Christian Berkel
Jule Ronstedt
Bibiana Beglau
Regie: Alexander Adolph
Verleih: Zorro
Der Jurist David hat endlich wieder Arbeit: Als Insolvenzverwalter soll er für einen dubiosen Auftraggeber dessen Firma liquidieren, die Mitarbeiter entlassen und die Unterlagen des Großraumbüros abwickeln. Der sozial unsichere, überprotektive Vater will einer verzweifelten Angestellten helfen - und wird sie nicht mehr los. Erst recht nicht mehr, nachdem er sie erhängt in ihrer Wohnung gefunden hat. Fortan lauern dem psychisch labilen David im Büro gewalttätige Geister auf, die nicht nur ihn, sondern auch seine Frau und den kleinen Sohn bedrohen.

Ein Workaholic mit psychiatrischer Vorgeschichte gerät in die Fänge eines Geistes. Origineller, atmosphärisch dichter Horror mit Christian Berkel.
Der zweite Kinofilm von Alexander Adolph, der mit "So glücklich war ich noch nie" einen Betrüger porträtierte, hat genau das, was anderen teutonischen Genrefilmen fehlt: Anspruch, Ernsthaftigkeit und Subtilität. Das liegt schon an den Vorbildern, denn diesmal stand keine amerikanische Scareware, sondern asiatischer Einfluss Pate sowie Meister des Unbehagens wie Polanski und Haneke, deren Motivik und Stilistik indirekt in einen ungewohnt eigenständigen psychologischen Schreckenstrip eingehen.
Einmal mehr erweist sich "Das kleine Fernsehspiel" als progressives Qualitätslabel, das nach "Rammbock" diesmal das Grauen im Büro entdeckt. Dort muss der Jurist David (Christian Berkel stark) nach längerer Arbeitslosigkeit eine kleine Firma abwickeln. In Namen eines dubiosen Auftraggebers hat er die Belegschaft entlassen und liquidiert einsam die Akten eines Großraumbüros, dessen kühle Atmosphäre von steriler Künstlichkeit, flackernden Neonröhren und Störgeräuschen im Radio sich zur permanenten Bedrohung auswächst.
Sein unbeholfener Umgang mit einer depressiven Mitarbeiterin erweist sich als Einladung für die unangenehme Person, ihn zu stalken - auch, nachdem er sie erhängt in ihrer Wohnung gefunden hat. Von da an wird aus der anfangs etablierten Misere des Sozialdramas um einen Mann, der seine Frau und den jungen Sohn ernähren will, ein immer mysteriöseres Schreckensbild zwischen Geisterhorror, Angst-Komplex und Wahnvorstellungen.
Davids psychiatrische Vorgeschichte wird nie näher erläutert, bildet aber das Sprungbrett für unheimliche Begegnungen, die zwischen "Shining" und "Jacob's Ladder" angesiedelt sind. Adolph vertraut nicht nur auf düstere visuelle Perfektion und eine dämonisch gute Tonspur, sondern gibt den Schauspielern die Chance, ihre Charaktere zu entfalten. Selbst eine übergriffige Schwiegermutter-Figur passt in diese Aura des Unerklärlichen, die zu Interpretationen einlädt - bis hin zur Burn-out-Metapher auf die Arbeitswelt. Die Geschichte eines Mannes, der das Verderben aus dem Büro in seine Familie trägt, beherrscht kernige Schocks ebenso wie kriechendes Unbehagen und ein paar heftige (von Olaf Ittenbach perfekt gewirkte) Splattereffekte. Ein ausgereiftes Werk auf erstaunlichem Niveau.
tk.
| Darsteller: | Christian Berkel | als David Böttcher | |
|---|---|---|---|
| Jule Ronstedt | als Irina Böttcher | ||
| Bibiana Beglau | als Helenia Augusta Blochs | ||
| Leopold Conzen | als Simon Böttcher | ||
| Paul Faßnacht | als Dr. Manz | ||
| Gundi Ellert | als Greta | ||
| Heinz-Josef Braun | als Filialleiter | ||
| Julia Eder | als Erzieherin | ||
| Helmfried von Lüttichau | als Norbert Otto | ||
| Johannes Herrschmann | als Dr. Goetz | ||
| Elisabeth Krojer | als Lara | ||
| Regie: | Alexander Adolph | ||
| Drehbuch: | Alexander Adolph | ||
| Produzent: | Philip Voges | ||
| Alban Rehnitz | |||
| Kamera: | Jutta Pohlmann | ||
| Schnitt: | Christel Suckow | ||
| Musik: | Dieter Schleip | ||
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