödie

Deutschland 1997
Laufzeit: 108 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Katja Riemann
Jürgen Vogel
Richy Müller

Regie: Rainer Kaufmann
Verleih: Senator

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Action
Humor
Romantik
Spannung
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Inhalt

Apothekerin Hella lebt ein unscheinbares Leben in Heidelberg. Das ändert sich, als Tunichtgut Levin in ihr Leben tritt. Um an das Erbe seines Großvaters zu kommen, muß er Hella heiraten. Ihre Beziehung wird noch merkwürdiger, als Ex-Häftling Dieter zu dem Paar stößt. Doch für jedes Problem scheint es einen passenden Todesfall zu geben.


Kritik

Die Apothekerin

Volltreffer: Rainer Kaufmanns riskant konsequente Verfilmung von Ingrid Nolls Bestseller "Die Apothekerin" aus dem Jahr 1994 ist der erhofft große Wurf geworden, der womöglich beste deutsche Film dieses Jahres - und das begann immerhin mit Helmut Dietls wunderbarem Meisterstück "Rossini". Mit einer für hiesige Produktionen ungewohnten Souveränität im Umgang mit filmischen Mitteln steuert der Regisseur ("Stadtgespräch") seine brillant spielenden Stars Katja Riemann, Jürgen Vogel und, am allerbesten, Richy Müller durch eine psychologisch fein auskalibrierte Ménage à trois, die sich bei Thriller, Krimi und Komödie bedient, aber nicht festlegen läßt, und so bei ihrer elegant erzählten Geschichte nie Genrekonventionen Rechnung tragen muß.

Ambivalenz ist hier das Schlüsselwort. Für nahezu jede Szene, Einstellung und Handlung stellt Kaufmann wenigstens zwei Lesemöglichkeiten zur Verfügung. Unterstützt von leicht verwinkelten Kameraeinstellungen und trügerisch fließendem Schnitt etabliert er so eine leicht surreale Stimmung, die an die Coen-Brüder oder einen gemäßigten Tim Burton gemahnt und dem Zuschauer ebenso langsam wie genußvoll den Boden unter den Füßen wegzieht: Alles ist möglich in dieser morbiden Geschichte über den Einzug der Amoral in das Leben einer überkorrekten, putzsüchtigen und trieblich unterforderten Apothekerin, die von einem bescheidenen Leben mit einem Mann träumt und sich schließlich mit drei grundverschiedenen Ausgaben dieser Spezies einläßt, um ihr Glück zu finden. Immer wieder kommen im Verlauf von Hellas wundersamer Erweckung Menschen zu Tode, aber der Film will sich nicht festlegen, ob es sich um Unfälle oder Morde handelt. Entsprechend zweischneidig ist auch die Zeichnung der Figuren, deren Handlungen und Absichten nicht immer klar zu deuten sind: Die, die zunächst einfach erscheinen, offenbaren ein komplexes Innenleben, während die anfangs mysteriös und vielschichtig wirkenden am leichtesten auszurechnen sind.

Die Apothekerin Hella wird aus ihrem montonen Leben gerissen, als der Tunichtgut und Student Levin in selbiges tritt. Der ist ziemlich genau das Gegenteil der gewissenhaften 30jährigen, und genau deshalb verliebt sie sich in ihn. Für Levin wäre Hella nur ein Abenteuer, zwänge ihn nicht eine Klausel im Testament seines unter mysteriösen Umständen verstorbenen Großvaters, die Apothekerin zu heiraten: Nur so kommt er in den Genuß seines Vermögens und seiner luxuriösen Villa. Kompliziert wird die Angelegenheit, als mit dem Ex-Häftling David ein Freund Levins die fragile Idylle aus der Balance bringt. Die laszive Haushaltsgehilfin Margot (mit solchen Auftritten wird man zum Star: Auto-Erotikerin Isabella Parkinson mit der beeindruckendsten Nebenrolle seit Moritz Bleibtreu in "Knockin' on Heaven's Door", der stoffelige Familienpapa Pawel und eine unerwartete Schwangerschaft tragen dazu bei, daß die Situation in der Villa alsbald eskaliert.

Nicht von ungefähr wird Ingrid Noll als "deutsche Patricia Highsmith" bezeichnet. Wie die große Dame des psychologischen Thrillers forscht sie punktgenau nach Brüchen in der spießbürgerlichen Fassade und entlarvt mit klugen Blicken unerfüllte Träume, Wünsche, Sehnsüchte und Triebe, die durch eine Verkettung von Umständen freigesetzt werden und unkontrolliert Emotions-Amok laufen. Wunderbar gelingt es Rainer Kaufmann, besonnen eine filmische Entsprechung für die subtilen Anliegen der Autorin zu finden. Wie in einem weniger überzogenen "Der Rosen-Krieg" schaukeln sich hier die Ereignisse hoch, bis sie in einer tragischen Katastrophe enden, während man hin und hergerissen ist von den Protagonisten, denen man gleichermaßen Mißtrauen und Sympathie entgegenbringt. Vor allem sind die Figuren die faszinierendsten, die man seit langem in einem deutschen Film gesehen hat. Unter der Führung von Rainer Kaufmann werden sie von seinen Stars zu prallstem Leben erweckt. Katja Riemann darf endlich zeigen, was und daß sie als Darstellerin alles kann. Jürgen Vogel beweist, daß er dann am besten ist, wenn er den Psycho unter Verschluß hält. Und Richy Müller darf erstmals seit "Die große Flatter" wieder jene animalische Gefährlichkeit ausspielen, die niemand besser auf die Leinwand transportiert als er. "Die Apothekerin": ein mutiges, unterhaltsames, unprüdes und wegweisendes Werk, das sich nicht davor scheut, großes Kino zu sein, und deshalb auch auf internationaler Ebene allen Vergleichen standhält. Hut ab vor dieser Leistung. ts.

Die Apothekerin

Darsteller:  Katja Riemann   als Hella Moormann
  Jürgen Vogel   als Levin Graber
  Richy Müller   als Dieter Krosmansky
  Isabella Parkinson   als Margot Krosmansky
  August Zirner   als Pawel Siebert
  Dagmar Manzel   als Dorit Meissen
  Andrea Sawatzki   als Alma Siebert
  Friedrich von Thun   als Rolf Moormann
  Dominic Raacke   als Kripobeamter
  Joachim Tomaschewsky   als Hermann Graber
  Eva Ingeborg Scholz   als Gudrun Moormann
  Jan-Gregor Kremp   als Bob Moormann
 
Regie:  Rainer Kaufmann  
Drehbuch:  Kathrin Richter  
  Ralf Hertwig  
Produzent:  Prof. Dr. Günter Rohrbach  
  Hanno Huth  
Ausf. Produzent:  Thomas Wöbke  
  Jakob Claussen  
Buchvorlage:  Ingrid Noll  
Kamera:  Klaus Eichhammer  
Schnitt:  Ueli Christen  
Musik:  Ludwig Eckmann  
  Maximilian Geller  
Produktionsdesign:  Knut Loewe  
Kostüme:  Katharina von Martius  
Ton:  Martin Müller  
  Prof. Martin Steyer  

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