Andreas Lust
Franziska Weisz
Markus Schleinzer
Regie: Benjamin Heisenberg
Verleih: Zorro
In zwei Disziplinen ist Johann Rettberger Spezialist. Er ist ein talentierter Langläufer und ein erfolgreicher Bankräuber. In beiden Fällen geht er mit Pragmatismus und nüchterner Berechnung an die Sache. Selbst wenn ihm die Polizei auf den Fersen ist, erhöht sich sein Puls nicht unbedingt spürbar. So gelingt es ihm, mit seiner Freundin Erika ein an Zwischenfällen armes Leben in Wien zu führen. Dann ruft ihn das Verlangen nach dem ultimativen Kick wieder auf den Plan.

Die dramatische Geschichte von "Pumpgun-Ronnie", einem erfolgreichen österreichischen Marathonläufer und Serienbankräuber.
Der spektakulärer Fall schrieb österreichische Kriminalgeschichte: Der Ex-Häftling Johann Kastenberger sammelte als Marathonläufer Meriten und spazierte nebenbei ungerührt in Bankfilialen, um in aberwitziger Maske abzukassieren. Das Geld bunkert er nachlässig unter seinem Bett, ohne sich etwas zu gönnen. Er ist ein Außenseiter und Getriebener, der nur eines will, immer weiter, Ziel unbekannt. Im Film heißt diese der Polizei auf der Nase herumtanzende Figur Rettenberger, cool und unbeteiligt gespielt von Andreas Lust, der nicht nur hart trainierte, sondern ein Jahr lang diszipliniert lebte.
Regisseur Benjamin Heisenberg debütierte mit "Schläfer" im Certain Regard des Festival de Cannes und entfernt sich in diesem publikumsfreundlicheren Mix aus Räuberpistole, Porträt und Biopic von der Berliner Schule, nähert sich dem ambivalentem Charakter vorsichtig, lässt ihm ein Geheimnis und eine Aura der Distanz, folgt im letzten Drittel der Dramaturgie den Gesetzen des Actionkinos. Im Gegensatz zum Buch von Martin Prinz wurde die Beziehung zu einer Frau ausgebaut, mit der er Wohnung und manchmal auch Bett teilt als Ausschnitt von Wirklichkeit, in dem der Hauch eines Gefühls existiert. Auf der anderen Seite steht die Einsamkeit des Langstreckenläufers, isoliert in der anfeuernden Masse, nur auf den Schlag des Herzens hörend und nur auf sich gestellt, Symbol der Energie im Extremzustand. Das Verbrechen ist für ihn Spiel und Kick. Wenn er am Ende seiner Flucht angeschossen im Nieselregen auf der Autobahn in Niederösterreich wie ein Tier verendet, seine Freundin mit letzter Kraft anruft, ist das auch der Schlusspunkt einer Suche - nach Identität, dem Sinn des Lebens, irgendwo ankommen. Erst im Tod findet er Erlösung.
Die packende Story mit einigen brutalen Szenen funktioniert aufgrund der schauspielerischen Leistung und aufgrund atmosphärischer Dichte durch die Kamera von Reinhold Vorschneider, der mit gutem Gefühl für Licht und die Menschen die Verlorenheit noch unterstreicht, in Grautönen das innere Grau spüren lässt, das Abgestorbensein. Die Bewegung beim Laufen durch Feld und Wald und die ständigen Fluchten begleitet das Stakkato der mobilen Steadycam. "Der Räuber" lässt sich im Film durch nichts und niemanden aufhalten, er ist sein größter Feind. mk.
| Darsteller: | Andreas Lust | als Johann Rettenberger | |
|---|---|---|---|
| Franziska Weisz | als Erika | ||
| Markus Schleinzer | |||
| Peter Vilnai | |||
| Johann Bednar | |||
| Max Edelbacher | |||
| Regie: | Benjamin Heisenberg | ||
| Drehbuch: | Benjamin Heisenberg | ||
| Martin Prinz | |||
| Produzent: | Nikolaus Geyrhalter | ||
| Markus Glaser | |||
| Michael Kitzberger | |||
| Wolfgang Widerhofer | |||
| Peter Heilrath | |||
| Buchvorlage: | Martin Prinz | ||
| Kamera: | Reinhold Vorschneider | ||
| Schnitt: | Andrea Wagner | ||
| Benjamin Heisenberg | |||
| Musik: | Lorenz Dangel | ||
| Produktionsdesign: | Renate Schmaderer | ||
| Kostüme: | Stephanie Rieß | ||
| Maske: | Wiltrud Derschmidt | ||
| Ton: | Marc Parisotto | ||
| Casting: | Markus Schleinzer | ||
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